HOUSE of GUCCI
© 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.

House of Gucci

Inhalt / Kritik

House Of Gucci
„House of Gucci“ // Deutschland-Start: 2. Dezember 2021 (Kino) // 10. März 2022 (DVD/Blu-ray)

Als Patrizia Reggiani (Lady Gaga) eines Tages Maurizio Gucci (Adam Driver) über den Weg läuft, einen der künftigen Erben des Gucci-Modehauses, steht für sie sofort fest: Den will sie haben. Tatsächlich hat sie damit Erfolg, der junge Jurastudent verfällt der schönen Wilden – sehr zum Ärger seines Vaters Rodolfo (Jeremy Irons), der von der niederen Herkunft der Frau nichts hält und mit Enterbung droht. Davon lässt sich Maurizio aber nicht abbringen, für ihn ist Liebe wichtiger als Reichtum. Das bedeutet jedoch nicht, dass er leer ausgeht. Vielmehr setzt sich Aldo Gucci (Al Pacino), der ältere Bruder von Rodolfo, für eine Versöhnung ein. Dabei ahnt der nicht, dass er sich damit sein eigenes Grab schaufelt: Patrizia, der die 50 Prozent nicht reichen, die Maurizio an dem Unternehmen hält, entwirft einen Plan, wie sie auch an den Erbanteil von Aldo und dessen Sohn Paolo (Jared Leto) kommen kann …

Eine etwas andere Rückschau

Auch jenseits der 80 scheint es für Ridley Scott keinen Anlass zu geben, mal ein wenig kürzer zu treten. So ist es doch beeindruckend, wie innerhalb kürzester Zeit mit The Last Duel und House of Gucci gleich zwei Großproduktionen der englischen Regielegende in die Kinos kommen. Im Januar soll der Dreh seinen nächsten Films Kitbag beginnen, in dem er sich dem französischen Herrscher und General Napoleon Bonaparte widmet. Historische Stoffe scheinen es dem Filmemacher derzeit also angetan zu haben. Vor allem solche, bei denen auch gewalttätige Konflikte im Mittelpunkt stehen. Beim Porträt des italienischen Modehauses ist schließlich der spektakuläre Mord eines der entscheidenden Verkaufsargumente.

Das lässt eigentlich auf ein Krimidrama schließen, vielleicht sogar einen Thriller, vergleichbar zu Scotts Alles Geld der Welt vor einigen Jahren, das ebenfalls auf einem wahren Fall basierte. Zumindest an manchen Stellen hat man auch den Eindruck, dass House of Gucci ein solcher Film hat werden sollen. Aber eben nur an manchen Stellen. Die restliche Zeit darf man hier verwirrt sein, was genau das Werk eigentlich darstellt. Und vor allem: ob sich die Beteiligten einig waren, was sie hiermit erreichen wollten. Denn in den über zweieinhalb Stunden, die der Film dauert – Scott zeigt nach The Last Duel erneut den Hang zur nicht immer gerechtfertigten Überlänge –, schlägt das hier diverse Haken. Und dabei haut es das Porträt einer dysfunktionalen Modefamilie das eine oder andere Mal kräftig aus der Kurve, was aber niemanden ernsthaft zu stören scheint.

Lustvoll überzogene Groteske

Überhaupt, „ernsthaft“ ist kein Adjektiv, das man allzu oft lesen wird bei Artikeln über den Film. Im Gegenteil: House of Gucci ist eine lustvoll überzogene Groteske, bei der offensichtlich jeder machen durfte, was er wollte. Während Adam Driver noch vergleichsweise bodenständig auftritt, vom gewöhnungsbedürftigen Akzent einmal abgesehen, sehen andere in der Geschichte eine bezahlte Kostümparty. Besonders der kaum wiederzuerkennende Jared Leto dreht als Familienidiot, der trotz nicht vorhandenen Talents von einer Designerkarriere träumt, regelmäßig völlig auf, irrlichtert durch die Szenerie, als würde er den ersten Tag auf der Erde verbringen. Das steht natürlich in einem starken Kontrast zu der Tragik der Geschichte, was nicht nur bei der Gucci-Familie sauer aufstößt, die rechtliche Schritte angekündigt hat. Auch als unbeteiligtes Publikum darf man irritiert sein. Spaß macht es trotzdem.

Vor allem aber Lady Gaga wird in Erinnerung bleiben. Nicht wenige sehen sie bereits als gesetzt für eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin. Das wäre beeindruckend, mit ihrer zweiten Hauptrolle – die erste war in A Star Is Born – bereits die zweite solche Nominierung zu bekommen. Unverdient wäre es nicht. Wie sie sich in House of Gucci als intrigante Erbschleicherin inszeniert, das hat schon hohen Unterhaltungswert. Zwar ist sie hier nicht so schillernd, wie man es von ihrer musikalischen Persona kennt, vor allem nicht so lebensbejahend. Sie entspricht mehr dem Bild einer Antagonistin, die andere skrupellos ausnutzt oder ins Unglück stürzt. Ein Talent dafür, Szenen nach Belieben zu dominieren, ist aber auch in dieser Fassung nicht zu übersehen.

Überlänge mit gelegentlichem Leerlauf

Spaß macht House of Gucci dann auch vor allem, wenn es die Superstar-Variante einer Seifenoper darstellt und sich völlig dem verspielten Wahnsinn hingibt. Schade ist dabei jedoch, dass diese Richtung nicht immer konsequent beibehalten wird. Das fällt auch wegen der besagten Überlänge auf, mit der Scott weder sich noch dem Publikum einen Gefallen getan hat. So unterhaltsam der Film immer mal wieder ist, da ist auch einiges an Leerlauf dabei. Tatsächlich ist die grelle Familiensaga zuweilen sogar ein wenig langweilig, wenn sich das Drama in Details verliert und dabei nicht einmal wirklich in die Tiefe geht. Da hat man im Anschluss viel gesehen, ohne wirklich schlauer draus geworden zu sein. Dennoch, wer sich darauf einlassen kann, dass der Film irgendwie ein bisschen unrund ist, für den lohnt sich ein Besuch der ebenso kaputten wie irren Dynastie.

Credits

OT: „House of Gucci“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Becky Johnston, Roberto Bentivegna
Musik: Harry Gregson-Williams
Kamera: Dariusz Wolski
Besetzung: Lady Gaga, Adam Driver, Jared Leto, Jeremy Irons, Salma Hayek, Al Pacino

Bilder

Trailer

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„House of Gucci“ erzählt die Hintergrundgeschichte rund um den Mord in der berühmten Modefamilie. Das ist weniger düster als erwartet, erinnert vielmehr an eine schrille Superstar-Seifenoper, bei der die meisten machen durften, was sie wollten. Teilweise ist das sehr unterhaltsam, teilweise aber auch langweilig – zweieinhalb Stunden hätte es nicht gebraucht. Viel Tiefgang sollte man ohnehin nicht erwarten.
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