Inhalt / Kritik

Shang-Chi And The Legend Of The Ten Rings

„Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ // Deutschland-Start: 2. September 2021 (Kino)

Als Sohn des mächtigen Wenwu (Tony Leung) aufgewachsen, war die Kindheit von Shang-Chi (Simu Liu) geprägt durch seine Ausbildung zu Kämpfer. Eine Ausbildung, die damit endet, dass er den Anführer einer rivalisierenden Band töten soll. Jahre später hat er sich von diesem Leben losgesagt und verdient zusammen mit seiner guten Freundin Katy (Awkwafina) Geld damit, die Autos anderer einzuparken. Doch dann wird er eines Tages von seiner Vergangenheit eingeholt, als sie im Bus von Razor Fist (Florian Munteanu) angegriffen werden. Zwar gelingt es Shang-Chi die Angreifer abzuwehren, stellt dabei jedoch fest, dass dabei der Anhänger seiner Mutter entwendet wurde. Aus Angst um seine Schwester Xialing (Meng’er Zhang), die im Besitz des zweiten Anhängers ist, reisen Shang-Chi und Katy daraufhin nach Macau, um sie zu warnen …

Zeit für neue Helden

Neuen Helden braucht das Land! Nachdem Marvel mit dem großen Finale Avengers: Endgame einige der Alteingesessenen aussortiert hat, auf die eine oder andere Weise, war es an der Zeit für ein paar frische Gesichter. Bei Black Widow, dem ersten Film von Phase vier des Marvel Cinematic Universe war das natürlich nur bedingt der Fall, auch wenn mit Yelena Belova eine der unterhaltsamsten Frauenfiguren des Franchises eingeführt wurde. Aber während die dann wohl doch vorrangig in der kommenden Serie Hawkeye zum Einsatz kommen soll, erhält dank Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings nun auch der filmische Hauptcast Nachschub. Und es ist ein Nachschub, der durchaus Lust auf weitere Teile macht.

Erfreulich ist zum einen, dass Marvel weiterhin an einer verstärkten Diversität arbeitet. Mit Shang-Chi darf erstmals eine asiatische Figur im Mittelpunkt stehen, anstatt sich irgendwo mit einem Platz auf den hinteren Rängen zufrieden geben zu müssen. Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings hat dadurch die Chance, zu einer ähnlichen Identifikationsfläche zu werden, wie es Black Panther vor einigen Jahren für Dunkelhäutige war. Zumal auch drumherum fast ausschließlich ein asiatisches oder asienstämmiges Ensemble zu sehen ist. Dabei setzt sich dieses zum Teil aus Newcomern, zum Teil aus Veteranen und Veteraninnen zusammen. Fans des fernöstlichen Kinos dürfen sich beispielsweise darauf freuen, dass mit Tony Leung Chiu-wai und Michelle Yeoh gleich zwei Legenden eine größere Rolle erhalten haben.

Ein Familiendrama im magischen Gewand

Die Besetzung ist auch deshalb wichtig, da der Film wie nur wenige andere Teile der Erfolgsreihe auf das Zwischenmenschliche und persönliche Tragik eingeht. Tatsächlich ist Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings über längere Strecken ein Familiendrama, das auch losgelöst von den Actionszenen und dem magischen Drumherum funktionieren würde. Die Verzweiflung von Wenwu, der nicht über den Tod seiner Frau und seine damalige Hilflosigkeit hinwegkommt, macht ihn zu einem der interessanteren Gegenspieler im Marvel-Universum. Seit Spider-Man: Homecoming bot der Böse keine vergleichbare Mischung aus Bedrohung und selbst erlittenem Schmerz, anstatt einfach nur mal wieder die Welt untergehen lassen zu wollen.

Ganz auf Letzteres hat Regisseur und Co-Autor Destin Daniel Cretton (Just Mercy, Schloss aus Glas) dann aber doch nicht verzichtet, um sich nicht zu weit von der Marvel-Formel fortzubewegen. Gleiches gilt für den Humor, der immer mal wieder eingebaut wird und der ein festes Element der Reihe ist. Das Ergebnis ist jedoch etwas zwiespältig. Während die lustigen Szenen für sich genommen unterhaltsam sind, kommt es doch zu recht starken Brüchen in Hinblick auf die Stimmung. Das große CGI-Spektakel zum Ende fühlt sich zudem mehr nach einer Pflichtaufgabe an, damit das Publikum das Gefühl hat, das hier sei so richtig wichtig gewesen, anstatt der eigentlichen Geschichte zu vertrauen. Ein weiteres Problem: Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings hat manchmal Probleme mit dem Pacing. Wenn zu viel auf einmal untergebracht werden muss, darf sich niemand darüber wundern, dass die Geschichte streckenweise nicht vorankommt und am Ende dann überhastet abgeschlossen werden muss.

Überraschend gute Kämpfe

Insgesamt überwiegt das Positive aber deutlich. Lobenswert ist beispielsweise, dass die Actionszenen – von besagten Computer-Exzessen einmal abgesehen – körperlicher und besser choreografiert sind, als man es bei Marvel oft gewohnt ist. Die Kämpfe im Bus etwa lassen die vielen Greenscreen-Auftritte der Helden und Heldinnen weit hinter sich. Auch die märchenhafte Note, wenn wir in verborgenen Dörfern unterwegs sind und es mit jahrtausendalten Legenden zu tun bekommen, tut dem Film ganz gut. Gemeinsam mit den besagten Stärken des Ensembles wird Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings damit zu einem der besseren Origin Filme der Marvel-Reihe und zeigt, dass trotz gelegentlicher Unkenrufe das Cinematic Universe doch noch einiges mehr auf Lager hat.

Credits

OT: „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Destin Daniel Cretton
Drehbuch: Dave Callaham, Destin Daniel Cretton, Andrew Lanham
Musik: Joel P. West
Kamera: William Pope
Besetzung: Simu Liu, Awkwafina, Meng’er Zhang, Tony Leung, Florian Munteanu, Michelle Yeoh, Ben Kingsley

Bilder

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Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings
Wenn in „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ ein ausgebildeter Kämpfer von seiner Vergangenheit eingeholt wird und abwechselnd gegen seinen Vater und magische Wesen kämpft, dann ist das deutlich besser, als man hat erwarten dürfen. Ein sehr gutes Ensemble, packend inszenierte Kämpfe und eine märchenhafte Stimmung machen den Film zu einem der besseren Einstandsgeschichten von Marvel, selbst wenn da gerade zum Schluss doch wieder viele Konventionen abgedeckt werden mussten.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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