In Acapulco verkörpert Eugenio Derbez Maximo, der als einfacher Poolboy in einem Hotel angefangen hat und später zum Millionär wurde. Dabei wechselt die Geschichte immer wieder zwischen der Vergangenheit, die in dem Hotel spielt, und der Gegenwart hin und her, in der Maximo seinem Neffen seine Lebensgeschichte erzählt. Zum Start der Komödienserie auf Apple TV+ am 8. Oktober 2021 unterhalten wir uns mit dem mexikanischen Schauspieler über die Entstehungsgeschichte, über die  Schattenseiten des Ruhms und wenig verlässliche Erinnerungen.

 

In Acapulco spielst du einen Mann, der auf seine Anfänge in einem Resort zurückblickt. Könntest du uns ein wenig über die Serie und deren Entwicklung verraten?

Ich habe mein ganzes Leben lang TV-Serien in Mexiko gemacht. Als ich dann in die USA kam, drehte ich zuerst Filme, wollte aber auch dort immer schon in einer Serie mitspielen. Es gibt so unglaublich tolle Serien inzwischen. Als es dann darum ging, meine erste US-amerikanische Serie zu drehen, ging es darum, das richtige Projekt zu finden. Ausgangsbasis für Acapulco war dann ein Film von mir aus dem Jahr 2017: How to Be a Latin Lover. Die Idee war, ein Prequel zu diesem Film zu drehen und zu erzählen, wie ein Mann aus einfachen Verhältnissen in Acapulco zu einem Millionär wird. Was ist davor geschehen? Welche Leute hat er getroffen? Als wir an der Serie arbeiteten, kam dann letztendlich doch etwas vollkommen anderes heraus. Wir haben eine komplett andere Figur entworfen und fanden es interessant, deren Kämpfe zu zeigen. Wenn du versuchst deine Träume zu erfüllen, kommst du unweigerlich immer an dem Punkt an, an dem du dich fragen musst: Bin ich bereit, diesen Preis zu bezahlen, um meinen Traum zu verwirklichen? Bin ich bereit, meine Prinzipien über Bord zu werfen, um meinem Ziel näherzukommen? Und davon handelt die Serie.

Aber weshalb der Traum von dieser Hotelanlage? Warum will Maximo unbedingt dort arbeiten?

Maximo kommt aus einer einfachen und armen Familie und träumt davon, es zu etwas zu bringen. Und diese Anlage repräsentiert für ihn die Möglichkeit eines Aufstiegs. In Mexiko ist das nicht einfach. Du findest zwar schon Jobs irgendwo, etwa als Kellner oder Hausmeister. Aber damit verdienst du kaum Geld und hast keine Chance dich hochzuarbeiten. Von dem Las Colinas, dem Hotel der Serie, heißt es jedoch, dass dort immer die Stars Urlaub machen und du von ihnen viel Trinkgeld abstauben kannst. Deswegen wollen sie alle dort arbeiten, da sie davon überzeugt sind: Wer es ins Las Colinas schafft, der hat ausgesorgt. Dabei muss Maximo aber bald feststellen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.

Gleichzeitig gibt es auch diese eine Episode von dem einen berühmten Sänger, der nur dort seine Homosexualität ausleben kann und sich ansonsten versteckt. Ist das Las Colinas ein Ort, an dem du die Wahrheit findest, oder einer, in dem du deine Fantasien auslebst?

Es ist beides, wenn du genau hinschaust. Das Hotel selbst ist ein eigener Charakter und eine eigene kleine Welt. Der ganze Luxus, den du dort hast, das ist ja nicht die Realität. Das ist nur die Fassade. So wie sich vieles in dem Hotel bei einem genaueren Hinsehen. Die vielen reichen und berühmten Leute, die dort zu Gast sind, sind oft nicht so glücklich, wie sie nach außen hin erscheinen. Sie sind auch nicht so erfolgreich. Aber auch die Leute, die dort arbeiten müssen feststellen, dass das Leben nicht so ist, wie du es immer erwartest. Das finde ich auch so interessant an dem Schauplatz, dass dabei ständig damit gespielt wird, wie etwas anders wirkt, als es letztendlich ist.

Kannst du dich mit dieser Aussage identifizieren? Du arbeitest schließlich selbst in einer Traumfabrik, die voller berühmter Leute ist.

