Kalter Hund
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Kalter Hund

„Kalter Hund“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Am Morgen seines 100. Geburtstags findet Marianne (Corinna Harfouch) ihren Mann tot im Bett. Er hat sich mit Medikamenten, die für den Hund bestimmt waren, das Leben genommen. Marianne beschließt, die zur Feier geladenen Verwandten, den Bürgermeister und die Pressefotografin zu empfangen, ohne etwas zu sagen. Enkelin Fanny (Lea Drinda) entdeckt den Toten, ihre Mutter Valerie (Victoria Mayer) beschwört sie, nichts über die Tabletten zu sagen, um Ermittlungen zu vermeiden. Bald entdecken auch die anderen, dass der Mann, der zum Ständchen der Blaskapelle auf den Balkon geschoben wird, eine Leiche ist. Fannys Onkel Kasimir (Thomas Mraz) vermisst das Testament, das ihn zum Vorstand der Familienstiftung bestimmte und nun verschwunden ist. Der Streit ums Erbe eskaliert und alte Familiengeheimnisse kommen ans Licht.

Vertuschen, leugnen, erben

Das Spielfilmdebüt der Regisseurin Pauline Roenneberg ist eine schwarze Komödie über eine Familie, in der es etwas zu vererben gibt. Die Trauer über den verschiedenen Patriarchen hält sich in Grenzen, lang gehegte Rivalitäten und Feindschaften kochen im Kreis der Angehörigen hoch. Schon während die Ehefrau am Morgen dem Mann erklärt, was er zur Feier seines 100. Geburtstags anziehen soll, erklingt eine fröhlich-possenhafte Musik. Marianne braucht länger als das Publikum, um den Alten anzuschauen und zu erkennen, dass er tot ist. Man darf also erwarten, so wie man das aus zahlreichen Geschichten über Hinterbliebene aus gutem Hause kennt, dass fortan zum Vergnügen des Publikums entlarvt wird, wie Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.

Roenneberg und ihre Co-Autorin Britta Schwem sorgen mit einer Fülle von Ideen dafür, dass bei dieser Zusammenkunft viel passiert und noch mehr enthüllt wird. Zahlreiche Charaktere finden sich ein und wollen mitmischen – spätestens, wenn es eine Familienaufstellung gibt, bei der Außenstehende die Rollen spielen sollen, wird es unübersichtlich. Im Zentrum steht zunächst die Witwe und Gastgeberin Marianne, die aber von der Stieftochter Karoline (Karoline Eichhorn) ständig daran erinnert wird, dass sie nur die zweite Frau des Patriarchen war. Die renommierte Schauspielerin Corinna Harfouch stellt Marianne mit sichtlichem Vergnügen dar und trägt entscheidend zum Niveau des Films bei. Marianne erkennt rasch, dass ihr die Situation über den Kopf wächst. Sie lässt also die Dinge laufen und kommentiert sie gerne mit einem vielsagend spöttischen Lächeln.

Das Ideenkarussell dreht sich

Eine zentrale Figur ist Enkelin Fanny, ohne die ihre Mutter Valerie keinen Schritt tun könnte. Valerie betreibt auf dem Anwesen einen Gnadenhof und sitzt im Rollstuhl, ständig ruft sie Fanny zu Hilfe. Die gutherzige Tochter wird 18 und weiß nicht, wie sie sich aus der Umklammerung lösen soll. Aber was sie nun über die Familie erfährt, verändert ihren Blick. War der Opa etwa ein Nazi? Fotoalben, in denen sie just an diesem Tag zum ersten Mal blättert, legen das nahe. Auf dem Kompost findet sie den Grabstein eines Familienmitglieds, von dem noch nie die Rede war. Und wer ihr Vater ist, würde sie auch gerne endlich wissen. Apropos Nazizeit: In einer nahegelegenen bayerischen Berghütte treffen sich heimlich Leute, die sich ihr verbunden fühlen. Ja, das soll’s geben in Deutschland, wobei das Thema nur stichwortartig aufploppt und wieder untergeht.

Zeitgeist-Anspielungen, die sich um Karolines esoterisch-alternatives Gehabe drehen, nehmen viel mehr Raum ein. Die therapeutische Familienaufstellung, die sie allen aufdrängt, sorgt für spaßige Szenen. Das psychologische Brimborium bringt die Verwandten in Wallung und lockert ihre Schutzpanzer. Vorher aber muss das Publikum eine Durststrecke überwinden, denn nach den ersten Konfliktrunden im Haus stehen die Figuren nur unschlüssig herum und das Erzähltempo kommt vorübergehend praktisch zum Erliegen. Später lässt das Ende auf sich warten, während noch eine Idee, noch ein Witz, noch eine Wendung und Nebenhandlung her müssen. Das Interesse dafür aufzubringen, gelingt kaum, denn für einen stimmigen Gesamteindruck fehlt die klare Linie. Beispielsweise entwickelt die Satire nie die Absicht, kraftvoll zuzubeißen.

Credits

OT: „Kalter Hund“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Pauline Roenneberg
Drehbuch: Pauline Roenneberg, Britts Schwem
Musik: Theresa Zaremba
Kamera: Bernd Effenberger
Besetzung: Corinna Harfouch, Lea Drinda, Karoline Eichhorn, Victoria Mayer, Thomas Mraz, Simon Pearce, Johanna Bittenbinder

Bilder

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Kalter Hund
fazit
Das Spielfilmdebüt der Regisseurin Pauline Roenneberg ist eine satirische Komödie über eine Familie, die am 100. Geburtstag ihres Oberhaupts zusammenkommt. Der Jubilar hat sich aber das Leben genommen, das Testament ist weg, der Streit ums Erbe fördert Lügen und Verdrängtes zutage. Corinna Harfouch führt das Schauspielensemble gut aufgelegt an und die Geschichte strotzt vor Ideen und Wendungen, aber leider fehlt es an Schwung und einer klaren Linie.
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