Ronin
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Ronin

Ronin
„Ronin“ // Deutschland-Start: 3. Dezember 1998 (Kino) // 13. Juni 2008 (DVD)

Inhalt / Kritik

In einem kleinen Café mitten in Montmartre trifft sich eine Gruppe Söldner, die im Namen einer bislang unbekannten Gruppe eine Operation durchführen sollen, bei der es um die Beschaffung eines Aktenkoffers geht. Die Gruppe besteht aus dem US-Amerikaner Sam (Robert De Niro), Vincent (Jean Reno), dem Engländer Spence (Sean Bean) sowie Larry (Skipp Sudduth). Jedem kommt dabei eine besondere Aufgabe innerhalb der Gruppe zu. Abgerundet wird das Team vom Techniker Gregor (Stellan Skarsgård). Von Deirdre (Natasche McElhone) erfährt das Team von ihrem Einsatz und ihrem Ziel. Doch während die meisten zufrieden sind mit den wenigen Informationen, scheint Sam skeptisch zu sein. So fragt er immer wieder nach und versucht weitere Details zu erfahren, jedoch ohne Erfolg. Dafür gelingt es ihm so etwas wie eine Vertrauensbasis zu Victor herzustellen, dem er bei einem in einer Schießerei endenden Waffendeal das Leben retten kann. Auch Deirdre fällt die Versiertheit Sams mehr und mehr auf. Im Vorfeld zum eigentlichen Einsatz kommen sie und Sam sich dann näher. Während es ihnen parallel gelingt nicht nur einen Plan für den Zugriff auf den Koffer zu schmieden, sondern zudem immer mehr Informationen über ihrer Gegner zu erhalten, über die sie bislang eher im Dunklen gehalten worden sind.

Ein wahrer Cineast

Nach dem finanziellen Misserfolg von DNA – Die Insel des Dr. Moreau war man sich aufseiten des Studios nicht sicher, ob Regisseur John Frankenheimer (French Connection II) wirklich der richtige Mann war für ein internationales und vor allem kostspieliges Projekt wie Ronin. Denn das sollte nicht nur in Europa gedreht werden, sondern einige hochkomplexe Actionszenen beinhalten. Schließlich konnte jedoch vor allem Frankenheimers Ruf überzeugen, was als Macher von Klassikern wie Grand Prix oder Der Mann, der zweimal lebte, wohl zu vertreten ist. Zum Ende der Dreharbeiten von Ronin schenkte ihm Robert De Niro gar einen speziell für Frankenheimer angefertigten Stuhl samt einer Videokamera mit einer Karte, in der er ihn als „wahren Cineasten“ pries.

An der Oberfläche mag die Geschichte von Ronin wie einer jener Actionthriller anmuten, wie man sie in den 1990ern in großer Anzahl vorfand. Jedoch kann sich dieses Werk abheben von der Masse, was unter anderem mit dem Inszenierungsstil Frankenheimers zu tun hat. Ein Paradebeispiel sind zum einen die Verfolgungsjagden durch die engen Gassen von Nizza wie auch anderen Städten. Aber auch das dramaturgisch ausgefeilte Finale beeindruckt, welches die einzelnen Gruppierungen in einem letzten Duell miteinander sieht. Wie schon in Grand Prix zeigt sich Frankenheimer als ein Meister darin, Bewegung darzustellen, seinem Zuschauer ein Gefühl für die Anspannung seiner Figuren zu geben, auch wenn ihre Motivation bisweilen etwas nebulös erscheint. Die Fahrt gegen die Fahrtrichtung während der Rush-hour gehört bis heute zu einer der wohl eindrucksvollsten Sequenzen des Actionkinos.

Herrenlose Krieger

Jedoch geht es Frankenheimer wie auch dem Drehbuch, an dem unter anderem David Mamet (unter einem Pseudonym) mitschrieb, um noch eine ganze andere Agenda. Die herrenlosen Krieger, auf die der Titel anspielt, sind eben jener Söldner, die De Niro und Reno spielen und welche, hungrig nach einem Scheck, sich jedem Job verpflichten, der ihnen dies bietet. Bedenkt man die Dramaturgie und Zusammenstellung der Figuren, gelingt es der Inszenierung, die feinen Details der einzelnen Charaktere auszuspielen. Während auf der einen Seite zumindest noch ein Restglaube in Prinzipien wie Ehre vorliegt, sieht jemand anderes eine Gelegenheit, sich einen Vorteil zu verschaffen. Im Gegensatz zu manch anderen Rollen in seiner Karriere mag die in Ronin nicht unbedingt eine sein, für die De Niro bekannt ist. Aber sie zeigt sein feinfühliges Spiel, gerade wenn es um Themen wie die Hierarchie innerhalb einer Gruppe geht. Daneben überzeugt zudem Natascha McElhone als der wahre Star des Films. Sie betont das Mysteriöse ihrer Figur, die sich nicht die Karten schauen lassen will. Gleichzeitig hält sie mit eiserner Hand die Zügel der Operation in der Hand, auch wenn diese droht aus dem Ruder zu laufen.

Credits

OT: „Ronin“
Land: USA
Jahr: 1991
Regie: John Frankenheimer
Drehbuch: J. D. Zeik, David Mamet
Musik: Elira Cmiral
Kamera: Robert Fraisse
Besetzung: Robert De Niro, Jean Reno, Natascha McElhone, Stellan Skarsgård, Sean Bean, Skipp Sudduth, Michael Lonsdale, Jan Triska, Jonathan Pryce

Trailer

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Ronin
Fazit
„Ronin“ ist ein großartiger Actionthriller, der sowohl darstellerisch wie auch dramaturgisch überzeugt. John Frankenheimer gelingt ein später Triumph in seiner langen Karriere – ein spannender Film, dessen Verfolgungsjagden bis heute im Genre unerreicht sind.
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