Absolut. Als ich noch ein Kind war, glaubte ich wie wohl die meisten, dass Ruhm und Reichtum das Beste sind, was die passieren kann. Wir wollten alle so sein wie Brad Pitt oder Michael Jackson und so ein Leben wie sie führen. Aber wenn du dem Ganzen dann mal näherkommst, dann stellst du fest, dass ein solches Leben absolut keinen Spaß macht. Du hast eigentlich auch kein Leben mehr, weil du nie mehr wirklich privat bist. Du kannst nicht mehr einfach so nach draußen gehen. Du kannst in kein Einkaufszentrum mehr oder ungestört irgendwo in einem Restaurant sitzen, weil du immer von jemandem erkannt und bedrängt wirst. Das viele Geld, das du als Star bekommst, ist es nicht wert, was du dafür opfern musst. Außerdem musst du sehr viel dafür tun, um diesen Ruhm auch zu behalten. Ich kenne Schauspieler, die einen Film nach dem anderen drehen, nur damit sie im Gespräch bleiben, und dabei ihre Familie verloren haben. Was bringt es dir, wenn du auf der ganzen Welt irgendwelche Luxushäuser hast, aber keine Gelegenheit, auch mal tatsächlich dort zu sein?

Welche Rolle spielt die Stadt Acapulco für eure Serie? Hotels gibt es schließlich auf der ganzen Welt. Warum also ausgerechnet dort eine Geschichte erzählen?

Unsere Serie spielt ja in den 80ern. Und Acapulco war schon ein ganz besonderer Ort in den 80ern. Wenn du dir die Hotels aus dieser Zeit anschaust, dann waren die alle sehr bunt, pink zum Beispiel oder blau oder türkis. Und diese ganz eigene Atmosphäre wollten wir erzeugen und das Publikum auf eine Zeitreise mitnehmen. Ein Großteil unseres Budgets ging dann auch dafür drauf, das Hotel in der Serie in einem leuchtenden Pink anzumalen.

Deine Figur liebt es auch, in Erinnerungen zu schwelgen und große Geschichten von früher zu erzählen. Bist du selbst ein Geschichtenerzähler?

Oh ja, ich liebe das! Ich würde mich selbst als jemanden bezeichnen, der in seinem Leben großes Glück hatte. Gleichzeitig habe ich aber auch immer wieder unglaubliches Pech und irgendwelche blöden Sachen passieren. Wenn ich irgendwohin fahre, dann fragen mich meine Freund im Anschluss immer: Und, was ist diesmal schiefgegangen? Ich bin einer dieser Leute, denen alles zustößt, was einem Menschen nur zustoßen kann. Und daraus werden bei mir dann Geschichten, die ich anderen erzähle.

Nun schafft es aber nicht jeder, aus Erlebnissen tatsächlich eine Geschichte zu machen. Was zeichnet für dich einen guten Geschichtenerzähler aus?

Du musst letztendlich wissen, wie man eine Geschichte erzählt. Eine Geschichte ist immer mehr als nur der bloße Inhalt. Da geht es auch viel um die Stimmung, damit die Zuhörer sich darin wiederfinden. Du musst ihm das Gefühl geben, tatsächlich dort zu sein. Dafür nehme ich mir gerne auch mehr Zeit. Meine Frau ist da ganz anders. Sie beklagt sich immer bei mir, dass ich so ausschweifend werde beim Erzählen. Während ich bei Schneewittchen noch mit „Es war einmal …“ anfange, da springt sie gleich zum Ende: „Sie heiratet den Prinzen“.

Was bei Maximo auffällt: Wenn er seine Erinnerungen mit seinem Neffen teilt, verändert er diese Erinnerungen oft und macht schon mal etwas ganz anderes daraus. Können Erinnerungen überhaupt je real sein oder sind die immer Geschichten, die wir erzählen?

Ich denke, dass wir alle schon einmal die Erfahrung gemacht haben, dass Erinnerungen sehr unterschiedlich ausfallen können. Wenn du dich zum Beispiel mit einem Freund zusammensetzt und an ein gemeinsam erlebtes Ereignis zurückerinnerst, dann werden da schnell zwei unterschiedliche Realitäten draus. Ihr wart beide da, habt dasselbe gesehen, habt dasselbe erlebt. Und doch wurde für beide etwas anderes daraus. Es kommt also schon vor, dass du deine Erinnerungen veränderst, vielleicht etwas hinzufügst, und dadurch eine andere Realität erschaffst. Die hat es dann so gar nicht gegeben, ist für dich selbst aber so real, als wäre das wirklich geschehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person
Eugenio Derbez wurde am 2. September 1961 in Mexiko City, Mexiko geboren. Seine Schauspielkarriere begann in den 1980ern im Fernsehen. Später spielte er auch in mehreren Filmen mit und arbeitete als Synchronsprecher. 1997 gab er sein Debüt als Regisseur in der Serie No Tengo Madre. 2013 erschien die von ihm inszeneirte Tragikomödie Plötzlich Vater, die mit einem Einspielergebnis von mehr als 100 Millionen Dollar weltweit der erfolgreichste spanischsprachige Film aller Zeiten ist. Ein weiterer Filmerfolg war die Komödie How to Be a Latin Lover (2017) mit ihm in der Hauptrolle eines gealterten Gigolos.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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