Leberkäsjunkie
© 2019 Constantin Film Verleih GmbH / Bernd Schuller

Leberkäsjunkie

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Leberkäsjunkie
„Leberkäsjunkie“ // Deutschland-Start: 1. August 2019 (Kino) // 16. Januar 2020 (DVD/Blu-ray)

Der Anblick der verkohlten Leiche haut selbst den stärksten Mann um. Für den Provinzpolizisten Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) ist dann auch klar, dass das der Grund gewesen sein muss für seinen Schwächeanfall. Irrtum, sagt der Arzt. Das Cholesterin war’s. Jetzt heißt es also abspecken: Weg mit dem ganzen ungesunden Zeug, jetzt kommt nur noch Gemüse auf den Tisch. Als ob es Franz nicht auch so schon schwer genug hat. Schließlich gibt es mal wieder Zoff mit Susi (Lisa Maria Potthoff). Die hat ihm den fast einjährigen gemeinsamen Sohn Paul in die Hand gedrückt, damit der sich mal eine Woche um ihn kümmert. Aber wie soll er bei all dem Stress denn den Mörder finden?

Viel zu sagen gibt es zu Leberkäsjunkie eigentlich nicht. Seitdem Dampfnudelblues 2013 zu einem Überraschungshit wurde, der trotz des rein auf Bayern beschränkten Kinostarts 500.000 Zuschauer anlockte, ist die Reihe um den Provinzpolizisten Franz Eberhofer zu einer festen Institution geworden. Praktisch jährlich kommt ein neuer Fall in die Kinos, die Besucherzahlen steigen ständig etwas weiter an. Mit Sauerkrautkoma konnte letztes Jahr erstmals die Millionenmarke überschritten werden. Große Experimente sind in dem Stadium daher nicht mehr zu erwarten. Was einmal lief, läuft auch zweimal. Oder eben ein halbes Dutzend Mal.

Alles beim alten

Und so gibt es in dem mittlerweile sechsten Film, der auf den Provinzkrimis von Rita Falk basiert, nicht nur ein Wiedersehen mit dem leberkäsmampfenden, grummeligen Polizisten. Seine komplette Familie ist auch wieder mit an Bord, seine Freunde. Und natürlich auch Rudi Birkenberger (Simon Schwarz), der von Anfang an kräftig bei den Fällen mitermittelte, in einer Mischung aus Hilfsbereitschaft und Selbstüberschätzung. Schließlich hält er sich mit minderwertigen Kaufhausdetektivjobs über Wasser. Da ist ein kleiner Mord dazwischen doch mal eine schöne Gelegenheit, um der Welt zu beweisen: Der Rudi, der kann was!

Tatsächlich wird in Leberkäsjunkie der Kriminalfall wieder etwas stärker betont als zuletzt. Anstatt sich eben nur auf den Provinzklamauk rund um die kuriosen Gestalten eines bayerischen Dorfes zu beschränken, läuft Eberhofer dieses Mal tatsächlich wieder durch die Gegend, befragt Leute, sammelt Spuren. Das hat nicht wirklich Tiefgang, die Zahl der Verdächtigen ist ebenso überschaubar wie das Motiv bescheuert. Aber bei einer Reihe, die sich bewusst gegen jegliche Form von Entwicklung entschieden hat, darf man ja für alles dankbar sein. Und damit auch für die zarten Versuche, ausnahmsweise emotionale Konflikte einzubauen, die über das übliche Geplänkel des mal-ja-mal-nein-nicht-wirklich-Paares Franz und Susi hinausgehen.

Witze zum Kotzen

Im Gegenzug darf sich der Humor noch weiter zurückentwickeln, auch wenn man das im Vorfeld kaum für möglich gehalten hat. Mit einem kleinen Baby im Arm gab es schließlich die Erlaubnis, zusätzlich zu Besäufnis und Fressattacken nun auch Kotz- und Kaka-Witze einzubauen. Was mit Dampfnudelblues noch als charmantes Porträt der provinziellen Eigenart begonnen hat, das zusätzlich ein bisschen in die Abgründe blickte, da gibt es inzwischen nur noch billige Fassade, das filmische Pendant zum Gammelfleisch. Da helfen auch die dezenten Attacken gegen plumpen Rassismus nicht, zumal nur wenige Minuten später die übelsten Homosexuellenklischees ausgepackt werden.

Wer das lustig findet oder immer noch darüber lachen, wenn Eberhofer selbst im sechsten Film zu viel Leberkäs futtert, der hat sicher seinen Spaß hier. Und grundsätzlich ist ja auch gegen derben Humor nichts einzuwenden. Long Shot zeigte vor einigen Wochen, wie so etwas funktionieren kann. Leberkäsjunkie scheitert jedoch an dieser Aufgabe, erzählt seit Jahren dieselben Witze und klopft sich für diese altbackene Konstanz auch noch auf die Schulter. Fans dürfen und werden wieder in Massen in die Kinos stürmen, um sich ein bisschen bestätigen zu lassen. Der Rest kann den neuesten Teil getrost ignorieren, der einmal mehr so wirkt, als wären die Leute hinter dem Film seit Jahren volltrunken in einer Stube gefangen, weil sie den Weg zur Tür nach draußen nicht mehr finden oder auch nicht mehr finden wollen.



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„Leberkäsjunkie“ ist ein Eberhofer durch und durch. Es wird jetzt zwar ein bisschen mehr ermittelt und sich an neuen emotionalen Konflikten versucht. Ansonsten ist die Krimikomödie aber wieder eine Ansammlung von Klischees und derbem Humor, der es auch beim sechsten Mal lustig findet, wenn Männer zu viel essen, zu viel trinken und rülpsen. Gekotzt wird dieses Mal auch.
4
von 10