Ein Gespenst auf Freiersfüßen The Ghost and Mrs. Muir TV Fernsehen arte Mediathek
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Ein Gespenst auf Freiersfüßen

Ein Gespenst auf Freiersfüßen The Ghost and Mrs. Muir TV Fernsehen arte Mediathek
„Ein Gespenst auf Freiersfüßen“ // Deutschland-Start: 9. September 2016 (DVD)

Inhalt / Kritik

Für Lucy Muir (Gene Tierney) steht fest, dass etwas geschehen muss. Seit dem Tod ihres Mannes lebt sie bei dessen Schwester und der Mutter, obwohl sie mit beiden nicht sonderlich viel anfangen kann. Bei ihrer Suche nach einer neuen Bleibe für sich und ihre Tochter Anna (Natalie Wood) stößt sie auf ein abgelegenes Häuschen bei einer kleinen Küstenstadt. Das ist perfekt für sie, zudem sehr günstig, weshalb es ihr nicht so recht einleuchtet, warum dieses schon seit Jahren leersteht und ihr der Makler auch vehement von dem Anwesen abrät. Schon nach einigen Minuten in dem Haus erkennt sie jedoch warum: Der missgelaunte Schiffskapitän Daniel Gregg (Rex Harrison), der bis zu seinem Selbstmord dort lebte, spukt noch immer dort herum. Zum Entsetzen des Maklers ist Lucy davon aber nicht abgeschreckt und beschließt zu bleiben …

Ein verkannter Klassiker

Die Geschichte einer Frau zu einem verstorbenen Mann, der auch nach seinem Tod in ihrer Nähe bleibt, da dürften so manche an Ghost – Nachricht von Sam denken. Dabei gab es schon seit Jahrzehnte früher einen Film, der mit einem solchen Szenario arbeitet. Ein Gespenst auf Freiersfüßen gilt dabei selbst als Klassiker, wenngleich er keinen vergleichbaren Erfolg an den Kinokassen hatte. Bei uns lief er nicht einmal in den Kinos, sondern musste sich mit einer TV-Ausstrahlung zufriedengeben, rund 40 Jahre später. Auch die Resonanz durch die Kritiker hätte besser sein können. Zumindest seinerzeit fiel diese ein wenig gemischt aus. Bei den Filmpreisen gab es gerade mal eine Oscar-Nominierung – für die beste Kamera. Ansonsten nahm man keine rechte Notiz von dem Film.

Das ist auch deshalb überraschend, weil dieser immerhin vom bekannten Regisseur Joseph L. Mankiewicz stammt. Und der sammelte im Laufe seiner Karriere zahlreiche Preise. Tatsächlich gelang dem US-amerikanischen Regisseur nur zwei Jahre später der große Durchbruch und gewann zwei Mal in Folge einen Oscar für die beste Regie, erst für Ein Brief an die Frauen (1949), dann für Alles über Eva (1950). Bei Ein Gespenst auf Freiersfüßen fehlte eine vergleichbare Würdigung. Tatsächlich sahen einige in dem geistreichen Liebesfilm eine nette Belanglosigkeit, angenehm, aber oberflächlich. Inzwischen ist das Renommee deutlich besser. Das American Film Institute erklärte das Drama sogar zu einem der 100 besten Liebesfilme aller Zeiten.

Eine Liebe mit Anfangsschwierigkeiten

Dabei ist zunächst gar nicht klar, dass es sich bei der Adaption des Romans Der Geist des Captain Gregg von R. A. Dick, Pseudonym der irischen Schriftstellerin Josephine Leslie, um einen Liebesfilm handelt. Bis neben Lucy noch die zweite Hauptfigur auftaucht, und damit das männliche Gegenstück, dauert es schon eine Weile. Ein Gespenst auf Freiersfüßen befasst sich zunächst mit der Situation der Protagonistin, dem Verhältnis zu den Verwandten ihres verstorbenen Ehemannes. Danach wird viel drumherum geredet, warum denn nun ausgerechnet dieses Haus nicht für Lucy offensteht. Und selbst als der Tote in ihr Leben tritt, dauert es ordentlich, bis da tatsächliche Gefühle entstehen. Wäre da nicht der deutsche Titel, man würde kaum ahnen, worauf das hier hinausläuft.

Das liegt einerseits an der Situation: Welche Zukunft kann die Liebe zu einem Geist schon haben? Aber auch das Verhältnis der beiden Figuren gibt zunächst wenig Anlass, etwas in die amouröse Richtung zu erwarten. Gregg ist dann doch mehr der Typus Stinkstiefel, der Gefallen daran findet, anderen Leuten das Leben schwer zu machen – selbst nach dem eigenen Ableben. Die Situationen, in denen er unliebsame Leute zu vergraulen versucht, geben Ein Gespenst auf Freiersfüßen ebenso komödiantische Züge wie die Streitgespräche der beiden Hauptfiguren. Dass sie überhaupt miteinander kommunizieren, ist durch eine gewisse Zweckgemeinschaft begründet, wenn beide das Haus bewahren wollen. Da wählt man schon mal das kleinere Übel, um das Ziel zu erreichen. Das ist gerade zu Beginn ein größerer Spaß. Hauptdarstellerin Gene Tierney (Ein himmlischer Sünder) und ein mit Freude unflätig auftretender Rex Harrison (Geisterkomödie) sind eine gute Konstellation. Die spielerischen Machtkämpfe erinnern an frühere Screwball-Komödien.

Später richtig tragisch

Erst später gewinnt Ein Gespenst auf Freiersfüßen an emotionaler Tiefe, wenn die Geschichte zunehmend tragischer wird. Auch wenn das Wochenende bei so manchen im Publikum Anlass zu einem gesteigerten Taschentuchverbrauch sein dürfte, mit Wohlfühlkitsch hat das hier nicht zu tun. Stattdessen zeigt sich die romantische Tragikomödie von einer bittersüßen Natur, bleibt an mehreren Stellen auch ambivalent. Das gilt auch für die Geschlechterbilder des Films. Einerseits ist er durchaus feministisch, wenn Lucy im Laufe ihres Lebens lernt, sich gegen andere durchzusetzen. Auch die Szenen, in denen sie bei einem Verleger vorspricht, sind ein Plädoyer für eine Aufwertung von Frauen. Gleichzeitig sind es dann doch oft die Männer, die ihr Leben prägten. Dass sie ihre finanzielle Lage der Autobiografie des Kapitäns verdankt, ist nicht gerade schmeichelhaft. Wer darüber hinwegsehen kann, findet hier aber einen schönen Film, tröstlich und sehnsuchtsvoll, dazwischen auch immer wieder unterhaltsam.

Credits

OT: „The Ghost and Mrs. Muir“
Land: USA
Jahr: 1947
Regie: Joseph L. Mankiewicz
Drehbuch: Philip Dunne
Vorlage: R. A. Dick
Musik: Bernard Herrmann
Kamera: Charles Lang
Besetzung: Gene Tierney, Rex Harrison, George Sanders, Edna Best, Vanessa Brown, Natalie Wood

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Ein Gespenst auf Freiersfüßen
Fazit
Eine Frau will endlich selbständig sein und verliebt sich dabei später in den Geist eines grimmigen Kapitäns: „Ein Gespenst auf Freiersfüßen“ hat 75 Jahre später noch immer eine ungewöhnliche Geschichte zu erzählen, bei der sich komische und tragische Elemente die Waage halten. Vor allem das ungleiche Duo sorgt dafür, dass man sich die Romanadaption noch immer gut ansehen kann, selbst wenn einige Punkte altersbedingt etwas schwierig sind.
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