Regisseurin Antje Drinnenberg erzählt im Interview von ihrem Dokumentarfilm Lionhearted – Aus der Deckung (Kinostart: 23. September 2021) über den Münchner Boxtrainer Ali Cukur, seine Gabe, sozial benachteiligten Jugendlichen über den Sport Werte zu vermitteln und erklärt, warum es so wichtig für sie ist, diese Geschichte zu erzählen.

Wie kamst du auf den Titel Lionhearted?

Lionhearted steht für Tapferkeit und Mut. Für mich ist Ali ein unglaublich mutiger Mensch. Ich habe das Gefühl, er lässt sich nicht von dem machohaften Verhalten der Jugendlichen abschrecken, die zum ersten Mal in seinen Boxverein kommen. Er hat die besondere Gabe, den Teilnehmern direkt ins Herz zu schauen und zu sehen, was sie wirklich brauchen. Damit nimmt er den Filter von ihrer vordergründigen Aggression. Außerdem sind auch die Jugendlichen sehr mutig in Anbetracht dessen, was sie in ihrem Leben schon alles durchgemacht haben. Sie haben oft Traumata und schwierige Phasen durchlebt – und haben dennoch den Mut, sich auf eine intensive Bindung mit Ali einzulassen. Sie öffnen sich, zeigen sich verletzlich und geben Ali einen Vertrauensvorschuss. Auch dafür braucht es eine Menge Mut.

Wie hast du Ali kennengelernt?

Ein befreundeter Journalist hat mir von Ali erzählt und den Kontakt hergestellt. Also habe ich angefangen, selbst beim TSV 1860 Boxen zu trainieren, um einen besseren Eindruck zu gewinnen. Und jeder zweite Teilnehmer erzählte mir irgendwann: „Der Ali ist wie ein Vater für mich“. Das hat mich so neugierig gemacht, dass ich mich gefragt habe, wie Ali es schafft, eine so enge Bindung zu Menschen herzustellen, die von Richtern und Sozialarbeitern schon aufgegeben wurden.

Und wie schafft er es?

Durch Anerkennung und Empathie. Ali sieht, was die Jugendlichen in dem jeweiligen Moment gerade brauchen. Mal ist es ein Lob, mal ein Dämpfer. Er schafft es, die negative Kraft, die die Jugendlichen mitbringen, zu kanalisieren und in etwas Konstruktives umzuwandeln. Langfristig verändern sich in den Köpfen der Jugendlichen dadurch die Werte, für die sie stehen und nach denen sie handeln. Ali ist der Kitt der Gesellschaft.

Was war deine Motivation, den Film zu drehen?

Wir haben so viele Vorbilder, die Stars sind. Aber die eigentlichen Helden der Gesellschaft stehen nicht im Rampenlicht. Die machen das wie Ali einfach unermüdlich seit so vielen Jahren, ohne dass ihr Einsatz wahrgenommen wird. Trotzdem machen sie immer weiter. Ich finde das bewunderns- und erzählenswert. Deshalb habe ich beschlossen, Alis Geschichte zu erzählen.

Vielen Dank für das Gespräch!



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