Pinocchio 2022 Disney+
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Pinocchio 2022 Disney+
„Pinocchio“ // Deutschland-Start: 8. September 2022 (Disney+)

Inhalt / Kritik

Ach, was würde Geppetto (Tom Hanks) nicht dafür geben, wenn er noch einmal seinen Sohn sehen könnte! Aus Trauer schnitzt der Tischler und Spielzeugmacher deshalb eine Marionette, die dem Verstorbenen nachempfunden ist und die ihn an den Jungen erinnern soll. Noch schöner wäre es aber natürlich, wenn er tatsächlich zum Leben erwachen würde. Auf wundersame Weise geht dieser Wunsch in Erfüllung. Mehr noch, die Blaue Fee (Cynthia Erivo) stellt der Puppe in Aussicht, zu einem echten Menschen werden zu können, wenn er sich selbstlos und gut verhält. Das fällt ihm allerdings von Tag zu Tag schwerer. Auch wenn sein gutes Gewissen, die Grille Jiminy, ihm immer wieder zuredet, in der großen weiten Welt da draußen warten viele Gefahren und Verlockungen …

Und noch ein Disney-Remake …

Auch wenn man mit der Nase rümpfen oder deswegen spotten darf: Bislang war es für Disney äußerst rentabel, alte Zeichentrickklassiker noch einmal neu zu verfilmen. 2019 war der bisherige Höhepunkt, mit Aladdin und Der König der Löwen spielten gleich zwei dieser sogenannten Live-Action-Remakes über eine Milliarde US-Dollar ein. Seither ist die Geldmaschine zum Stottern gekommen, woran natürlich die Corona-Pandemie einen wesentlichen Anteil hatte. Von dem finanziellen Segen der vorangegangenen Filme war man bei Mulan und Cruella jedenfalls weit entfernt, die nur in sehr begrenztem Maß in den Kinos gezeigt werden können. Inzwischen ist die Pandemie so weit ignoriert, dass Kinoblockbuster wieder möglich sind. Wenn Pinocchio dennoch beim hauseigenen Streamingdienst Disney+ abgeladen wird, dann ist das daher kein gutes Zeichen.

Dabei sind zahlreiche große Namen an dem Projekt beteiligt. Tom Hanks spielt den Puppenmacher, in Nebenrollen sind Cynthia Erivo und Luke Evans zu sehen. Im englischen Original sind zudem die Stimmen von Joseph Gordon-Levitt, der Jiminy spricht, sowie Keegan-Michael Key in der Rolle des Fuchses zu hören. Inszeniert wurde Pinocchio zu guter Letzt von Robert Zemeckis, der von einigen alten Weggefährten unterstützt wird. Dessen Karriere hat zwar zuletzt einige Dellen bekommen. So war sein vorheriges Remake Hexen hexen mindestens umstritten. Viele Fans des Kultfilms konnten so gar nichts mit der Neuinterpretation anfangen. Dieses Mal ist es aber noch schlimmer: Fast alle sind sich einig, dass seine Version von Carlo Collodis Kinderbuch missglückt ist. Nicht allein, dass diese dem Zeichentrickfilm von 1940 hoffnungslos unterlegen ist. Es reicht nicht einmal fürs solide Mittelfeld, wo die meisten dieser Disney-Live-Action-Neuverfilmungen gelandet sind.

Billiges Plastik und fehlende Harmonie

Einen wesentlichen Anteil daran hat die Optik. Dass die CGI-Kopien der beliebten Designs den Zeichentrickoriginalen nicht das Wasser würden reichen können, war zwar abzusehen. Da fehlt wie so oft der Charme, der die Figuren so zeitlos gemacht hat. Aber auch technisch ist Pinocchio eine Enttäuschung. Dass die Titelfigur beim Versuch, das bekannte Aussehen zu rekreieren, nach Plastikpuppe aussieht anstatt einer aus Holz gefertigten Marionette, ist schon schlimm genug. Richtig schockierend ist aber, wie die am Computer erstellten Elemente und die realen einfach nicht zusammenfinden. Da prallen offensichtlich zwei Welten aufeinander, ohne dass es jemanden interessiert hätte. Zwar wurde versucht, die großen Vorteile solcher Rechenwerke zu nutzen und so für mehr Dynamik zu sorgen. Doch das beabsichtigte Spektakel fällt aus. Das sieht alles zu billig aus, um Wirkung zu entfalten.

Inhaltlich ist Pinocchio ebenfalls ernüchternd. Grundsätzlich wurde zwar die Geschichte beibehalten, ohne viel an ihr zu ändern. Noch immer gibt es daher die bekannten Stationen wie die Vergnügungsinsel oder den Wal. Es gelingt aber Zemeckis, der gemeinsam mit Chris Weitz auch das Drehbuch geschrieben hat, nicht, die Vorlage auf interessante oder wenigstens funktionierende Weise aufzubereiten. Gerade der Wandel der Puppe, die im Laufe des Abenteuers zu einem besseren Menschen wird, kommt hier zu kurz. Das Getöse der Erlebnisse überdeckt das, was Collodi seinerzeit in seinem Buch eigentlich erzählte. Und das ist eindeutig zu wenig bei einem Stoff, der so oft verfilmt wurde. Da war die Version von 2019 deutlich spannender. Auch die im Dezember folgende Neuinterpretation von Guillermo Del Toro verspricht deutlich mehr als dieses überflüssige Remake.

Credits

OT: „Pinocchio“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: Robert Zemeckis, Chris Weitz
Vorlage: Carlo Collodi
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Don Burgess
Besetzung: Tom Hanks, Cynthia Erivo, Giuseppe Battiston, Kyanne Lamaya, Luke Evans, Lewin Lloyd

Bilder

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Pinocchio (2022)
Fazit
„Pinocchio“ behält zwar die bekannten Designs und die Geschichte bei, scheitert aber daran, diese auf interessante Weise aufbereiten zu wollen. Die Titelfigur sieht nach Plastik aus, das Zusammenspiel von Computer-Elementen und realen Elementen funktioniert nicht, die eigentliche Aussage wird unter dem billigen Spektakel begraben.
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