On the Sea
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On the Sea

On the Sea
„On the Sea“ // Deutschland-Start: 5. November 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Seit vielen Jahren schon ist Jack (Barry Ward) mit seiner Jugendliebe Maggie (Liz White) verheiratet. Gemeinsam haben sie sich ein solides, wenn auch nicht ganz einfaches Leben aufgebaut. So muss Jack als Muschelfarmer an der rauen Küste von Nordwales viel und hart arbeiten, er schont da weder sich noch seinen Teenager-Sohn Tom (Henry Lawfull), der wenig Interesse an dem Familienunternehmen hat. Die Routine hat jedoch ein Ende, als Daniel (Lorne MacFadyen) in sein Leben tritt. Dieser ist einige Jahre jünger und hat einen Job als Deckhelfer angenommen. Und er ist offen homosexuell, was in dem Fischerdorf nicht überall positiv aufgenommen wird. Umso verwirrender ist für Jack, als er und Daniel sich näherkommen und er Gefühle entwickelt, von denen er nicht wusste, dass er sie hat …

Gut Ding will Weile haben

Es ist eine ganze Weile her, dass es etwas Neues von Helen Walsh gab. Bekannt geworden war die Engländerin eigentlich als Schriftstellerin, schon mit ihrem autobiografisch gefärbten Debütroman Millie (2004) über die Sex- und Drogeneskapaden einer Jugendlichen sorgte sie für jede Menge Aufmerksamkeit. Es folgten mehrere andere Bücher, doch seit The Lemon Grove im Jahr 2014 warten Fans auf Nachschub. Dafür wandte sie sich dem Filmemachen zu und erzählte 2016 in ihrem Regiedebüt The Violators von dem wilden Kollisionskurs zweier dysfunktionaler Teenagerinnen. Doch auch in der Hinsicht war anschließend Schweigen angesagt. Umso neugieriger durfte man daher sein, als sich Walsh mit ihrem lang erwarteten zweiten Film On the Sea zurückmeldete.

Dieser hat nicht viel mit dem vorangegangenen gemeinsam – oder dem, was man bei der Geschichtenerzählerin erwarten würde. So ist das neue Werk eine sehr ruhige Angelegenheit geworden. Von den Exzessen, die Walsh früher zeigte, ist hier nichts mehr zu spüren, wenn wir in das Leben eines Familienvaters eintauchen. An der einen oder anderen Stelle wird es zwar intensiver, kann es auch etwas brutal sein – an der Küste pflegt man raue Umgangsformen. Aber On the Sea ist kein Film, der von der Handlung leben würde. Das fällt auch deshalb auf, weil die Laufzeit mit etwas weniger als zwei Stunden nicht unbedingt kurz ist. Die Entwicklung der Liebesgeschichte erfolgt sehr gemächlich, auch weil sich Jack aus nachvollziehbaren Gründen schwer damit tut. Manchen könnte das zu wenig sein.

Genau beobachtetes Milieuporträt

Wen das nicht stört, findet ein Drama, das sehr genau beobachtet und sich an Detailarbeit erfreut. Zunächst beginnt das als Milieuporträt, welches uns die Arbeit von Fischern näherbringt. Wir sehen Jack und den anderen bei der Arbeit zu. Dabei lässt Walsh die Bilder für sich sprechen, sieht keine Notwendigkeit, viel zu erklären. Das betrifft die Tätigkeit an sich, aber auch die Figuren, die wir nach einiger Zeit näher kennenlernen. Und auch die Gefühle der zwei Protagonisten wird in On the Sea lange nicht verbalisiert. Blicke und Körpersprache ersetzen Dialoge in einer Situation, in der vor allem der Austernsammler gar nicht wüsste, was er sagen soll. Er ist sich ja nicht einmal sicher, was genau er da in sich fühlt. An einer Stelle betont er, seine Ehe sei keine Lüge gewesen. Aber was ist das dann hier? Walsh gibt darauf keine Antwort, weil es vielleicht auch gar keine Antwort gibt.

Das funktioniert gut, auch weil das Zusammenspiel von Barry Ward und Lorne MacFadyen stimmig ist. Natürlich ist die Geschichte, die hier erzählt wird, nicht sonderlich originell. Es mangelt auch nicht unbedingt an Filmen über Männer, die sich in abgelegenen, rauen Gegenden näherkommen, siehe etwa God’s Own Country. Insofern ist es nicht so, als würde man hier etwas sehen, was man nicht schon woanders gesehen hat. Doch die Umsetzung ist eben so gut, dass sich trotzdem der Blick lohnt. Die Mischung aus dem geradezu dokumentarisch anmutenden Milieuporträt und der sich langsam entwickelnden Romanze macht On the Sea sehenswert. Insofern hat sich die Wartezeit auf den neuen Film der Regisseurin gelohnt, nach dem hoffentlich nicht wieder viele Jahre vergehen werden.

Credits

OT: „On the Sea“
Land: UK
Jahr: 2025
Regie: Helen Walsh
Drehbuch: Helen Walsh
Musik: Felix Rösch
Kamera: Sam Goldie
Besetzung: Barry Ward, Lorne MacFadyen, Liz White, Henry Lawfull, Celyn Jones, Danny Webb

Bilder

Trailer

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On the Sea
fazit
„On the Sea“ erzählt von einem verheirateten Austernsammler, der Gefühle für einen jüngeren Deckarbeiter entwickelt. Der Film beginnt als dokumentarisch anmutendes Milieuporträt, bevor sich langsam die Liebesgeschichte entwickelt. Das wird manchen zu wenig sein, ist aber auch der Darsteller wegen sehenswert.
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