© Keiko Tsuruoka

Saikai Paradise

„Saikai Paradise“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Nach vielen Jahren kehrt der Schauspieler Kazunari (Kazunari Yanagitani) in seine Heimatstadt Saikai zurück. Zum Erstaunen seiner Eltern und Bekannten wird er jedoch nicht von seiner Verlobten begleitet, sondern von seinem Freund Uehara (Hiroki Uehara), der von der Schönheit der Küstenregion sofort begeistert ist. Schon bald bleibt Kazunari nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu gestehen: Seine Schauspielkarriere in Tokio kommt kaum voran, und seine Verlobung wurde bereits vor einem halben Jahr aufgelöst. Entgegen seinen Erwartungen reagieren weder seine Eltern noch seine Freunde mit Enttäuschung auf dieses Geständnis.

Um sich von seinen trüben Gedanken abzulenken, zeigt Kazunari seinem Freund die Stadt und ihre Umgebung. Gemeinsam verbringen sie viel Zeit am Meer. Während Uehara sich an der Landschaft kaum sattsehen kann und immer wieder versucht, seinen Freund auf andere Gedanken zu bringen, bleibt Kazunari zunächst von Selbstzweifeln geprägt. Die vertrauten Straßen seiner Kindheit erscheinen ihm zunehmend fremd, und er hat das Gefühl, an diesem Ort längst nicht mehr dazuzugehören. Deshalb denkt er schon bald daran, Saikai wieder zu verlassen.

Doch nach und nach erkennt Kazunari, dass es in seinem Leben noch immer Menschen gibt, auf die er sich verlassen kann. Neben der Freundschaft zu Uehara sind es vor allem seine Familie und die Menschen seiner Heimatstadt, die ihm Halt geben und ihm neue Zuversicht für die Zukunft vermitteln.

Die Abgründe des Ungesagten

Regisseurin Keiko Tsuruoka und Schauspieler Kazunari Yanagitani kennen sich schon sehr lange und unterstützten einander in jener Zeit, als sie in Tokio um neue Rollen oder die Finanzierung eines Projekts kämpften. Mit der Zeit fragte sich Tsuruoka, wie es sich wohl anfühlen würde, eines Tages in die Heimat zurückzukehren und Familie sowie Freunden davon erzählen zu müssen, dass der eigene Traum und die Realität der Filmwelt nicht immer miteinander vereinbar sind. Aus dieser Frage entstand die Idee für Saikai Paradise, der zuletzt auf der Nippon Connection 2026 zu sehen war und in dem sie nicht nur ihren Freund Yanagitani in der Hauptrolle besetzte, sondern auch zahlreiche seiner Verwandten und Freunde auftreten ließ.

Entstanden ist dabei ein stiller und subtiler Film über Enttäuschungen im Leben, das Zerbrechen eines Lebensentwurfs und die Frage, wie man dennoch zuversichtlich in die Zukunft blicken kann. Zugleich zeichnet Saikai Paradise das Bild eines Ortes, der aufgrund von Überalterung und wirtschaftlichem Niedergang eines Tages verschwinden könnte.

Viele Dramen leben davon, dass Konflikte offen ausgesprochen werden, doch für ihren Film wählt Keiko Tsuruoka einen anderen Ansatz. In Interviews zu Saikai Paradise spricht sie vom „Ungesagten“, in dem sich weit mehr verbirgt, als man zunächst vermuten würde, und durch das sich erahnen lässt, was einen Menschen wirklich bewegt. Scheinbar banale Details wie eine Bemerkung über die Schönheit der Küste, ein Grillabend mit Freunden oder der Besuch eines mittlerweile geschlossenen Vergnügungsparks geben Auskunft über das Innenleben der Figuren – sowohl der Bewohner Saikais als auch jener, die nur zu Besuch sind.

