
Paris im Sommer 2024: Die ganze Stadt ist in heller Aufregung, die Menschen sind im Olympia-Fieber. Die 30-jährige Blandine (Blandine Madec) ist eigens deshalb in die Hauptstadt gereist, um bei den Spielen dabei zu sein. Genauer will sie unbedingt den Schwimmstar Béryl Gastaldello live erleben. Aber auch ein Wiedersehen mit ihrer Halbschwester Julie (India Hair) und deren Tochter Alma (Lou Deleuze) steht auf dem Programm. Allerdings muss Blandine bald feststellen, dass praktisch nichts nach ihrem Plan geht. Schon der Besuch des Stadions klappt nicht, obwohl sie deswegen die lange Reise angetreten hat. Dafür wird sie andere Leute kennenlernen und in Situationen geraten, mit denen sie niemand gerechnet hätte …
Ein kleines Großereignis
Die Skepsis war im Vorfeld groß. Gerade auch die Pläne, die Seine in den sportlichen Betrieb einzubauen, wurden belächelt. Doch dann wurden die Olympischen Sommerspiele in Paris zu einem vollen Erfolg, für eine Weile schien ganz Frankreich wieder in Ordnung zu sein. Dass es früher oder später Filme geben würde, die mit diesem Setting arbeiten würden, war daher klar. Valentine Cadic war dabei besonders schnell. So feierte das Regiedebüt der eigentlich als Schauspielerin bekannten Französin bereits im Februar 2025 auf der Berlinale Weltpremiere – gerade einmal ein Dreivierteljahr nach den Spielen. Das klingt nach einem billigen Schnellschuss. Und doch ist Ein Sommer in Paris ein absolut sehenswerter Einstand der Filmemacherin geworden.
Dabei interessiert sich Cadic nicht so wirklich für das sportliche Großereignis. Das ist nicht mehr als Hintergrunddeko, ein bloßer Anlass, über den zwar schon immer mal wieder gesprochen wird, der letztendlich aber keine Rolle spielt. Von den Spielen sieht man wenig, die Protagonistin darf ja auch gar nicht hin. Eine Zeit lang verlagert sich das Geschehen zwar in ein Schwimmbad. Aber auch das ist in Ein Sommer in Paris nur ein Mittel zum Zweck, wenn es um die Einführung eines potenziellen Love Interests geht. Dass dieses keine wirkliche Chance hat, ist mit einer gewissen Tragik verbunden. Denn das hier hätte durchaus auch eine schöne Liebesgeschichte werden können. Die Begegnung bleibt aber flüchtig, wie fast alles in dieser Tragikomödie.
Fragmentarisch, leise, charmant
Man kann sich sogar darüber streiten, ob hier überhaupt eine wirkliche Geschichte erzählt wird, so richtig mit rotem Faden und einer Entwicklung. Letztere gibt es allenfalls bei dem Verhältnis zwischen der Hauptfigur und ihrer Familie, die sich nach Jahren langsam näherkommen. Ansonsten ist Ein Sommer in Paris aber vielmehr eine Ansammlung einzelner Erlebnisse, die in keinem wirklichen Zusammenhang stehen. Unter anderem geht es irgendwann um Protestaktionen, in die Blandine reinschlittert und die unangenehme Folgen für sie haben. Allgemein ist sie keine übermäßig aktive Person. An vielen Stellen hat man das Gefühl, dass das Leben eher etwas ist, das ihr passiert, nichts, was sie von sich aus verfolgen würde.
Manchen könnte das zu wenig sein, zumal der Film auch recht leise ist. Die Handlung ist überschaubar, der Humor zurückgenommen. Man darf hier zwischendurch schon immer mal wieder schmunzeln, laut auflachen ist aber ebenso wenig angesagt wie ein zu Herzen gehendes Drama. Und auch wenn zwischendurch schon mal ernstere Themen angesprochen werden oder es nachdenklich wird, bleibt Ein Sommer in Paris bei einer sehr leichtfüßigen Art. Das wird die Welt nicht verändern, ist aber sympathisch und charmant und auf seine Weise ein wunderbarer Einstieg in den Sommer.
OT: „Le Rendez-vous de l’été“
Land: Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Valentine Cadic
Drehbuch: Valentine Cadic, Mariette Désert
Musik: Saint DX
Kamera: Naomi Amarger
Besetzung: Blandine Madec, India Hair, Arcadi Radef, Matthias Jacquin, Lou Deleuze
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