Apex Netflix

 

 

Einige Monate ist es inzwischen her, dass Sasha (Charlize Theron) ihren Partner beim gemeinsamen Felsenklettern verloren hat. Doch von ihrer geliebten Beschäftigung will sie nicht lassen. Und so macht sie sich allein auf den Weg zum Wandarra National Park in Australien, wo sie sich durch die Wildnis schlagen und dabei allein sein will. Immer wieder begegnet sie jedoch anderen Leuten, darunter auch dem Jäger Ben (Taron Egerton). Dieser macht auf den ersten Blick einen ziemlich netten Eindruck, gibt ihr Tipps, da er sich in der Gegend gut auskennt. Dabei ahnt sie nicht, dass der freundliche Fremde ein Geheimnis mit sich herumträgt: Während seiner Ausflüge in die Wälder sind es nicht die Tiere, die er jagt …

 

Netflix setzt auch weiterhin auf düstere Stoffe, um die Menschen vor die Bildschirme zu locken. Ob in der französischen Serie Bandi – Unter Geschwistern eine Reihe von Geschwistern nach dem Tod der Mutter irgendwie über die Runden kommen müssen und dabei auch zu kriminellen Methoden greifen oder der britische Beitrag Unchosen von einer Frau erzählt, die in einer Sekte gefangen ist, da werden ständig neue Titel veröffentlicht. Mit „Apex“ folgt nun bereits der nächste Film, der sich an Fans solcher Produktionen richtet. Diesmal handelt es sich um eine internationale Coproduktion, die mit zwei Hollywoodstars besonders viel Aufmerksamkeit bekommen dürfte. Im Gegensatz zu manch anderem starbesetzten Werk des Streamingdienstes kann dieses aber auch ohne die großen Namen bestehen.

 

Am Inhalt liegt das nicht. So investiert Drehbuchautor Jeremy Robbins weder in die Geschichte an sich noch in die Figuren viel Arbeit. Zwar streut er anfangs noch falsche Fährten, in welche Richtung sich das bewegen könnte. Doch ab dem Moment, an dem Ben seine Absichten klargemacht hat, läuft der Film mehr oder weniger auf Autopilot. Größere Überraschungen gibt es nicht, auch wenn wir Ben zwischendurch in einer durchaus unerwarteten Situation beobachten. „Apex“ versucht sich zudem nicht einmal an einer Charakterisierung. Über Ben erfahren wir praktisch gar nichts. Bei Sasha muss man sich mal wieder damit begnügen, dass sie eine tragische Vorgeschichte hat. Das wird inflationär in Filmen verwendet und ist meistens eine sehr billige Methode, so etwas wie eine Persönlichkeit vorzutäuschen, ohne selbst etwas tun zu müssen.

 

Schauspielerisch ist das alles solide. Charlize Theron darf mal wieder demonstrieren, dass sie toughe Frauen verkörpern kann. Gerade bei den Actionszenen zeigt sich, dass sie selbst mit inzwischen 50 Jahren mühelos mithalten kann. Ansonsten ist das Material aber eher undankbar, selbst die Trauer der Protagonistin verpufft. Taron Egerton, sonst meist als Held gebucht, gefällt prinzipiell in der für ihn ungewohnten Rolle des Serienmörders. Er scheint auch eine Menge Spaß zu haben. Im Vergleich aber etwa zu Dangerous Animals, wo Jai Courtney den unerwarteten Psychopathen mimte, wird Egerton in „Apex“ aber nie bedrohlich genug. Man glaubt hier phasenweise kaum, es mit einem tatsächlichen Killer zu tun zu haben.

 

Dafür gibt es aber umwerfende Settings, die enorm viel Atmosphäre erzeugen. Wenn Sasha durch den Wald hechtet oder sich im Fluss vorwärtsbewegt, gibt es ebenso viel zu sehen wie in den Momenten, die in den Bergen spielen. Da ertappt man sich doch immer mal wieder, dass man beim Anschauen von „Apex“ so sehr mit dem Drumherum beschäftigt ist, dass man doch glatt die beiden Figuren vergisst. Insgesamt ist das alles ziemlich solide geworden. Der isländische Regisseur Baltasar Kormákur, der nach seiner dramatischen und ruhigen Romanadaption Touch wieder dem Thriller zuwendet, hat schon ganz gute Arbeit geleistet. Ein Must See ist das alles zwar nicht. Man kann sich aber die Zeit damit vertreiben.



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