Darüber hinaus sind Schweigen und stille Momente zentrale Bestandteile der Dramaturgie des Films. Sie verdeutlichen, wie sich eine Figur fühlt, ohne dies explizit auszusprechen. Wenn Kazunari seinem Freund aus Kindertagen berichtet, dass er und seine Verlobte bereits seit sechs Monaten getrennte Wege gehen, sagt das Schweigen als Reaktion auf diese Nachricht weit mehr als die Worte, die später folgen. Tsuruoka lässt uns jedoch ebenso im Ungewissen wie Kazunari selbst, der nicht weiß, ob seine Enttäuschung tatsächlich von seinem Gegenüber geteilt wird. Da ihm jene Zuversicht fehlt, die ihn einst auszeichnete, ist er überzeugt, dass seine Ernüchterung von allen anderen geteilt wird. Die Möglichkeit einer Zukunft oder gar Hoffnung kann er zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen. Weil er nur einen einzigen Lebensentwurf kannte, fällt es ihm schwer, nach all den Niederlagen einen neuen zu entwickeln oder auch nur dessen Umrisse wahrzunehmen.

Verlorene Paradiese

Saikai Paradise ist zugleich das Porträt einer bedrohten Welt. Der mittlerweile geschlossene Vergnügungspark, den sich die Natur bereits weitgehend zurückerobert hat, wird zum Spiegelbild des gescheiterten Traums der Hauptfigur, aber auch einer Gemeinde wie Saikai. Der Film beginnt mit einer langen Sequenz, die Kazunaris Mutter bei der Herstellung von Tofu zeigt – ein langwieriger Prozess, der in einer technisierten und standardisierten Welt beinahe wie ein Relikt erscheint. Gleichzeitig kann man sich der Eleganz, Schönheit und handwerklichen Präzision dieses Vorgangs kaum entziehen.

In diesen Momenten wirkt Saikai Paradise beinahe dokumentarisch, wenn es darum geht, etwas filmisch festzuhalten, das vermutlich nur noch in kleinen Gemeinden existiert und vielleicht schon bald ganz verschwunden sein wird. Für seinen Freund Uehara wirken diese Bilder exotisch, fast wie Eindrücke aus einem Urlaub. Auf Kazunari hingegen wirken sie wie eine Bestätigung seiner persönlichen Niederlage. Er ist zurück an einem Ort, dessen Zukunftsaussichten ähnlich düster erscheinen wie seine eigenen. Oder zumindest glaubt er dies.

Für seine Begleitung ist der Vergnügungspark lediglich ein „Lost Place“. Kazunari und seine Freunde aus Kindertagen erkennen hingegen noch Orte, um die sich bereits während ihrer Schulzeit Legenden rankten. Doch inmitten all dieser Ruinen gibt es auch Dinge, die bleiben und bewahrt werden sollten. Für Kazunari wird die Rückkehr in seine Heimat – und insbesondere der Besuch des Vergnügungsparks – zu einer Katharsis. Für den Zuschauer wird daraus ein ermutigender Gedanke: Man verliert nicht alles, und selbst nach großen Enttäuschungen bleibt immer die Möglichkeit einer Zukunft bestehen. Wenn man bereit ist, an sie zu glauben.

Credits

OT: Saikai rakuen
Land:
Japan
Jahr:
2025
Regie:
Keiko Tsuruoka
Drehbuch: Keiko Tsuruoka
Kamera: Keiko Tsuruoka
Musik: Hiroki Nakano
Besetzung: Kazunari Yanagitani, Misaki Kinoshita, Hiroki Uehara, Hiroyuki Nagami, Mayumi Yanagitani

Bilder

Trailer

Filmfeste

Tokyo International Film Festival 2025
Nippon Connection 2026

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Saikai Paradise
"Saikai Paradise" ist ein stilles Drama über Enttäuschungen im Leben und darüber, wie man dennoch wieder nach vorne blicken kann. Keiko Tsuruokas Film überzeugt durch seine subtile Bildsprache sowie die schauspielerische Leistung Kazunari Yanagitanis. Es ist ein Werk, das abseits übertriebener Theatralik von einem Gefühl erzählt, mit dem sich wohl jeder identifizieren kann, und das gerade deshalb so berührt.
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