Ninxs
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Niñxs – Das Leben glitzert

Ninxs
„Niñxs – Das Leben glitzert“ // Deutschland-Start: 14. Mai 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Karla Bañuelos merkt schon früh, dass sie nicht der Junge ist, als der sie geboren worden ist. Sie wächst im mexikanischen Tepoztlán auf, umgeben von ihrer Familie, Freund*innen und einem Umfeld, das nicht immer weiß, wie es mit ihr umgehen soll. Schon früh liebt sie es, sich zu verkleiden, aufzutreten, sich selbst zu inszenieren. Über mehrere Jahre begleitet sie der Filmemacher Kani Lapuerta, der nicht nur beobachtet, sondern zum Gesprächspartner und Mitgestalter wird. Gemeinsam arbeiten sie an einem Film über Karlas Leben – einem, der ausdrücklich kein trauriger sein soll. Stattdessen geht es um Humor, Selbstbestimmung und die Möglichkeit, sich vor der Kamera immer wieder neu zu erfinden.

Coming-of-Age im Dialog

Dokumentarische Langzeitbeobachtungen über Kinder und Jugendliche haben Tradition, man denke etwa an Die Kinder von Golzow. Niñxs – Das Leben glitzert geht aber einen anderen Weg: Hier wird nicht nur beobachtet, sondern verhandelt. Karla spricht direkt in die Kamera, kommentiert ihr eigenes Bild und stellt Forderungen an den Film selbst. Dadurch entsteht ein dialogischer Charakter, der die klassische Hierarchie zwischen Regie und Protagonistin aufbricht. Das ist spannend, wirkt aber an manchen Stellen auch etwas bemüht, wenn die Reflexion über das Gefilmtwerden stärker in den Vordergrund tritt als das eigentliche Erleben.

Der Film begleitet Karla über rund acht Jahre hinweg – von der Kindheit bis in die Jugend. Dabei werden Fragen von Identität, Körper und rechtlicher Anerkennung ebenso verhandelt wie ganz alltägliche Situationen in Schule, Familie und Freundeskreis. Besonders hervorzuheben ist, wie differenziert das familiäre Umfeld gezeichnet wird: Die Eltern sind überwiegend unterstützend, ohne dass Konflikte ausgeblendet würden. Sie hören zu, ringen mit eigenen Unsicherheiten und bleiben dennoch verlässliche Bezugspersonen.

Auch Freundschaften spielen eine zentrale Rolle. Figuren wie Oliver und Valentina sind wichtige Resonanzräume für Karla. In diesen Begegnungen zeigt sich, wie Zugehörigkeit entsteht – durch gemeinsames Ausprobieren, Humor und gegenseitige Anerkennung. Die Momente der Jugendlichen untereinander gehören eindeutig zu den stärksten Momenten des Films, da man meinen könnte, dass sie die Filmkamera vergessen, gerade wenn sie sich selbst mit ihren Handykameras filmen.

Leichtigkeit statt Leidensnarrativ

Ein erklärtes Ziel des Films ist es, keine tragische Geschichte zu erzählen. Stattdessen setzt er auf Leichtigkeit, Farbe und spielerische Elemente. Immer wieder gibt es inszenierte oder halb-imaginierte Sequenzen, in denen Karla sich selbst entwirft, posiert oder performt. Diese Passagen lockern den dokumentarischen Zugriff auf, wirken aber nicht immer gleich gut integriert. Manchmal entsteht der Eindruck, dass die ästhetischen Einfälle stärker gewichtet werden als ihre dramaturgische Funktion.

Die größte Stärke von Niñxs – Das Leben glitzert liegt in seiner Nähe zu Karla. Sie ist keine bloße Protagonistin, sondern eine Art Ko-Autorin, die den Film aktiv mitprägt. Das sorgt für Authentizität und eine bemerkenswerte Offenheit. Gleichzeitig führt diese Offenheit dazu, dass der Film dramaturgisch eher lose bleibt. Es gibt keinen klaren Spannungsbogen, sondern eher eine Abfolge von Momenten, die nicht immer gleich stark sind.

Credits

OT: „Niñxs
Land: Mexiko, Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Kani Lapuerta
Buch: Kani Lapuerta
Musik: Boris Skalsky
Kamera: Quetzali Malagón
Mitwirkende: Karla Bañuelos

Bilder

Trailer

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Niñxs – Das Leben glitzert
fazit
„Niñxs - Das Leben glitzert“ ist ein Dokumentarfilm über das Aufwachsen als trans Jugendliche in Mexiko, der bewusst mit gängigen Erzählmustern bricht. Nicht alles ist formal überzeugend, und die offene Struktur verlangt etwas Geduld. Insgesamt ist das aber ein sehenswertes, differenziertes Porträt, das mehr auf Selbstermächtigung als auf Betroffenheit setzt.
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