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Future Science – Das Ende der Tierversuche?

„Future Science – Das Ende der Tierversuche?“ // Deutschland-Start: 30. April 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Auf dem Display eines alten Panasonic-Camcorders sieht man einen Polizeieinsatz, Aktivistinnen und Aktivisten werden von der Straße getragen. Eine Stimme aus dem Off ordnet die Anfangssequenz ein – ein Protest gegen Tierversuche, Anfang der 2000er Jahre, irgendwo in Münster. Einer der Beteiligten: Marc Pierschel. Mehr als zwei Jahrzehnte später ist er Dokumentarfilmer mit Fokus auf Filmen zum Thema Tierwohl, wie zulketzt die Gnadenhof-Doku Butenland.  Mit Future Science – Das Ende der Tierversuche? blickt er nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorn. Pierschel nimmt diese persönliche Erinnerung als Ausgangspunkt für eine Reise durch Europas Labore und Denkfabriken. Sein Interesse gilt der Gegenwart und Zukunft einer Forschung, die sich im Umbruch befindet: Gibt es bereits tragfähige Alternativen zum Tierversuch – und wenn ja, warum setzen sie sich so schleppend durch? Statt auf Skandalisierung setzt der Film auf Analyse. Es geht weniger um Empörung als um Systemverständnis: um ökonomische Interessen, institutionelle Trägheiten und die eigentümliche Logik wissenschaftlicher Karrieren, die Veränderungen bremsen können.

Alternativen zu Tierversuchen

Die Antworten sucht Pierschel im Gespräch. Eine Reihe sorgfältig ausgewählter Expertinnen und Experten erläutert ihre Arbeit, ihre Hoffnungen und die Hindernisse, auf die sie stoßen. Da ist etwa die Orthopädin Melanie Ort von der Berliner Charité, die daran forscht, wie sich ihre Disziplin ohne Tierversuche neu denken lässt. Der Biochemiker Uwe Marx präsentiert mit seinem Unternehmen TissUse hochentwickelte Multi-Organ-Chips, die komplexe menschliche Stoffwechselprozesse simulieren können. Und mit dem Philosophen Peter Singer kommt eine Stimme zu Wort, die die ethische Dimension des Themas seit Jahrzehnten prägt.

Den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt jedoch Thomas Hartung von der Johns Hopkins University. Er ist so etwas wie der heimliche Protagonist des Films: ein Wissenschaftler, der nicht nur über enorme Fachkenntnis verfügt, sondern auch über die seltene Gabe, komplizierte Zusammenhänge verständlich und pointiert zu vermitteln. „Wir sind keine 70-Kilogramm-Mäuse“, sagt er einmal – ein Satz, der die Problematik der Übertragbarkeit tierexperimenteller Ergebnisse prägnant zusammenfasst und deutlicher ist als manch längere Abhandlung.

Nicht alle Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner verfügen über diese erzählerische Leichtigkeit. Mitunter wird es für ein Laienpublikum anspruchsvoll, den Ausführungen zu folgen, auch wenn Pierschel bemüht ist, nicht allzu tief in die wissenschaftlichen Details vorzudringen. Hier zeigt sich eine der Spannungen des Films: zwischen dem Anspruch, komplexe Forschung abzubilden, und dem Wunsch, allgemein verständlich zu bleiben.

Klassische Wissenschaftsdokumentation

Formal bleibt Future Science dabei eher zurückhaltend. Die Inszenierung beschränkt sich weitgehend auf klassische Talking Heads, gelegentlich ergänzt durch Einblicke in Labore und Arbeitsprozesse, die allerdings nicht selten wie illustrative Pflichtübungen wirken. Die Camcorder-Rückblenden sind eine charmante Idee, ebenso spätere Szenen, in denen altes Material auf einem kleinen Röhrenfernseher flimmert – kleine visuelle Akzente in einem ansonsten konventionellen dokumentarischen Zugriff.

Das ist nicht per se ein Mangel. Der Film setzt klar auf Inhalt statt Form und vertraut darauf, dass die Relevanz seines Themas trägt. Und tatsächlich verlässt man das Kino nach diesen 77 Minuten klüger, als man es betreten hat. Dennoch bleibt das Gefühl, dass das dokumentarische Erzählen hier hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Gerade in einem Genre, das in den letzten Jahren zunehmend kreative Wege gefunden hat, Wissen auch sinnlich und unterhaltsam zu vermitteln, wirkt Pierschels Ansatz stellenweise etwas spröde. So ist Future Science vor allem eines: eine kenntnisreiche, engagierte Bestandsaufnahme eines Systems im Wandel. Kein filmisches Wagnis, aber ein informativer Beitrag zu einer Debatte, die drängender kaum sein könnte.

Credits

OT:Future Science – Das Ende der Tierversuche?
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Marc Pierschel
Buch: Marc Pierschel
Musik:
Hélène Vogelsinger, Syme
Kamera: Sarina Laudam, Martina Di Lorenzo, Saskia Meyerhoff, Giulia Scintu, Alana Tompson, Marc Perschel

Bilder

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Future Science – Das Ende der Tierversuche?
fazit
"Future Science - Das Ende der Tierversuche?" ist ein informativer, klug recherchierter Dokumentarfilm, der die Debatte um Tierversuche differenziert beleuchtet, jedoch formal konventionell bleibt. Inhaltlich überzeugend, filmisch eher zurückhaltend – ein Werk, das zum Nachdenken anregt, aber erzählerisch nicht sein volles Potenzial ausschöpft.
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