Der rosarote Panther The Pink Panther
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Der rosarote Panther

Inhalt / Kritik

Der rosarote Panther The Pink Panther
„Der rosarote Panther“ // Deutschland-Start: 19. Dezember 1963 (Kino) // 2. Oktober 2014 (DVD)

Wo auch immer Sir Charles Lytton (David Niven) auftaucht, liegen ihm die Frauen zu Füßen. So auch im Wintersport-Paradies Cortina d’Ampezzo, wo nur die Reichsten der Reichen verkehren. Dabei hat er derzeit nur Augen für eine Frau: Prinzessin Dala (Claudia Cardinale). Genauer ist es der wertvolle Diamant, der sich in ihrem Besitz befindet und der den Namen „rosaroter Panther“ trägt, auf den er es abgesehen hat. Schließlich ist Lytton das legendäre Phantom, das nur auf den exklusivsten Partys zuschlägt und es auf die größten Schätze abgesehen hat. Dabei ist ihm seine Partnerin Simone Clouseau (Capucine) eine große Stütze, nicht zuletzt weil sie mit dem ahnungslosen Inspektor Jacques Clouseau (Peter Sellers) verheiratet ist, der mit dem Schutz des Panthers beauftragt wurde. Während Lytton mit dem trotteligen Polizisten umzugehen weiß, taucht auf einmal ein anderes Hindernis auf: sein Neffe George (Robert Wagner), der ein ebenso großer Betrüger wie sein Onkel ist …

Auftakt einer etwas anderen Kultreihe

Der rosarote Panther gehört ohne Zweifel zu den großen Komödien der 1960er. Nicht nur dass der Film erfolgreich war und die Titelmelodie Jahrzehnte später noch immer großen Wiedererkennungswert hat. Er war zudem der Auftakt eines Franchises, das viele weitere Teile umfassen sollte, dazu Remakes und nicht zuletzt eine beliebte Zeichentrickserie, welche die Figur des Vorspanns zu einem eigenen TV-Helden machte. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich der erste Teil in mehrfacher Hinsicht von den folgenden Filmen unterschied. Tatsächlich dürften Zuschauer und Zuschauerinnen, die den Auftakt – aus welchen Gründen auch immer – erst nach den weiteren Werken sehen, von diesem ziemlich überrascht sein.

Zum einen fehlen hier einige Elemente, die man mit der Reihe verbindet. Es gibt in Der rosarote Panther weder den schlagkräftigen Gehilfen Cato noch den Chefinspektor Dreyfus, der regelmäßig an seinem unfähigen Untergebenen verzweifelt. Dafür tauchen eine Reihe anderer Figuren auf, die eine große Bedeutung in der Geschichte haben: Im Gegensatz zu den Fortsetzungen, die mehr oder weniger One Man Shows mit Peter Sellers waren, ist das hier ein richtiger Ensemblefilm. Tatsächlich ist Clouseau nicht einmal die Hauptfigur, sondern reiht sich in ein ganzes Kabinett ausdrucksstarker Charaktere ein, die alle irgendwie mit dem titelgebenden Diamanten zu tun haben. Eigentlich sind alle hinter dem Juwel her, nur der Polizist versucht das zu verhindern. Da tritt so ziemlich jeder gegen jeden an.

Wirrwarr der verschiedensten konkurrierenden Parteien

Das ist ein großer Spaß, weil die diversen Parteien sich gegenseitig die Pläne vermasseln, oft ohne das wirklich zu merken oder gar zu planen. Hinzu kommt, dass Simone gleich von drei Männern umschwärmt wird: von ihrem Mann Jacques, ihrem geheimen Partner Charles und dessen Neffen George. Wenn die Figuren gerade mal nicht damit beschäftigt sind, den Diamanten klauen oder verteidigen zu wollen, sind sie in irgendwelche chaotischen Liebessituationen involviert. Der rosarote Panther lebt maßgeblich von dem Wirrwarr, wenn eine Reihe von Leuten dasselbe will, gern auch mal zum selben Zeitpunkt. Legendär ist eine längere Szene, wenn Simone auf einmal die drei Männer in ihrem Schlafzimmer hat, diese sich aber nicht begegnen dürfen. Und natürlich das große Finale, wenn es darum geht, endlich das Juwel zu mopsen.

Anspruchsvoll ist der Humor dabei sicherlich nicht. Zwar ist der Film weniger stark vom Slapstick dominiert als die späteren Teile, die überwiegend auf den physischen Humor von Inspector Clouseau setzten. Durch das größere Ensemble gibt es hier mehr Abwechslung und stärkere Kontraste. Dennoch sollte man hier nicht mehr Feinsinn erwarten. Der rosarote Panther war von Anfang an recht schlicht angelegt. Regisseur und Co-Autor Blake Edwards (Frühstück bei Tiffany, Unternehmen Petticoat), der die meisten Teile der Reihe inszeniert hat, hat nicht vor, etwas Relevantes mit dem Film auszusagen. Das satirische Potenzial einer Krimikomödie innerhalb der High Society wird nicht genutzt. Selbst die politische Komponente, wenn die Prinzessin nach dem Coup in ihrem Land den Panther verstecken möchte, bleibt ohne Konsequenz. Es geht um Unterhaltung, mehr nicht.

Spielfreudig und nostalgisch

Diese stimmt dafür. Das spielfreudige Ensemble sorgt gleichzeitig für jede Menge Reibung und arbeitet doch harmonisch zusammen. Da die Einteilung der stark überzeichneten Figuren in Gut und Böse so nicht wirklich möglich ist, darf man sich zudem ganz gemütlich zurücklehnen und dabei zusehen, wie sich die Chaostruppe gegenseitig bekämpft und die unterschiedlichsten Allianzen entstehen. Zwischendurch zieht sich Der rosarote Panther ein wenig: 110 Minuten hätte es nicht unbedingt gebraucht, manche Szenen sind schon sehr lang geworden. Dafür gibt es tolle Bilder einer in sich abgeschlossenen Welt, voller Luxus und Glamour, in der ständig irgendwas zu Bruch geht. Das ist zum Teil sicher nicht mehr ganz zeitgemäß, der Film ist ein Relikt aus unschuldigeren Tagen. Das gibt ihm gleichzeitig aber auch eine nostalgische Note, die zusammen mit zahlreichen noch immer witzigen Szenen den Klassiker bis heute sehenswert machen.

Credits

OT: „The Pink Panther“
Land: USA
Jahr: 1963
Regie: Blake Edwards
Drehbuch: Maurice Richlin, Blake Edwards
Musik: Henry Mancini
Kamera: Philip Lathrop
Besetzung: David Niven, Peter Sellers, Robert Wagner, Capucine, Claudia Cardinale

Bilder

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„Der rosarote Panther“ war der erste und beste Film der langjährigen Komödienreihe. Im Gegensatz zu den späteren verlässt sie sich nicht allein auf den Slapstick von Peter Sellers, sondern lässt ein gut aufgelegtes Spitzenensemble gegeneinander antreten. Auch wenn das zum Teil nicht mehr zeitgemäß ist, es macht noch immer Spaß zuzusehen, wie verschiedene Parteien abwechselnd ein wertvolles Juwel und eine hübsche Frau jagen.
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