Kritik

Just Mercy

„Just Mercy“ // Deutschland-Start: 27. Februar 2020 (Kino)

Nach seinem Studium in Harvard stehen Bryan Stevenson (Michael B. Jordan) im Prinzip alle Türen offen. Doch anstatt das große Geld zu suchen, will der idealistische Anwalt lieber den Menschen helfen, für die sich sonst niemand einsetzt. Und so geht er nach Alabama, um dort mit Eva Ansley (Brie Larson) für Leute zu kämpfen, die sich keinen Anwalt leisten können oder schlecht vertreten wurden. Einer davon ist Walter McMillian (Jamie Foxx), der schwarze Familienvater soll eine weiße Jugendliche ermordet haben. Die Beweise sind dünn, lediglich eine fragwürdige Zeugenaussage diente als Grundlage. Für Stevenson ist klar, dass sein Mandant zu Unrecht verurteilt wurde – doch davon will niemand in dem Ort etwas hören, erst recht nicht die Justiz …

Kaum ein Bundesstaat steht wohl vergleichbar für die alten USA, für Baumwollplantagen und Sklavenhaltung, für einen institutionellen Rassismus, der bis heute Wurzeln schlägt. Ein Film, der Ende der 80er spielt und in dessen Mittelpunkt ein schwarzer Anwalt steht, der sich für schwarze Inhaftierte stark macht? Da braucht es nicht wirklich viel Fantasie, um sich das Ergebnis vorstellen zu können. Zumal Destin Daniel Cretton (Schloss aus Glas) selbst nicht unbedingt viel dafür tut, um das Publikum zu überraschen oder in irgendeiner Form ambivalent zu sein. Er hält sich da lieber an die Erwartungen.

Schockierende Beispiele für Ungerechtigkeit
Sicher, ganz frei war er bei seiner Geschichte nicht. Bryan Stevenson hat es nun einmal wirklich gegeben, ebenso die Fälle, die hier behandelt werden. Und das Leben ist schließlich eher selten originell oder überraschend. Klischees eines rassistischen Amerikas, gerade auch im Bereich Justiz der Polizei, die werden noch immer viel zu oft bestätigt, als dass man ernsthaft dagegen argumentieren wollte. Nicht ohne Grund erschienen in der letzten Zeit Werke wie Queen & Slim oder Black and Blue, die sich mit willkürlicher Polizeigewalt und einem Rechtsstaat auseinandersetzten, der an einer allgemeinen Gerechtigkeit wenig Interesse hat.

Das ist in Just Mercy nicht anders. Immer wieder baut Cretton Szenen ein, die zeigen, wie wenig sich die weiße Bevölkerung in dem Ort um die schwarze schert. Es braucht da noch nicht einmal tatsächliche Beleidigungen oder gar tätliche Angriffe. Die Art und Weise, wie McMillian oder auch Stevenson behandelt werden, gedemütigt werden, die spricht auch so Bände. Selbst wenn man vergleichbare Szenen aus anderen Filmen schon kennt, ihre Wirkung verfehlen sie hier nicht. Oft genug bleibt einem nicht anderes übrig, als fassungslos und wütend zuzusehen, gefangen in einer Ohnmacht. Wenn Richter offensichtliche Beweise für eine Unschuld bzw. fehlerhafte Prozesse achselzuckend beiseiteschieben, das geht nicht spurlos an einem vorüber.

Tragische Schicksale in der Zelle
Zumal die entsprechenden Momente auch gut gespielt sind. Jamie Foxx steht dabei klar im Vordergrund als Vorzeigefall. Dass seine Figur nur ein Sündenbock sein soll, entbehrlich, weil schwarz, das wird schon früh klar gemacht. Der Film lässt daran keinerlei Zweifel. Die eigentlichen Ermittlungen sind daher auch wenig spannend. Zu Herzen gehen zudem die Auftritte von, Rob Morgan und Tim Blake Nelson, jeweils als tief traumatisierte Häftlinge. Sie gehören sogar zu den stärksten Momenten des Films, während Michael B. Jordan und Brie Larson recht blass bleiben. So schön es natürlich ist, wenn moralisch integre junge Menschen für die Gerechtigkeit kämpfen und dafür bereit sind, auf vieles zu verzichten oder über sich ergehen zu lassen: Als Figur ist das ziemlich langweilig.

Sehenswert ist das Drama, das auf dem Toronto International Film Festival 2019 Premiere hatte, am Ende schon. Trotz der historischen Geschichte ist es auch aktuell genug, um heute noch gezeigt zu werden. Es erinnert zudem daran, dass Gerechtigkeit ein hohes Gut ist, das wir nicht für selbstverständlich nehmen sollten. Selbst wenn einem die absurden bis schockierenden Beispiele für Rassismus aus den USA fremd vorkommen und sich nicht eins zu eins übertragen lassen, als Plädoyer für Gleichberechtigung und Offenheit funktioniert Just Mercy auch so – trotz der bedauerlichen Konventionalität.

Credits

OT: „Just Mercy“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Destin Daniel Cretton
Drehbuch: Destin Daniel Cretton, Andrew Lanham
Vorlage: Bryan Stevenson
Musik: Joel P. West
Kamera: Brett Pawlak
Besetzung: Michael B. Jordan, Jamie Foxx, Brie Larson, Rob Morgan, Tim Blake Nelson, Rafe Spall

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Just Mercy
„Just Mercy“ erzählt die wahre Geschichte eines schwarzen Anwalts, der Ende der 80er in Alabama für einen zu Unrecht verurteilten Mann kämpft. Das Drama ist teilweise stark, vor allem aufgrund der Darstellungen der Opfer. Die Figurenzeichnung bleibt aber sehr schematisch, an vielen Stellen ist der Film auch zu konventionell, um wirklich Eindruck zu hinterlassen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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