Knor Oink
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Knor Oink
„Oink“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Die Verwirrung ist groß bei der 9-jährigen Babs, als auf einmal der ältere Herr am Gartentor steht, sich als ihr Großvater vorstellt und bei ihnen einziehen will. Aus gutem Grund: Nach einem hässlichen Vorfall, der sich vor einem Vierteljahrhundert bei einem Wurstkönig-Wettbewerb zugetragen hat, hatte er seine Heimat verlassen, um in Amerika das Glück zu suchen. Nun ist er zurück, was bei seiner Tochter Margreet, der Mutter von Babs, auf sehr verhaltene Freude trifft. Die Enkelin ist hingegen schon neugierig, lauscht gerne seinen Geschichten. Vor allem freut sie sich aber über das kleine Schweinchen Oink, das er bald nach Hause bringt und um das sie sich kümmern darf. Dumm nur, dass dieses nicht sonderlich stubenrein ist und nicht wirklich auf Befehle hört …

Aus Liebe zum Schwein

In den letzten Jahren machten immer mal wieder Nachrichten die Runde, in denen es um unappetitliche Vorgänge in Schlachtbetrieben ging. Und auch das Thema Tierwohl beschäftigte die Menschen wieder und wieder. Insofern ist es doch ganz passend, wenn mit Oink ein Film herauskommt, der diese beiden Themengebiete aufgreift. Er tut dies jedoch auf eine Weise, die einem vielleicht nicht unbedingt als erstes eingefallen wäre. Die niederländische Produktion ist kein Dokumentarfilm, in dem investigativer Journalismus betrieben wird. Auch auf ein bleischweres Sozialdrama wurde verzichtet, obwohl das ebenfalls nahegelegen hätte. Stattdessen handelt es sich hierbei um eine liebenswürdige und leichtherzige Stop-Motion-Komödie.

Die Zielgruppe ist dabei eindeutig eine jüngere, weshalb der Film hierzulande bei der Sektion Generation der Berlinale lief und anschließend beim Kinderfilmfest München ein Heim fand. Und auch wenn der Star von Oink das titelgebende Ferkel ist, Hauptfigur ist die 9-jährige Babs. Eines der wichtigsten Themen innerhalb der Geschichte ist dann auch die Freundschaft zwischen den beiden. Während ihre Mutter das Chaos und den Dreck verabscheut, den das Tier mit sich bringt, und der Schlachter-Opa wenig überraschend einen recht pragmatischen Ansatz verfolgt, geht es dem Mädchen wirklich um das Lebewesen an sich. Ansonsten sind die Gefühle alle ein bisschen schwierig, innerhalb der Familie hat man selten den Eindruck, dass die Leute sich überhaupt mögen. Von lieben ganz zu schweigen.

Viel Stoff für die Kleinen

Innerhalb von nur rund 70 Minuten spricht Regisseurin Mascha Halberstad daher eine ganze Reihe von Themen an, von Tierschutz über gesunde Ernährung bis hin zu familiären Verwerfungen. Dass die kurze Laufzeit nicht genug ist, um all dem gerecht zu werden, versteht sich von selbst. Vieles wird nur angeschnitten, etwa zu der Frage, was genau ein Haustier auszeichnet. Auch die Wiederzusammenführung der Familie fällt in diesem Kontext recht kurz aus. Oink springt da so ein wenig von Thema zu Thema, will insgesamt dann doch eher unterhalten als wirklich ausführlich zu diskutieren. Lediglich der Einsatz gegen Fleischkonsum ist relativ eindeutig. Schon vor der Begegnung mit dem Schweinchen versucht die Mutter, den Rest der Familie zu einer rein auf Gemüse basierenden Ernährung zu überreden. Offen bleibt dabei jedoch, ob dies aus eigener Überzeugung heraus geschieht oder aus Protest gegen den Vater und dessen Fleischgeschäfte.

Was dem Film ein wenig an Tiefgang mangelt, macht er durch umso mehr Charme und Witz wieder wett. Zugegeben, ein Schwein, das herumläuft und alles vollkackt, ist nicht unbedingt die kreative Spitze des Humors. Das bringt dann doch mehr die Kinder im Publikum zum Quieken. Die schrägen Figuren, charakterlich wie visuell, finden aber auch bei Erwachsenen dankbare Zuschauer und Zuschauerinnen. Überhaupt macht Oink einfach Spaß beim Zusehen. Selbst wenn das technisch nicht auf dem Niveau ist, wie es etwa die Stop-Motion-Maestros Laika und Aardmann vormachen, das ist alles detailliert und liebevoll gestaltet. Ein Film, den man schon aus Prinzip irgendwie mögen muss und von deren Sorte man gern mehr sehen würde.

Credits

OT: „Knor“
Land: Niederlande
Jahr: 2022
Regie: Mascha Halberstad
Drehbuch: Fiona van Heemstra
Vorlage: Tosca Menten
Musik: Rutger Reinders
Kamera: Peter Mansfelt

Bilder

Trailer

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Oink
Fazit
„Oink“ ist ein süßer Stop-Motion-Film über ein Mädchen, das sich mit einem Ferkel anfreundet. Der Humor ist einer jungen Zielgruppe entsprechend eher schlicht, bei den Themen wäre ebenfalls mehr Tiefgang möglich gewesen. Aber es macht Spaß zuzusehen, allein schon wegen der liebevollen Gestaltung.
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