VHS 94
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V/H/S/94

VHS 94
„V/H/S/94“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Wie die vorherigen Einträge der Serie ist auch V/H/S/94 eine Kollektion verschiedener Kurzfilme von unterschiedlichen Regisseuren, die jedoch alle dem „found footage“-Subgenre entstammen. Die Rahmenhandlung bildet der von Jennifer Reeder gedrehte Holy Hell, der eine Sondereinsatzgruppe bei einer Mission begleitet. Diese führt sie in ein dunkles Lagerhaus, in dem sich mutmaßlich eine Gruppe Drogendealer versteckt hält, doch stattdessen sehen die Beamten eine Vielzahl verstümmelter Leichen und einige mit VHS-Geräten verbundene TV-Sets. Immer weiter führen sie die Gänge des Gebäudes in das dunkle Herz dieses Kultes und sie werden Zeuge von unglaublichen Geschichten.

In Storm Drain von Regisseurin Chloe Okuno begleiten wir die Reporterin Holly Mariano (Anna Hopkins) und ihren Kameramann (Christian Potenza) bei einer Reportage über den „Rattenmann“, eine düstere Legende einer Kleinstadt. Angeblich soll es diesen wirklich geben, doch bis auf ein paar Zeugenaussagen haben die beiden wenig Handfestes, bis sie auf eine Spur in die Abwasserkanäle des Ortes stoßen, die sie zu einem schrecklichen Geheimnis führt. Danach sehen wir in The Empty Wake von Simon Barrett, wie die Mitarbeiterin eines Bestattungsinstituts (Kyal Legend) während einer stürmischen Nacht die Totenwache halten muss und warten muss, ob sich noch Angehörige des kürzlich Verstorbenen in der Kirche einfinden. Neben dem Sturm, der immer schlimmer wird, macht ihr dann ein Verdacht schwer zu schaffen, denn sie vermutet, dass der Tote gar nicht wirklich tot ist.

In der zweiten Hälfte der Horror-Anthologie sehen wir zunächst in The Subject (Regie: Timo Tjahjanto) einen verrückten Wissenschaftler, der von dem Gedanken besessen ist, Menschen mit Maschinenteilen auszustatten. Als eine Truppe Polizisten sein Labor stürmt und mit dem Forscher kurzen Prozess macht, glauben die Beamten noch an einen leichten Einsatz, jedoch müssen sie es dann mit den Kreationen des Wissenschaftlers aufnehmen, die, ausgestattet mit Messern und Schusswaffen an ihren Gliedmaßen, mit ihnen kurzen Prozess machen. Zuletzt geht es in Ryan Prows’ Terror um eine Bürgerwehr, die einen Anschlag auf ein US-Regierungsgebäude plant. Während die Gruppe sich mit Waffen ausstattet und bereits Pläne für andere Ziele verfolgt, lernen wir deren Geheimwaffe im Keller kennen, mit deren Hilfe sie ihren Worten Taten folgen lassen wollen.

Zurück zu den Wurzeln

Nach dem misslungenen V/H/S Spiral war es lange still um die Horror-Anthologie, die 2012 recht erfolgreich mit V/H/S gestartet war und sich als Spiegel des Indie-Horrorfilms verstand. Mit V/H/S/94, der nach diversen Filmfestivals nun im Programm des SLASH Filmfestivals zu sehen ist, soll ein Neustart gewagt werden, der sich zu den alten Qualitäten der Anthologie bekennt und mit Regisseuren wie Simon Barrett (The Guest), Timo Tjahjanto (Headshot) und Chloe Okuno (Watcher) einige bekannte und vielversprechende Talente des Genres miteinander vereint.

Die V/H/S-Reihe hat sich mittlerweile einen Namen gemacht, als eine jener Anthologien, welche das Gute wie auch das Schlechte des „found footage“-Subgenres in sich vereinen. Der vierte Film bildet da keine Ausnahme, ist aber zumindest unterhaltsamer als sein Vorgänger, was nicht zuletzt an der guten Mischung der Beiträge liegt, die von Splatter, Action und Mystery sehr viel zu bieten haben. Besonders kreativ geht hierbei der Indonesier Tjahjanto ans Werk, der sich einen ganz speziellen Kniff überlegt hat, wie er eines der Grundprobleme dieser Untergattung des Horrorfilms löst, nämlich die Frage, warum eigentlich die ganze Zeit die Kamera mitfilmt, wo man doch eher dazu geneigt wäre, um sein Leben zu rennen. Chloe Okunos Storm Drain bildet jedoch den interessantesten Beitrag und macht sogar einen hintersinnigen Kommentar in Richtung Medienwelt, der sich in seinem Finale gar an David Cronenbergs großartigem Scanners anlehnt.

Die Vielfalt des Genres

In den beiden anderen Beiträgen sehen wir teils sehr viel Gewohntes aus dem Bereich des „found footage“. Barrett liefert einen nettes, atmosphärisches Gruselfilmchen ab, während sich Simon Prows Episode über die ohnehin schon geringe Laufzeit etwas zu ziehen beginnt. Jennifer Reeders Holy Hell, der den erzählerischen Rahmen bildet, schließt sich diesem Auf und Ab in der Qualität an, beginnt spannend, nur um im Finale dann eine wenig plausible und wenig interessante Auflösung anzubieten. Im Großen und Ganzen wird aber vor allem das Festivalpublikum seinen Spaß an V/H/S/94 haben, nicht nur wegen der Vielseitigkeit, sondern weil es gerade in Sachen Make-up und Spezialeffekte in den fünf Episoden sehr viel zu sehen gibt, was bisweilen an Kreativität den einzelnen Beitrag gar um Längen hinter sich lässt.

Credits

OT: „V/H/S/94“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Jennifer Reeder, Chloe Okuno, Simon Barrett, Timo Tjahjanto, Ryan Prows
Drehbuch: David Bruckner, Brad Miska
Kamera: Andrew Appelle, Benjamin Kitchens, Jared Raab, Patrick Tashadian
Besetzung: Kimmy Choi, Nicolette Pearse, Anna Hopkins, Christian Potenza, Kyal Legend, Devin Chin-Cheong, Shania Sree Maharani, Shahabi Sakri, Budi Ross, Christian Lloyd, Thomas Mitchell Brnet, Cameron Kneteman

Trailer

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V/H/S/94
fazit
„V/H/S/94“ ist eine Horror-Anthologie mit dem Schwerpunkt „found footage“. Die Qualität, ästhetisch wie inhaltlich, steht und fällt, wie eigentlich immer bei solchen Filmen, mit den einzelnen Episoden, doch insgesamt bleibt der vierte Film der Reihe doch zumindest unterhaltsam und kurzweilig, was mehr ist, als man über den Vorgänger sagen kann.
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