The Book of Love Sky Ticket
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Book of Love

Inhalt / Kritik

The Book of Love Sky Ticket
„Book of Love“ // Deutschland-Start: 12. Februar 2022 (Sky Ticket)

Jahrelang hat Henry Copper (Sam Claflin) an seinem Roman gearbeitet, hat sein gesamtes Herzblut hineingesteckt. Gelohnt hat es sich nicht, niemand interessiert für sein Werk, das Buch ist ein absoluter Ladenhüter. Doch dann erfährt er von seiner Verlegerin Jen (Lucy Punch), dass The Sensible Heart ausgerechnet in Mexiko ein absoluter Renner sein soll. Und so wird der britische Autor dorthin geschickt, um mit seiner Übersetzerin Maria Rodríguez (Veronica Echegui) eine Promotour zu starten. Die ist von Anfang an ein wenig komisch, die Fans reagieren anders als gedacht. Richtig erklären kann sich Henry das aber alles nicht, da er kaum Spanisch spricht. Bis er auf des Rätsels Lösung kommt: Maria hat seinen Roman komplett umgeschrieben und ein heißes Sexabenteuer daraus gemacht …

Liebe als Ramschobjekt

Kurz vorm Valentinstag buhlen die Streamingdienste darum, wer das Publikum mit romantisch aufgeladenen Filmen am besten an sich binden kann. Netflix schickte Taktiken der Liebe und Hart am Wind ins Rennen, Amazon Prime Video konterte mit I Want You Back und Time Is Up. Und auch bei Sky Ticket möchte man etwas vom fetten Romanzen-Kuchen abhaben und versucht sein Glück mit Book of Love. Ob es so viele Filme auf einmal braucht, darüber kann man sich mal wieder streiten. Hinzu kommt: Tatsächlich gute Titel sind in dem Segment offensichtlich nur sehr schwer zu produzieren. Die meisten sind so austauschbar, dass schon einmal beim Anschauen der Gedanke aufkommt, ob da nicht ein bisschen viel Lebenszeit verschwendet wurde für einen Hauch von Nichts.

Immerhin: In der Schwemme an mäßigen bis schlechten Filmen ist Book of Love noch einer der besseren Titel. So ist das Grundszenario deutlich origineller, als man es in diesem Bereich gewohnt ist. Ein Autor dessen Werk von der Übersetzerin komplett abgeändert wurde, ohne dass es jemand erfahren hätte? Das ist schon eine ungewöhnliche Ausgangssituation für die Geschichte. Zumindest anfangs macht es dann auch tatsächlich Spaß, dem ahnungslosen Henry zu folgen, der die Welt nicht mehr versteht. Da gibt es Kommentare aus dem Publikum, die irgendwie unpassend sind. Vom Cover des Buches ganz zu schweigen, welches so gar nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Und dann wären da noch Annäherungsversuche des überwiegend weiblichen Publikums, welches ihm an den Lippen hängt.

Nach dem Kontrast kommt die Langeweile

Das funktioniert auch deshalb gut, weil Book of Love auf einen maximalen Kontrast setzt. Auf der einen Seite ist der Autor, der sich in elitäre Geistigkeit erhebt und das Körperliche als minderwertig ansieht. Auf der anderen Seite das Buch, das plötzlich voll schlüpfriger Momente ist und damit das Gegenteil von dem ist, was Henry eigentlich erreichen wollte. Das ist auch gut besetzt. Sam Claflin (Love Wedding Repeat) war sicher nicht der erste Name, der einem bei der Figur des steifen Künstlers eingefallen wäre. Aber es gelingt dem Briten doch ganz gut, an der Stelle in die Fußstapfen von Hugh Grant zu treten, der die Rolle des charmanten, aber umständlichen Naivlings seinerzeit für sich gepachtet hatte. Tatsächlich hätte man die Geschichte in der Form auch vor zwanzig Jahren problemlos drehen können. Der einzige Verweis auf die Jetztzeit – soziale Medien – wird ebenfalls dafür genutzt, um aufzuzeigen, wie wenig der Protagonist in der Gegenwart angekommen ist.

Schwierig wird es jedoch ab dem Zeitpunkt, wenn die geheimen Tätigkeiten von Maria aufgeflogen sind. Nicht nur dass der eigentlich inakzeptable Übergriff gar nicht als solcher angesehen wird. Der Erfolg der Bearbeitung gibt ihr Recht, weswegen der spätere Verlauf, wenn sie als moralisch überlegen inszeniert wird – abgesehen von der rein profitorientierten Verlegerin –, kaum überzeugt. Die Chance, das Szenario als Satire auf den Ausverkauf anzulegen wird kaum genutzt. Auch die Frage nach Sinn und Zweck von künstlerischen Werken interessiert Regisseurin und Drehbuchautorin Analeine Cal y Mayor nicht. Stattdessen begnügt sie sich mit einer so langweiligen und konstruierten Romanze, obligatorischer Konflikt inklusive, dass Book of Love in der zweiten Hälfte deutlich abbaut. Aufgrund der unterhaltsamen ersten Szenen kann man hier zwar reinschauen. Aber es überwiegt dann doch in der Summe die Enttäuschung, dass nicht mehr daraus gemacht wurde.

Credits

OT: „Book of Love“
Land: Mexiko, UK
Jahr: 2022
Regie: Analeine Cal y Mayor
Drehbuch: Analeine Cal y Mayor, David Quantick
Musik: Ian Livingstone
Kamera: Gerardo Barroso
Besetzung: Sam Claflin, Verónica Echegui, Fernando Becerril, Ruy Gaytan, Horacio Villalobos, Horacio Garcia Rojas

Bilder

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Book of Love
Fazit
„Book of Love“ beginnt originell, wenn ein steifer britischer Autor feststellt, dass seine mexikanische Übersetzerin aus seinem ernsten Drama ein schlüpfriges Sexabenteuer gemacht hat. Nach einer unterhaltsamen ersten Hälfte, die auf starke Kontraste setzt, wird es jedoch deutlich langweiliger.
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