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Bury the Devil

„Bury the Devil“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Evelyn (Dawn Ford) benötigt Hilfe. Die demente alte Dame lebt ganz allein an einem Haus am See. Zum Glück ist die Pflegerin Julia (Emmanuelle Lussier Martinez) gerade eingezogen, um Evelyn im Haushalt zur Hand zu gehen. Doch bereits die erste Nacht in ungewohnter Umgebung stellt Julia vor Schwierigkeiten. Erst will Evelyn partout nicht ins Bett gehen und geistert geistig verwirrt durch die Flure, dann steht mit Evelyns Ex-Mann Randall (Bill Rowat) das nächste Problem vor der Tür. Randall will an einen Gegenstand im Haus herankommen – und sich diesen zur Not auch mit Gewalt nehmen.

Einschläfernde Einstellung

Nach seinem Debütfilm Mom (2024) war der Regisseur Adam O’Brien auf der Suche nach einem neuen Projekt und als ihm jemand vorschlug, als Nächstes einen in einer einzigen Einstellung gedrehten Horrorfilm zu realisieren, schob er diese Idee zunächst als zu ambitioniert beiseite. Wie er dem Publikum des 13. HARD:LINE Film Festivals in einer Grußbotschaft verriet, nahm die rein formale Ursprungsidee schließlich doch noch Gestalt an, als er und seine zwei Co-Autoren sie inhaltlich weiter ausgestalteten. „Was wäre, wenn ein invertierter Home-Invasion-Film daraus werden würde?“, fragten sich die Filmemacher. Wenn es also nicht darum ginge, Eindringlinge vom Eindringen in ein Haus abzuhalten, sondern darum, dass eine eingeschlossene Person nicht nach draußen gelangen könnte? Und was wäre, wenn Adam O’Brien das Ganze als eine Art Der Exorzist (1973) in Zeitlupe inszenieren würde, soll heißen: als einen Film, in dem sich die Besessenheit der Hauptfigur erst sukzessive vollzieht? Tja, dann erhält man wohl oder übel Bury the Devil.

Gute Idee, schlechte Umsetzung

Eine gute Idee macht noch keinen guten Film. Im vorliegenden Fall war die Entscheidung, die Geschichte als „One Take“ umzusetzen, die falsche Wahl. Bury the Devil ist zwar durchaus solide inszeniert, die Beschränkungen, die mit dem strengen formalen Konzept einhergehen, machen den Film aber schnell zum Rohrkrepierer. Die ausschweifenden Bewegungen, die der Kameramann Benoit Beaulieu mit seinem Arbeitsgerät vollführt, rauben dem Film das nötige Tempo, das sich über eine gelungene Montage problemlos hätte herstellen lassen. Auch das Schauspiel des allenfalls zweitklassigen Ensembles leidet unter der formalen Vorgabe, weil beispielsweise Großaufnahmen von Gesichtern eine Seltenheit sind. Das Publikum kommt den Figuren kaum nahe; sie bleiben einem seltsam fremd. Und last, but not least wirft die ans Absurde grenzende Ausleuchtung des Films zwangsläufig Fragen auf.

Um eine düstere Stimmung zu erzielen, ist so gut wie kein Licht im Haus vorhanden – und das, obwohl in jedem Raum gleich mehrere Decken-, Steh- und Schreibtischlampen brennen. Im geräumigen Wohnzimmer sind zusätzlich dazu noch unzählige Kerzen entzündet und ein Feuer im Kamin entfacht, das allein schon ausreichen müsste, um den Raum taghell zu erleuchten. Stattdessen herrscht eine diffuse Dunkelheit vor. Als zu einem späteren Zeitpunkt  in der Handlung aus dramaturgischen Gründen der Strom ausfällt, macht das keinerlei Unterschied, was die Lichtstimmung anbelangt. Das Kinopublikum sieht so viel bzw. so wenig wie zuvor, als überall die Lichter brannten.

Der Letzte lässt das Licht an

Dass das Licht in diesem Film nicht realistisch sein, sondern in erster Linie eine Stimmung transportieren soll, ist natürlich klar. Man hätte die seltsame Lichtstimmung aber zumindest etwas schlüssiger begründen können; zumal der fahle, blau-graue Look, für den man sich entschieden hat, bei kaum einem Zuschauer im Kinosaal Gänsehaut auslösen dürfte. Womit wir beim größten Manko von Bury the Devil angelangt sind: Der Film langweilt.

Der Regisseur und seine zwei Co-Autoren Brad Hodson und Philip Kalin-Hajdu haben nichts in ihr Drehbuch geschrieben, was man an anderer Stelle nicht schon besser gelesen hätte. Und Adam O’Brien setzt es entsprechend spannungsfrei um. Immerhin in diesem Punkt ist er konsequent: So streng er sich von der ersten bis zur letzten Minute an die eigenen formalen Vorgaben hält, so einschläfernd inszeniert er Bury the Devil auch. Als Kurzfilm hätte dieses „Einstellungs“-Experiment sicherlich besser funktioniert.

Credits

OT: „Bury the Devil“
Land: Kanada, USA
Jahr: 2026
Regie: Adam O’Brien
Drehbuch: Brad Hodson, Philip Kalin-Hajdu, Adam O’Brien
Musik: Mario Sévigny
Kamera: Benoit Beaulieu
Besetzung: Dawn Ford, Emmanuelle Lussier Martinez, Bill Rowat

Trailer

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Bury the Devil
fazit
Auf "Mom" folgt "Bury the Devil", doch auch der neue Film von Regisseur Adam O'Brien enttäuscht. In einer einzigen Einstellung gedreht, scheitert dieses Experiment an den eigenen formalen Vorgaben, die der ohnehin recht uninspirierten Handlung jegliches Tempo rauben.
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