Kritik

Hexen hexen The Witches Roald Dahl

„Hexen hexen“ // Deutschland-Start: 29. Oktober 2020 (Kino)

Als der kleine Junge (Jazhir Bruno) seine Eltern in einem Autounfall verliert, verliert er selbst auch jeglichen Lebensmut. Doch seine Großmutter (Octavia Spencer) nimmt ihn bei sich auf, kümmert sich um ihn und sorgt dafür, dass er nach und nach wieder zu sich findet. Sie ist es auch, die ihm davon erzählt, dass es auf der ganzen Welt böse Hexen gibt, die es nur darauf abgesehen haben, kleine Kinder zu töten. Und damit soll sie recht behalten. Als die zwei in dem von Mr. Stringer (Stanley Tucci) geleiteten Hotel einchecken, einem vornehmen Anwesen im Süden der USA, müssen sie feststellen, dass das Böse nicht weit entfernt ist. Die große Oberhexe (Anne Hathaway) und zahlreiche andere Hexen sind ebenfalls in dem Hotel, um von dort aus ihre bösen Pläne umzusetzen. Doch sie haben nicht damit gerechnet, dass ihnen jemand dazwischenfunken könnte …

Einen Kultfilm neu zu verfilmen, das ist immer eine gewagte Sache. So verständlich es ist, von deren Popularität profitieren zu wollen, bei den eingefleischten Fans hat man oft nur wenig Chancen. Hinzu kommt, dass bei den neuen Versionen nicht immer das Verständnis dafür da ist, was das Original denn so besonders gemacht hat, weshalb etwas orientierungslos herumkopiert und verschlimmbessert wird. Im Fall von Hexen hexen ist der Fall jedoch etwas anders. Zum einen basierte die Fantasykomödie von 1990 auf einem Buch von Roald Dahl, ist also nur bedingt als „Original“ zu bezeichnen. Außerdem lag ein Teil des Reizes des Films darin, dass Horror und Familienunterhaltung auf eine sehr seltsame Weise miteinander verbunden wurden, da nicht immer alles zusammenpasste.

Eine Fantasykomödie aus einem Guss
Die neue Version der 80er/90er Jahre Legende Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft, Falsches Spiel mit Roger Rabbit) ist da schon in sich stimmiger. Zwar wird es auch bei dieser Version von Hexen hexen teilweise recht unheimlich, wenn den bösen Hexen die Gesichtszüge entgleiten. Dabei kommt es jedoch zu keinen vergleichbaren Stilbrüchen wie noch 30 Jahre zuvor. Der Schockfaktor, wenn der bislang so harmlos erscheinende Familienfilm seine bizarre Fratze zeigt, der fehlt hier. Das kann man nun bedauern oder begrüßen, zumindest trägt es dazu bei, dass beide Filme trotz der über weite Strecken identischen Geschichte nicht völlig austauschbar sind.

Hinzu kommt, dass Zemeckis, der zusammen mit Guillermo del Toro (Shape of Water – Das Flüstern des Meeres, Pans Labyrinth) und Kenya Barris (#BlackAF) das Drehbuch geschrieben hat, auch einige andere Punkte geändert hat. So dürfte Barris sicher an der Entscheidung beteiligt gewesen sein, die Geschichte aus dem England der 80er in die 60er der USA zu verlegen und die ursprünglich aus Norwegen stammende Großmutter durch eine Afroamerikanerin ersetzt zu haben. Wenn diese dann im Hotel unterwegs ist und sich zusammen mit ihrem Enkel als einzige Schwarze herausstellen, die nicht dort arbeiten, bekommt die Geschichte einen ganz anderen Kontext. Eine schwarze Familie, die gegen einen übermächtigen weißen Feind ankämpft? Das ist eine interessante Umdeutung, auch wenn leider viel zu wenig aus dem Thema Rassismus bzw. Rassentrennung gemacht wird.

Mehr Humor, zwiespältige Optik
Ein anderer wichtiger Faktor ist, dass der Humor erweitert wurde. Beispielsweise darf die große Oberhexe jetzt mit einem starken Akzent reden, was schon mal zu einem Missverständnis führen kann. Hathaway hat auch sichtlich Spaß daran, diesen auszukosten, so weit es nur irgendwie geht, bis sie mehr einer Karikatur ähnelt. Das ist dann natürlich kein Vergleich zu einer eiskalten Anjelica Huston damals, die schon mit ihren Blicken töten konnte. Dennoch ist es unterhaltsam ihr zuzusehen. Gleiches gilt für Spencer, die als Heldin selbst eine Art Kräuterhexe darstellt – anders als ihre Vorgängerin, die ein bisschen überfordert durch das Hotel rannte und weniger Akteurin war.

Sehr gemischt sind aber leider die Spezialeffekte. Dass die Computervarianten der Mäuse nicht den Charme haben würden, den die handgemachten Puppenversionen seinerzeit hatten, das war abzusehen. Und teilweise werden die technologischen Fortschritte der letzten dreißig Jahre auch gut genutzt. Aber es gibt doch immer mal wieder Szenen, die ziemlich billig aussehen, teils unfreiwillig komisch. So als wäre Hexen hexen selbst aus einer anderen Zeit. Dafür wurde das Ende des Buches übernommen, anstatt wie 1990 eine Wohlfühlvariante daraus machen zu wollen. Ob das eine Neuverfilmung rechtfertigt, darüber darf man geteilter Meinung sein. Fans der ersten Version werden eher weniger Freude daran haben. Für sich genommen ist das hier aber schon ansprechende Familienunterhaltung, über die in dreißig Jahren zwar eher weniger gesprochen werden dürfte, mit der man sich aber gut die Gegenwart vertreiben kann.

Credits

OT: „The Witches“
Land: USA
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: Robert Zemeckis, Kenya Barris, Guillermo del Toro
Vorlage: Roald Dahl
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Don Burgess
Besetzung: Anne Hathaway, Octavia Spencer, Stanley Tucci, Jahzir Kadeem Bruno

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Hexen hexen (2020)
„Hexen hexen“ ist im Vergleich zur ersten Verfilmung von 1990 weniger verstörend, weshalb Fans der Kultfassung weniger auf ihre Kosten kommen. Für sich genommen ist die Geschichte um einen Jungen, der zusammen mit seiner Großmutter gegen bösartige Hexen kämpft, aber ansprechende Familienunterhaltung mit guter Besetzung und der einen oder anderen interessanten Neuerung.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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