
Nicaragua, 2020: Trish (Margaret Qualley) ist als US-Journalistin ins Land gekommen, doch nun steckt sie mitten während der Corona-Pandemie fest. Ihr Pass wurde konfisziert, nachdem sie kritisch über die Morde der Regierung berichtet hat. Geld hat sie ebenfalls keins, weshalb sie gezwungen ist, sich anderweitig zu finanzieren. Skrupel hat sie keine, die kann sie sich in der Situation nicht mehr leisten. Als sie den britischen Geschäftsmann Daniel (Joe Alwyn) kennenlernt, sieht sie in ihm die Chance, dem Alptraum doch noch zu entkommen. Denn er hat Verbindungen, die ihr nützlich werden könnten. Tatsächlich kommen sie sich beiden auch schnell näher und beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Aber welche Absichten verfolgt er bei der Geschichte?
Claire Denis mag inzwischen 80 Jahre alt sein. Doch die französische Regisseurin ist noch immer ziemlich produktiv. Vor allem aber schafft sie es, mit jedem Film wieder etwas völlig Neues zu machen und sich auf nichts festlegen zu lassen. Da folgt auf die Komödie Meine schöne innere Sonne – Isabelle und ihre Liebhaber der enigmatische Science-Fiction-Horror High Life sowie das Drama Mit Liebe und Entschlossenheit. Im selben Jahr wie Letzteres kam auch noch „Stars at Noon“ heraus, mit dem sie sich an das Thrillergenre wagt. Eintönigkeit kann man der Filmemacherin also kaum vorwerfen, selbst wenn man nicht mit jedem ihrer Werke unbedingt glücklich sein muss. Das mit dem Verstehen ist auch so eine Sache.
Dabei gab es eine durchaus geradlinige Vorlage für den Film hier. Genauer schnappte sich die Französin den 1986 veröffentlichten gleichnamigen Roman von Denis Johnson (Train Dreams). Dieser spielte eigentlich 1984 in dem lateinamerikanischen Land. „Stars at Noon“ verlegt die Geschichte aber knapp vier Jahrzehnte in die Zukunft. Warum sich Denis und die anderen in ihrem Drehbuchteam für diese Veränderung entschieden haben, wird nicht wirklich klar. Zwar gibt es durch die Verschiebung einen anderen Kontext, gerade auch im Zusammenspiel mit der Corona-Pandemie. Für die Geschichte ist diese aber mehr oder weniger egal. Sicher passt das irgendwie schon, da man sich während der Zeit oft wie gestrandet und irgendwie fremd fühlte. Dass die Protagonisten nicht fort kann, hat damit aber nichts zu tun, die Handlung ist nahezu unberührt von dem Drumherum.
Sofern man überhaupt von einer Handlung sprechen mag. Denn auch wenn der Film mit einer Laufzeit von über 130 Minuten nicht gerade kurz ist, da passiert nicht wahnsinnig viel. Denis zieht es vor, verschiedenes anzudeuten, inklusive irgendwelcher Verschwörungen, die im Hintergrund laufen. Das bleibt aber alles nebulös, verzichtet auf klare Worte und Erklärungen. Das muss nicht automatisch verkehrt sein. Nicht jeder Film muss alles ausbuchstabieren. Gerade Denis hat auch faszinierende Werke vorgelegt, bei denen es an Rätseln nicht gerade mangelte. „Stars at Noon“ gibt einem aber zu wenig Gründe dafür, warum man sich denn dafür interessieren sollte, was denn da genau geschieht. Oder auch nicht geschieht.
Dabei ist der Thriller, der 2022 in Cannes Weltpremiere hatte, durchaus atmosphärisch. Und auch die Besetzung trägt dazu bei, dass der Film trotz allem eine gewisse Faszination auslöst. Man kann sich hier gut verlieren in einem Spiel der Täuschungen und Stimmungen, wo ein fiebriges Labyrinth, bei dem nie sicher ist, ob es denn einen Ausweg gibt. Nur so richtig spannend wird „Stars at Noon“ bei all der Faszination nicht. Und auch die stürmische Affäre der beiden Hauptfiguren lässt einen eher kalt, wenn sie durch die Welt stolpern. Dafür gehen sie einem doch nicht nahe genug. Es ist nicht einmal mit einem richtigen Kribbeln verbunden, obwohl durchaus Sexszenen vorhanden sind. Denis hat hiermit einen Film vorgelegt, der es dem Publikum nicht leicht macht mit seiner konsequenten Verweigerung einer klassischen Dramaturgie und einen aber auch nicht wirklich fürs Dranbleiben belohnt.
OT: „Stars at Noon“
Land: Frankreich
Jahr: 2022
Regie: Claire Denis
Drehbuch: Claire Denis, Léa Mysius, Andrew Litvack
Vorlage: Denis Johnson
Musik: Tindersticks
Kamera: Eric Gautier
Besetzung: Margaret Qualley, Joe Alwyn, Benny Safdie, Danny Ramirez, Nick Romano
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)

