Inhalt / Kritik

The Power

„The Power“ // Deutschland-Start: 22. Oktober 2021 (DVD/Blu-ray)

Es sind nicht die besten Umstände, unter denen die angehende Krankenschwester Val (Rose Williams) ihre neue Stelle in dem Royal Infirmary Krankenhaus antritt. So ist das Haus recht heruntergekommen, es fehlt an allen Ecken und Enden das nötige Geld. Hinzu kommt, dass aufgrund der Stromsparmaßnahmen der Regierung immer wieder der Strom ausfällt. Die meisten Patienten und Patientinnen wurden bereits evakuiert, Val ist eine der wenigen, die sich um die verbliebenen Menschen kümmern muss. Während sie die Aufgabe sehr ernst nimmt, machen ihr die Bedingungen zu schaffen. Nicht nur, dass sie große Angst dabei hat, nachts durch das verlassene Krankenhaus zu irren, nur mit einem kleinen Licht ausgerüstet. Das Krankenhaus scheint zudem selbst ein finsteres Geheimnis zu haben …

Das Krankenhaus als Ort des Schreckens

Theoretisch sind Krankenhäuser Orte, die positiv konnotiert sein sollten. Schließlich werden dort Menschen geheilt, Schmerzen werden gelindert. In der Realität dürfte aber kaum jemand scharf darauf sein, ein Krankenhaus von innen zu sehen, wenn es nicht gerade notwendig ist. Denn selbst wenn es den meisten Leuten nach einem Krankenhausbesuch besser geht: Man verbindet mit dem Ort dann doch in erster Linie Krankheit, Leid, vielleicht gar Tod. Kein Wunder also, dass das Horrorgenre immer mal wieder düstere Geschichten dort spielen lässt. Lars von Triers Kultserie Geister ist ein Paradebeispiel dafür, wie man aus dem Setting wohliges Unbehagen schafft. Wer es ein bisschen deftiger mag, hatte kürzlich mit Awoken die Gelegenheit dazu.

Nun schickt sich auch The Power an, dem Publikum das Fürchten zu lehren. Wobei sich Regisseurin und Drehbuchautorin Corinna Faith für ihren Film ein in mehrfacher Hinsicht nicht ganz alltägliches Krankenhaussetting entschieden hat. Genauer nimmt sie uns mit in eins, das schon ein bisschen heruntergekommen ist und in dem abends überall das Licht ausgeschaltet ist. Einladend ist das nicht gerade, klingt auch irgendwie etwas an den Haaren herbeigezogen. Erklärt wird der Umstand durch einen Verweis auf ein historisches Ereignis: Der Bergarbeiterstreik führte 1974 in England zu bewussten Stromunterbrechungen, um sparen zu können. Der Titel des Films ist deshalb gleich doppelt zu verstehen. Zum einen bezeichnet er den Strom selbst. Zum anderen wird aber auch ein Machtkampf thematisiert.

Eine alptraumhafte Stimmung

Dieser setzt sich im Krankenhaus selbst fort. So dauert es nicht lange, bis Val an ihre Grenzen stößt und ungewollt mit der Oberschwester (Diveen Henry) aneinandergerät. Ihr Vergehen: Sie hat ihre Autorität in Frage gestellt. Denn auch das ist in dem Titel The Power angelegt: interne Machtkämpfe bis hin zum Machtmissbrauch. Ein bisschen überladen ist das schon, zumal der Hauptfigur auch noch eine ganz tragische Vorgeschichte auf den Leib geschrieben wurde. Das ist zwar irgendwie naheliegend für den weiteren Verlauf der Geschichte. Tatsächlich spannend ist es weniger, zumal Val ansonsten ohne nennenswerte Persönlichkeit auskommen muss. Faith reduziert sie zu einem schüchternen, fast schon willenlosen Etwas, das zwar Gutes anstrebt, aber von allen rumgeschubst wird – seien es menschliche oder anderweitige Wesen.

Inhaltlich wäre da also schon mehr drin gewesen, gleiches gilt für die historische Einbettung: Der Streik ist hier dann doch in erster Linie Anlass dafür, dass Val durch ein stockfinsteres Krankenhaus laufen muss. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wenn die junge Heldin wider Willen durch die menschenleeren Gänge streift, ihr einsames Licht nach Antworten sucht, dann ist das schon sehr stimmungsvoll. Man muss nicht einmal so wie sie Angst vor der Dunkelheit haben, um eine gewisse Anspannung zu spüren. Hinzu kommt der Soundtrack. Anstatt die Stille des Ortes auf sich wirken zu lassen, wird man hier von der Musik und fremden Geräuschen geradezu terrorisiert. Entkommen ist bei The Power nicht möglich. Denn die Bedrohung ist überall.

Wenig subtil, aber sehenswert

Subtil ist das vielleicht nicht gerade. Im Gegensatz zu anderen von Frauen inszenierten Horrorfilmen der letzten Zeit – etwa Saint Maud oder Censor – fehlt dem Film auch eine wirklich nennenswerte Botschaft oder spannende Fragestellung. Die Ausführungen zur Unterdrückung von Frauen oder schwächerer Menschen im allgemeinen sind dabei natürlich nie verkehrt, bleiben aber doch ein bisschen beliebig. Dennoch: The Power ist ein sehenswerter Genrebeitrag, den die Filmemacherin da vorlegt, 15 Jahre nach ihrem ersten Spielfilm. Bleibt zu hoffen, dass es bis zum nächsten Werk nicht wieder so lange dauert und dass sie ihr Talent für stimmungsvollen Grusel beim nächsten Mal mit einer originelleren Geschichte verknüpfen kann.

Credits

OT: „The Power“
Land: UK
Jahr: 2021
Regie: Corinna Faith
Drehbuch: Corinna Faith
Musik: Elizabeth Bernholz, Max De Wardener
Kamera: Laura Bellingham
Besetzung: Rose Williams, Emma Rigby, Diveen Henry, Charlie Carrick, Shakira Rahman, Gbemisola Ikumelo

Bilder

Trailer

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The Power
„The Power“ nimmt uns mit in ein Krankenhaus im Jahr 1974 und lässt uns mit einer angehenden Krankenschwester stockfinstere Gänge durchleuchten. Inhaltlich wäre da noch Luft nach oben gewesen. Doch die stimmungsvolle Inszenierung inklusive eines Terrorsoundtracks machen den Horrorfilm sehenswert.
7von 10
Leserwertung: (1 Judge)
7.0

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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