Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry
© Constantin Film

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry
„Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ // Deutschland-Start: 26. Oktober 2023 (Kino) // 8. Februar 2024 (DVD / Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Es ist eine sehr traurige Nachricht, die Harold Fry (Jim Broadbent) da in Händen hält: Seine alte Bekannte Queenie (Linda Bassett) liegt im Sterben. Für ihn ist klar, dass er sich noch einmal bei ihr melden muss, der Brief ist schnell geschrieben. Doch dann begegnet er einer Frau, die ihn auf die Idee bringt, sie noch ein letztes Mal zu besuchen. Also macht er sich auf den Weg, zu Fuß will er durch ganz England laufen. Seine Frau Maureen (Penelope Wilton) kann mit dem Einfall nicht viel anfangen. Warum sollte jemand das tun wollen? Und gerade Harold, der sonst nie zu Fuß unterwegs ist? Doch der lässt sich davon nicht beirren, macht sich auf den Weg und begegnet dabei den unterschiedlichsten Leuten, während er sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen muss …

Verfilmung des Bestsellers

Gleich mit ihrem ersten Roman feierte die britische Autorin Rachel Joyce 2012 ihren Durchbruch: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry verkaufte sich gut, schaffte es sogar auf die Longlist des Booker Prize, dem wichtigsten britischen Literaturpreis. Mehrfach versuchte sie, an diesen frühen Erfolg anzuschließen. So erschien 2014 Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry: Das Geheimnis der Queenie Hennessy, in dem sie das im ersten Buch nur bruchstückhafte Verhältnis der beiden Figuren vertiefte. 2022 wurde auch die Ehefrau Maureen berücksichtigt, als diese mit Die erstaunliche Entdeckungsreise der Maureen Fry eine eigene Geschichte erhielt. Da verwundert es nicht wirklich, dass das nostalgische Erinnern an den Bestseller jetzt auch eine Verfilmung hervorgebracht hat.

Es verwundert vielmehr, dass es so lange gedauert hat, bis eine Adaption kam. Nicht nur der kommerzielle Erfolg des Romans hätte diese vor Jahren schon gerechtfertigt. Hinzu kommt, dass Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry eine doppelte Reise darstellt: eine innere und eine äußere. Gerade Letztere bietet sich für eine Verfilmung an. Und tatsächlich haben Regisseurin Hettie Macdonald und ihr Team wunderbare Bilder aus der englischen Provinz mitgebacht, wenn sich der Protagonist durchs Land schlägt und immer wieder Natur oder dörfliche Gegenden gezeigt werden. Im Grunde ist das hier ein Roadmovie, nur eben zu Fuß. Der Vergleich zu anderen Pilgergeschichten drängt sich da auf. Hierzulande werden viele vermutlich vor allem an Ich bin dann mal weg denken, das sowohl als Buch wie auch als Film ein großer Erfolg war.

Zwischen Märchen und Drama

Im Gegensatz zu dem Kollegen, der autobiografisch und mit viel Humor von einer inneren Wandlung erzählte, hat Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry zuweilen etwas Märchenhaftes. Die Vorstellung, dass Harold nur zu Queenie laufen muss, um sie dadurch zu retten, ist süß, aber eben nicht sonderlich realistisch. Als Kontrast zu diesen aufmunternden Passagen gibt es auch sehr düstere, die sich um die Vorgeschichte der Familie drehen. Vor allem die Geschichte mit Sohn David (Earl Cave), der immer wieder in Flashbacks auftaucht, soll für mehr Drama sorgen. Das Ergebnis ist jedoch gemischt. Auf der einen Seite geht es schon zu Herzen, wenn sich der Protagonist mit lang unterdrückten Gefühlen beschäftigen muss und am Ende freier am Bestimmungsort ankommt. Diese Szenen sind aber schon immer ein wenig mit dem Holzhammer und letzten Endes irgendwie nichtssagend.

Insgesamt tut der Film immer mal wieder so, als habe er mehr zu sagen, als er es wirklich tut. Ob es nun kleine Kalendersprüche sind, ein kurzer Abstecher zum Thema Migration oder eine Passage, die sich schon sehr deutlich hat bei Forrest Gump inspirieren lassen: So wahnsinnig tiefsinnig ist es nicht, was Joyce, die auch das Drehbuch geschrieben hat, hier zu erzählen hat. Als Wohlfühltrip funktioniert Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry hingegen gut, es gibt auch eine Reihe komischer Momente, wenn der eigentlich völlig ungeeignete Spontanläufer an seine Grenzen stößt. Und natürlich ist die Tragikomödie mit Jim Broadbent und Penelope Wilton wunderbar besetzt. Wer also mal wieder einen schönen Film sehen mag, der wird in mehrfacher Hinsicht bedient bei dieser doppelten Reise.

Credits

OT: „The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry“
Land: UK
Jahr: 2023
Regie Hettie Macdonald
Drehbuch: Rachel Joyce
Vorlage: Rachel Joyce
Musik: Ilan Eshkeri
Kamera: Kate McCullough
Besetzung: Jim Broadbent, Penelope Wilton, Earl Cave

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Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
fazit
Wenn in „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ ein Mann durch ganz England läuft, um eine sterbende Bekannte zu sehen, dann wird es gleichermaßen komisch wie tragisch. So richtig tiefsinnig ist die Adaption des gleichnamigen Romans nicht, auch wenn sie so tut. Dafür ist sie schön, lädt zum Wohlfühlen und Weinen ein.
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