(„Retour chez ma mère“ directed by Eric Lavaine, 2016)

Willkommen im Hotel Mama

„Willkommen im Hotel Mama“ läuft ab 11. August im Kino

So schnell kann’s gehen: Im einen Moment ist die 40-jährige Stéphanie (Alexandra Lamy) noch glücklich verheiratet und erfolgreiche Architektin, im nächsten hat sie beides verloren. Es hilft also nichts, sie muss wieder daheim bei Mama Jacqueline (Josiane Balasko) einziehen. Das Zusammenleben gestaltet sich jedoch von Anfang an schwierig – von der Temperatur bis zum Fernsehprogramm, die beiden kommen auf keinen gemeinsamen Nenner. Schlimmer noch, ihre Mutter hat ein gemeinsames Essen mit Stéphanies Geschwistern Carole (Mathilde Seigner) und Nicolas (Philippe Lefebvre) angesetzt. Da sind Streit und Häme quasi schon vorprogrammiert. Dabei würde Jacqueline die Gelegenheit so gern nutzen, um endlichen reinen Tisch zu machen und ihren Kindern zu verraten, dass sie schon länger mit ihrem Nachbarn Jean (Didier Flamand) liiert ist.

Die liebe Familie, man kann nicht mit ihr, man kann nicht wirklich ohne sie. Das ist jetzt keine wirklich neue Erkenntnis, aber doch eine, mit der sich viele identifizieren können. Mehr als zwei Millionen Zuschauer zog die Komödie Willkommen im Hotel Mama in die französischen Kinos, nun sollen auch die Deutschen daran teilhaben dürfen, wie sich hier Verwandte zur Weißglut treiben. An zu großen kulturellen Unterschieden sollte das Vorhaben nicht scheitern, denn eigentlich sind es ganz allgemeingültige Konflikte, die hier den Mittelpunkt bilden, unabhängig von Landesgrenzen oder dem Alter.

Wobei das mit dem Mittelpunkt hier so eine Sache ist, ganz genau wird bei Willkommen im Hotel Mama nicht klar, worum es denn eigentlich gehen soll. Wird erzählt, wie schnell man seinen Job verlieren kann und welche Demütigungen damit einhergehen? Will die Komödie die skurrilen Erfahrungen zeigen, die das Miteinander einer erwachsenen Frau und deren Mutter mit sich bringen? Kommt es auf die familiären Probleme an, die zum Ende auf den Tisch kommen und die plötzlich gar nicht mehr so nette Komödie antreiben? Man weiß es nicht, alles kommt irgendwie vor, wird mal ausgearbeitet, dann wieder nicht, begleitet von zuweilen nicht ganz nachvollziehbaren Handlungen und Dialogen, bevor es am Ende in einem obligatorischen und recht erzwungenen Happy End mündet. Die Sache mit Stéphanies Sohn beispielsweise, den sie kaum zu Gesicht bekommt, der wirkt wie ein Überbleibsel aus einem anderen Drehbuch, welches schlichtweg vergessen wurde.

Und doch macht der Film immer mal wieder Spaß, was gerade auch der prima Besetzung zu verdanken ist. So gibt Josiane Balasko eine wunderbar schrullige Mama ab, die einen mit ihrer Fürsorglichkeit und seltsamen Macken als unmittelbar Beteiligter vermutlich in den Wahnsinn treiben würde. Dass Identifikationsfigur Stéphanie regelmäßig an ihr verzweifelt, ist daher ebenso verständlich wie die frustrierenden Erfahrungen, die sie bei der Arbeitssuche macht. Doch der Höhepunkt kommt später, wenn Lebensanschauungen und Werte in einer direkten Art aufeinanderprallen, wie man sie eben nur aus Familienkreisen kennt, gekoppelt mit einem amüsanten Missverständnis, das sich immer weiter aufbauscht – zur Freude der Zuschauer. Zwischendrin plätschert das grundsätzlich sympathische und charmante Willkommen im Hotel Mama aber auch immer mal wieder etwas vor sich hin, wenn analog zur bedauernswerten Hauptfigur nicht nur ein eindeutiges Konzept, sondern auch der Biss fehlt.



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Willkommen im Hotel Mama
Eine 40-jährige Frau verliert ihren Job und muss wieder daheim einziehen – ein Alptraum! Für die Zuschauer geht die Situation aber mit diversen unterhaltsamen Momenten einher, gerade auch wegen der wunderbar schrulligen Mama. Nur fehlt es „Willkommen im Hotel Mama“ an einem klaren Konzept, manchmal auch am nötigen Biss, um mehr als nette Unterhaltung zu sein,
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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