Friends with Benefits Freunde mit gewissen Vorzügen
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Freunde mit gewissen Vorzügen

Friends with Benefits Freunde mit gewissen Vorzügen
„Freunde mit gewissen Vorzügen“ // 8. September 2011 (Kino) // 26. Januar 2012 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Vermittlungsagentin Jamie (Mila Kunis) und Artdirector Dylan (Justin Timberlake) sind nach der Trennung von ihrer jeweils besseren Hälfte wieder frisch auf dem Singlemarkt. So sehnt sich Dylan nach einem neuen Lebensabschnitt und erhofft sich in New York erfolgreich zu werden, wo ihn die charmante Agentin bereits erwartet. Nachdem Jamie Dylan von dem eindrucksvollen New York überzeugt, kommen sich beide immer näher. Während die Chemie untereinander stimmt und beide eine tolle Zeit miteinander verbringen, so will man sich allerdings auf keinen Fall auf eine neue feste Beziehung einlassen. So einigen sie sich auf eine offene Beziehung ohne viel Gefühlsduselei, dafür aber mit jeder Menge Bettaction.

Fortschrittliches Romcom-Genre

Als Anfang 2011 die nahezu identische Romcom Freundschaft Plus die Kinokassen mächtig füllte, sprangen wenig verwunderlich weitere auf den Zug auf. Statt herkömmliche Romanzen war es eine Zeit, in der das einfach erklärte Konzept „Keine Beziehung, keine Gefühle, nur Sex“ in den Kinos für frischen Wind sorgte. So erweckt es retrospektiv fast schon ein wenig den Eindruck, dass zur damaligen Zeit eine neue Ära begann, in der übertriebene Emotionalität und schnulzige Komödien der Vergangenheit angehörten.

Auf der einen Seite fällt Freunde mit gewissen Vorzügen allerdings ganz klassisch aus, da man das Standardrepertoire geboten bekommt: ein harmonisches junges Pärchen und typische Problemchen mit den Familien, unterlegt mit warmen Filmfarben und einem hippen Soundtrack. Auf der anderen Seite wird die Kritik zu den herkömmlichen Produktionen aber gut etabliert, mit denen man einmal abrechnen wollte. Sehr gelungen teilt so auch Jamie als zynische junge Frau ordentlich Seitenhiebe gegen romantische Schnulzen, Frauenheld Nicholas Sparks und Katherine Heigl (27 Dresses lässt grüßen) aus. Das Frauenbild sieht hier also spürbar anders aus als in den meisten RomComs zu Beginn des 21. Jahrhunderts – ein toller Fortschritt wenn man auf 70 Jahre romantische Filmgeschichte schaut.

Untypisch typisch

Wie beim filmischen Geschwisterkind Freundschaft Plus fällt Freunde mit gewissen Vorzügen ebenso alles andere als klischeefrei aus. So kann man sich schon denken, in welche Richtung sich die RomCom entwickeln wird. Nach der Hälfte der Gefühllosigkeit geht es so einmal mehr um die aufkommenden Gefühle, was sich schon an den Liebesszenen bemerkbar macht. Statt dies zu drehen und die Narrative zu durchbrechen, ist Will Gluck (Peter Hase) jedoch nicht bereit. So wird in der zweiten Hälfte verstärkt auf das ein oder andere Klischee gesetzt, was sich schon alleine beim Soundtrack bemerkbar macht, wenn Death Cab for Cutie erklingt, die I Will Follow You into the Dark besingen. Dadurch erscheint die RomCom in der Gesamtheit ein wenig inkonsistent, überzeugt aber zumindest mit den gelungenen Liebesmomenten, bei denen immer die Gefahr besteht, dass diese merkwürdig aufgesetzt und oder unauthentisch wirken.

Augenscheinlich wenig einflussreich

Im Zeitalter, in dem offene Beziehungen immer häufiger werden und das Bild einer klassischen Beziehung immer weiter infrage gestellt wird, so feierte die romantische Komödie sicherlich zurecht ihren Erfolg. Schaut man auf die heutige RomCom-Landschaft, so hat man aber nicht das Gefühl, dass Freunde mit gewissen Vorzügen einen starken filmischen Impact hinterließ. Stattdessen blieben diese Filme, die auf Gefühle pfeifen, augenscheinlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nimmt man jedoch die Toplisten von RomComs der letzten Jahre unter die Lupe, in denen nur vereinzelte Ausnahmefälle überzeugen (The Big Sick), so kann man sich doch glücklich schätzen, dass es Freunde mit gewissen Vorzügen und Konsorten gibt – besonders in Hinblick auf die Fremdschäm-Momente, wie man sie heutzutage immer häufiger erlebt. Glucks Werk ist somit besser als viele herkömmliche Produktionen, hinterlässt auf der anderen Seite aber keinen bleibenden Eindruck.

Credits

OT: „Friends with Benefits“
Land: USA
Jahr: 2011
Regie: Will Gluck
Drehbuch: Keith Merryman, Will Gluck, David A. Newman
Kamera: Michael Grady
Besetzung: Mila Kunis, Justin Timberlake, Patricia Clarkson, Jenna Elfman, Woody Harrelson, Richard Jenkins, Emma Stone, Andy Samberg

Bilder

Trailer

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Freunde mit gewissen Vorzügen
Fazit
In "Freunde mit gewissen Vorzügen" versuchen zwei attraktive Menschen eine offene Beziehung, was aber nur eine Zeit lang funktioniert. Der Film versucht sich als Abkehr von der klassischen Liebeskomödie, nimmt später deren Klischees aber doch dankbar an.
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