Acapulco Apple TV+
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Acapulco – Staffel 1

Inhalt / Kritik

Acapulco Apple TV+
„Acapulco“ // Deutschland-Start: 8. Oktober 2021 (Apple TV+)

Maximo (Eugenio Derbez) hat es zu etwas gebracht. Eigentlich sogar zu sehr viel: Er ist schwerreich, wohnt in einem luxuriösen Anwesen, besitzt wertvolle Autos. Doch das war nicht immer so, wie er seinem Neffen Hugo (Raphael Alejandro) zu dessen Geburtstag verrät. Am Anfang seiner Karriere war der junge Maximo (Enrique Arrizon) ein einfacher Poolboy in einem Resort in Acapulco. Schon lange hatte er den Traum dort zu arbeiten. Als er und sein bester Freund Memo (Fernando Carsa) eine Stelle erhalten, ist er deshalb überglücklich. Noch glücklicher wäre er nur, wenn er das Herz von der Rezeptionistin Julia (Camila Perez) gewinnen könnte. Dummerweise ist die aber mit Chad (Chord Overstreet) liiert, dem Sohn der Hotelbesitzerin Diane (Jessica Collins) …

Die Arbeit hinter der paradiesischen Fassade

Für nicht wenige bedeutet ein Urlaub der Höhepunkt im Jahr. Sich in einem Hotel mal bedienen zu lassen, sich um nichts kümmern zu müssen – das kann schon sehr schön sein. Weniger schön ist es jedoch zuweilen für diejenigen, die sich in einem solchen Hotel um die Gäste kümmern müssen. Die irgendwelche kuriosen Wünsche zu erfüllen haben, sich von Leuten herumscheuchen lassen müssen, die einmal über andere bestimmen wollen. Ein solches Szenario bringt natürlich jede Menge komisches Potenzial mit sich. Doch auch wenn die Apple TV+ Serie Acapulco durchaus mit Humor arbeitet, mit sehr viel sogar, geht sie doch in eine etwas andere Richtung, als man das im Vorfeld vielleicht hätte erwarten können.

Anstatt zum Beispiel im Stil von Love Boat seinerzeit jede Folge von neuen Gästen und ihren Geschichten zu erzählen, sind die hier fast gar nicht zu sehen. Da geht es mal um eine hartnäckige Hochzeitsgesellschaft. An einer anderen Stelle darf Maximo auch mit einer Touristin flirten. Das war es aber auch mehr oder weniger schon. Sehr viel wichtiger sind bei Acapulco die Menschen, die in dem besagten Hotel arbeiten, sowie deren Angehörige. Vor allem Maximo steht dabei im Fokus und wie er sich bei seiner neuen Stelle schlägt. Aber auch die übrigen Figuren bekommen immer wieder Raum für eigene Akzente und Entwicklungen. Recht holprige Entwicklungen meistens, irgendwie haben praktisch alle mit irgendwas zu kämpfen.

Nicht ganz ernst gemeinter Rückblick

Die zweite Eigenheit der Serie ist die Erzählstruktur. Genauer werden alle Ereignisse in die Rahmenhandlung des Gespräches zwischen Maximo und seinem Neffen eingebettet und auf diese Weise in einen Kontext gerückt. Eine solche Struktur erfreut sich natürlich immer wieder bei Filmen und Serien größerer Beliebtheit. The Billion Dollar Code beispielsweise fängt ebenso an. Was zu oft aber lediglich aus dem Grund geschieht, die fragmentarische Geschichte zu rechtfertigen, wird hier zu einer Quelle selbstironischen Humors. Schließlich ist es der Protagonist selbst, der seine Geschichte teilt und dabei immer wieder durchscheinen lässt, dass das alles vielleicht auch anders stattgefunden hat. Wer wollte ihm schließlich verbieten, seine Erinnerungen ein bisschen aufzumotzen?

Richtig konsequent wird das Spiel mit der Perspektive und dem subjektiven Erzählen zwar nicht genutzt. Aber es macht doch Spaß. Die Diskussionen zwischen dem mexikanischen Star Eugenio Derbez (Overboard) und seinem jungen Kollegen Raphael Alejandro gehören zu den unterhaltsamsten Momenten von Acapulco. Wobei auch der Rest des Ensembles gute Arbeit leistet. Enrique Arrizon tritt sympathisch auf. Vanessa Bauche etabliert sich in der Rollen von dessen kurzsichtiger und streng religiöser Mutter als verlässliche Szenendiebin. Überhaupt sind da einige gelungene Frauenfiguren in der Serie. Julia beispielsweise ist den beiden Männern, die für sie schwärmen, kulturell weit überlegen. Hotelbesitzerin Diane wiederum gelang es, ihrem Ruf als simplem Seifenoper-Starlet zu trotzen und selbst etwas aufzubauen.

Immer freundlich bleiben!

Was der Serie zuweilen etwas fehlt, ist der Biss. Zwar gibt es zwischendurch schon einige Seitenhiebe, seien es auf Kapitalismus oder Medien. Auch das problematische Verhältnis zwischen US-amerikanischen Gästen und der lokalen Bevölkerung wird aufgegriffen. Lustig ist zudem eine Szene, in der Chads Vorurteile billigen Filmen entspringen, die er als Wahrheit akzeptiert, anstatt sich einmal wirklich damit auseinanderzusetzen, wie das Land ist, in dem er lebt. Bezeichnend ist, dass in dem Hotel vor Gästen grundsätzlich nicht Spanisch gesprochen werden darf – in einer mexikanischen Stadt wohlgemerkt. Acapulco will dabei aber nie zu sehr weh tun, bleibt lieber freundlich, nett und versöhnlich. Aber es ist eben unterhaltsam, was hier abgeliefert wird. Bleibt zu hoffen, dass die Serie ihre Fortsetzung erhält, denn da bleibt noch einiges unerzählt zwischen dem jungen Mann und seinem schwerreichen Ich viele Jahre später. Und damit viel Potenzial für weitere amüsante Anekdoten.

Credits

OT: „Acapulco“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Richard Shephard, Jay Karas, Roberto Sneider, Dean Holland, Tristram Shapeero
Drehbuch: Austin Winsberg, Eduardo Cisneros, Jason Shuman, Michael Colton, Becky Mann, Audra Sielaff, Mara Vargas Jackson, Tamara Yajia, Eddie Quintana, Joe Cristalli, Chris Harris
Musik: Bo Boddie
Kamera: Grant Smith, Eduardo Enrique Mayén
Besetzung: Eugenio Derbez, Enrique Arrizon, Raphael Alejandro, Camila Perez, Chord Overstreet, Fernando Carsa, Jessica Collins, Damián Alcázar, Vanessa Bauche, Regina Reynoso, Rafael Cebrián, Carlos Corona, Regina Orozco, Bianca Marroquin

Bilder

Trailer

Interview

Was ist das Geheimnis eines guten Geschichtenerzählers? Und was bedeutet für ihn Ruhm? Diese und weitere Fragen haben wir Hauptdarsteller Eugenio Derbez in unserem Interview zu Acapulco gestellt.

Eugenio Derbez [Interview]

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In „Acapulco“ erzählt ein schwerreicher Mann, wie er sich vom einfachen Poolboy in einem Hotel hochgearbeitet hat. Das ist unterhaltsam und gut gespielt, arbeitet auch mit schöner Selbstironie. Die Serie bleibt dabei jedoch eher harmlos, stichelt zwischendurch mal, ohne wirklich weh tun zu wollen.
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