Watcher
© Universal Pictures

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„Watcher“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Um beruflichen Chancen nachzugehen, zieht Francis (Karl Glusmann) gemeinsam mit seiner Frau Julia (Maika Monroe) nach Bukarest. Der Umzug und die Gewöhnung an ein neues Land scheinen, obwohl nur Francis Rumänisch spricht, zunächst gut zu gelingen. Nach einiger Zeit stellen die beiden aber besorgt fest, dass ein Serienmörder in der Stadt sein Unwesen treibt. Während Francis kein Problem damit zu haben scheint, nimmt das Ganze Julia, die die meiste Zeit alleine zu Hause ist, schwer mit. Ihr schlechtes Gefühl verstärkt sich, als sie merkt, dass ein Mann aus dem Gebäude gegenüber sie beobachtet und verfolgt. Spielt ihr ihre Paranoia etwas vor oder befindet sie sich wirklich in Gefahr?

Filmische Paranoia

Nach It Follows ist Maika Monroe in Watcher zum zweiten Mal in der Rolle einer sich wahnhaft verfolgt und beobachtet Fühlenden zu sehen. Ähnlich wie in David Robert Mitchells Werk aus dem Jahr 2014 gelingt es auch in Watcher sehr gut, ein sehr unbehagliches Gefühl der Paranoia aufzubauen. Verantwortlich ist dafür vor allem die gelungene Mise en Scène. Regisseurin Chloe Okuno beweist, dass sie ein Auge dafür hat, ihre Figuren sinnvoll zu positionieren und die Szenengeografie geschickt zu nutzen, um eine tolle Atmosphäre und Spannung zu schaffen.

Immer wieder wirken die Räumlichkeiten, in denen Julia sich befindet, wie erdrückend. Sie ist klein und verletzlich in einer unbekannten, lebensfeindlichen Umgebung. Gemeinsam mit den kalten, tristen Farben sorgt das für ein wirklich bedrückendes und ungemütliches Gefühl, welches den Film fast im Alleingang trägt. Denn eine große emotionale Tiefe wird nicht aufgebaut.

Limitierte und unsauber erzählte Handlung

Das ist in erster Linie anhand zweier Dinge zu begründen. Zum einen gibt der Plot abseits von dem Gefühl der Paranoia wirklich nicht viel her. Die meiste Zeit sehen wir, wie Menschen beobachten und beobachtet werden, was ab einem gewissen Punkt ziemlich repetitiv wird. Das liegt nicht unbedingt in der prinzipiellen Entscheidung, Menschen beim Beobachten zu zeigen, sondern viel mehr daran, wie sich der Plot entwickelt und welche Figuren eingeführt werden. Diese sind größtenteils ziemlich eindimensional und funktionieren weniger als echte Menschen, zu denen man eine Bindung aufbaut, sondern eher als von der Handlung getragene Objekte. Und das ist bei einer so minimalistischen Handlung ziemlich problematisch. Der Film verlässt sich für seine Figuren zu sehr auf den Plot, leidet aber massiv daran, da das Konzept des Plots nur mit interessanten Figuren funktioniert.

Insgesamt fühlen sich Handlung und Figuren seltsam eingeschränkt, linear, fast wie auf Schienen an. Der Film etabliert von Anfang an eine Frage, die eigentlich nur mit Zustimmung oder Ablehnung beantwortet werden kann und steuert dann seine gesamte Laufzeit darauf zu. Zwar gibt es auch Dinge, die nebenbei passieren, allerdings wirken diese stets um ihre Relevanz beraubt und werden nur sehr reduziert angesprochen und nicht zu Ende gedacht.

Und letztlich findet sich darin das zweite große Problem des Films. Natürlich ist es schade, dass die Figuren und die Handlung nicht gut ausgearbeitet sind und sich konzeptionell im Weg stehen. Allerdings wäre das bei der gelungenen Inszenierung zu verkraften gewesen, wenn der Film anderweitig interessante Gedanken auf die Leinwand bringen könnte. Das misslingt aber ebenfalls weitestgehend, da Watcher immer wieder versucht, sich unvorhersehbar zu verhalten und seiner Linearität zu entweichen. Dadurch bildet er in vielen Momenten eine seltsame antiklimaktische Dynamik, die neben dem Plot auch davon losgelösten Ideen beeinträchtigt.

Victim Shaming

Besonders schade ist das, da der Film eindeutig interessante Gedanken durchklingen lässt. Diese bekommen nur eben nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen bzw. werden durch seltsame Erzählumstände entwertet. Der größte, trotz Reduzierung immer noch am besten funktionierende Themenkomplex, befasst sich mit Victim Shaming. Gerade die Beziehung zwischen Julia und Francis bekommt durchaus ein großes Maß an Aufmerksamkeit in dieser Hinsicht, wenn Francis’ Verständnis für Julias Sorgen mehr und mehr schwindet. Bildet sich Julia alles nur ein? Stellt sie sich zu sehr an? Spannend sind natürlich gerade die mitklingenden Untertöne über Abhängigkeit und Respekt.

Aufgrund dieser im Film gewählten und in der Realität häufig vorkommenden Beziehungsdynamik eines den Ton angebenden, Unterhalt verdienenden Mannes und seiner Frau, die von der Gesellschaft in ihrer Eigenständigkeit und letztlich auch Mündigkeit infrage gestellt wird, bekommt Watcher durchaus einen feministischen Einschlag. Das ist ebenfalls sehr spannend und behandelt nicht nur ein wichtiges Thema, sondern gibt auch der Figur von Julia und Francis’ Nachbarin ihre Daseinsberechtigung.

Dennoch funktioniert die Umsetzung von all dem nur bedingt, da der Film entsprechend seiner Handlung sowie dem konkreten Verhalten Francis und Julias eine gewisse Ambivalenz zum Thema aufbauen möchte, diese aber oftmals sehr abrupt und in ihrer Darstellung unpassend wirkt. Auch andere Themen leiden darunter. Die gesamte Darstellung und Behandlung Bukarests bzw. Rumäniens ist etwas seltsam und variiert zwischen für die Handlung sehr funktionell zu negativ oder positiv stereotypisierend. Insgesamt ist die Präsentation der wichtigen Dinge bzw. die Zeit, die sich für sie genommen wird, einfach sehr durchwachsen.

Credits

OT: „Watcher“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Chloe Okuno
Drehbuch: Chloe Okuno, Zack Ford
Kamera: Benjamin Kirk Nielsen
Musik: Nathan Halpern
Besetzung: Maika Monroe, Karl Glusman, Burn Gorman, Tudor Petruț, Gabriela Butuc, Madalina Anea

Bilder

Trailer

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Watcher
Fazit
„Watcher“ gelingt es, eine sehr vereinnahmende und paranoide Stimmung zu erzeugen. Allerdings hat das Drehbuch doch einige Schwächen hinsichtlich der Figuren, Handlung, aber auch Erzählweise, sodass auch die eigentlich guten thematischen Ideen des Filmes sich nicht entfalten können.
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