American Carnage
© Tiberius Film

American Carnage

American Carnage
„American Carnage“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Es ist nicht gerade ein Traumjob, den JP (Jorge Lendeborg Jr.) da hat, wenn er tagein tagaus Burger verkauft. Aber er kommt damit klar, wenn er nicht gerade von irgendwelchen rassistischen Idioten herumkommandiert wird. Die kleinen Beleidigungen stellen sich bald jedoch als vergleichsweise harmlos heraus, zumindest im Vergleich zu dem, was Governor Finn (Brett Cullen) vorhat. Um seine Chancen bei der Wiederwahl zu erhöhen, will dieser alle Menschen loswerden, die illegal eingewandert sind oder zumindest danach aussehen – so wie JP und seine jüngere Schwester Lily (Yumarie Morales). Um seiner Ausweisung zu entgehen, erklärt sich JP bereit, einen Freiwilligendienst in einem Seniorenheim zu leisten, wo er unter anderem Big Mac (Allen Maldonado), Chris (Jorge Diaz), Camila (Jenna Ortega) und Micah (Bella Ortiz) kennenlernt, die in einer ähnlichen Situation sind. Bald schon ahnen sie jedoch, dass in dem Heim etwas nicht mit rechten Dingen zugeht …

Der komische Horror des Rassismus

„Nur ein entsorgter Ausländer ist ein guter Ausländer“ ist bekanntlich ein inoffizielles Motto der republikanischen Partei in den USA. Ob nun Trumps Mauerwahn, in Käfigen eingesperrte Kinder oder auch der aktuelle Gouverneur Floridas Ron DeSantis, der Migranten in Busse packt und in demokratische Städte schickt: Die Liste an Maßnahmen ist lang. Skrupel kennt dabei niemand, keine Abscheulichkeit ist tabu, wenn es darum geht, die niederen Instinkte der eigenen Wählerschaft zu bedienen. Insofern wundert es nicht wirklich, wenn American Carnage diese Entwicklungen aufgreift und filmisch verarbeitet. Genauer nutzt Regisseur und Co-Autor Diego Hallivis – wie so viele Kollegen du Kolleginnen in den letzten Jahren – die Möglichkeiten des Horrorgenres, um damit einen Horror zu beschreiben, der für viele Menschen in den USA Alltag ist.

Dabei schlagen Diego und sein Bruder Julio, der mit ihm das Drehbuch geschrieben hat, eine humoristische Richtung ein. Vergleiche zu Jordan Peeles Get Out sind da unausweichlich. Die Horrorsatire, die den Rassismus in den USA als Basis für einen grotesken Alptraum verwendete, war schließlich vor einigen Jahren eine absolute Sensation, heimste Preise ein und erhielt hervorragende Kritiken. So etwas inspiriert natürlich. American Carnage hat einen nicht minder bizarren Einfall, der jedoch erst gegen Ende hin verraten wird. Dass in diesem Seniorenheim etwas nicht stimmt, das merkt das Publikum zwar recht schnell, gemeinsam mit den unfreiwilligen Freiwilligen. Was genau da gespielt wird, bleibt aber lange verborgen und dürfte auch nur von den allerwenigsten erraten werden. Selbst wer eine Wendung vorab erahnt, da kommt noch eine weitere.

Sympathisch mit Mängeln

Leider verlieren die Hallivis-Brüder diesen Mystery-Aspekt aber immer wieder aus den Augen und kümmern sich mehr um die Figuren und ihre jeweiligen Geschichten. Grundsätzlich ist so etwas natürlich nicht verkehrt. Ein bisschen Charakterisierung hat noch niemandem geschadet. Nur ist das Ergebnis bei American Carnage nicht so wirklich interessant. Während die Einstiegssequenz, bei der JP sich mit den rassistischen Burger-Käufern anlegt, noch Unterhaltungswert hat, bleiben die späteren humorvollen Szenen ohne echte Wirkung. Auch die romantischen Entwicklungen inmitten des Heims sind letztendlich überflüssig und ziehen den Film nur in die Länge. Der ist mit einer Laufzeit von rund anderthalb Stunden zwar schon kurz, tut sich aber schwer damit, die Zeit wirklich zu füllen, worunter auch die Spannung leidet.

Zwischendurch zeigt der Film aber immer wieder seine Klasse. So mögen die eigentlichen Horrorszenen eher selten sein, sind dabei jedoch recht effektiv. Außerdem wird American Carnage durch die Spielfreude des Ensembles aufgewertet, sowohl auf der guten wie auch der bösen Seite. Das reicht dann zwar nicht, um mit dem besagten Get Out mitzuhalten, da die Mischung aus Horror und Komödie in beiderlei Hinsicht unter den Möglichkeiten bleibt und ein bisschen mehr Subtilität hätte vertragen können. Der Beitrag vom Fantasy Filmfest 2022 ist aber sympathisch und aufgrund der obskuren Grundidee durchaus einen Blick wert.

Credits

OT: „American Carnage“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Diego Hallivis
Drehbuch: Diego Hallivis, Julio Hallivis
Musik: Nima Fakhrara
Kamera: Unax Mendia
Besetzung: Jorge Lendeborg Jr., Jenna Ortega, Allen Maldonado, Eric Dane, Brett Cullen, Jorge Diaz, Bella Ortiz

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

American Carnage
fazit
Ein junger Mann soll abgeschoben werden, verdient sich seinen Aufenthalt aber in einem Seniorenheim. Dumm nur, dass dort etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. „American Carnage“ nimmt ein gesellschaftliches Thema und bearbeitet dies in einer Mischung aus Horror und Komödie. Das Ergebnis überzeugt zwar nur teilweise, ist aber sympathisch und bleibt aufgrund einer grotesken Grundidee in Erinnerung.
Leserwertung0 Bewertungen
0
6
von 10