Inhalt / Kritik

Breakfast at Tiffany‘s Frühstück bei Tiffany

„Frühstück bei Tiffany“ // Deutschland-Start: 12. Januar 1962 (Kino)

Die Straßen Manhattans, die Modeboutiquen wie auch die Party sind das Revier von Holly Golightly (Audrey Hepburn), einer jungen Frau, die schon seit vielen Jahren ein exzessives Leben führt, bis in den Morgen feiert und erst am Nachmittag sich daran macht, den eigentlichen Tag zu beginnen. Eine Arbeit hat sie nicht, aber dafür hofft sie auf eine reichte Heirat, einen Gentleman, der sich ihrer annehmen kann, sodass sie für den Rest ihres Lebens ausgesorgt hat. Bis dahin aber lebt sie in ihrer karg eingerichteten Wohnung im Herzen der Stadt, wo eines Tages der talentierte, aber mittellose Autor Paul Varjak (George Peppard) einzieht. Dieser hat vor Jahren einen von der Kritik zwar gefeierten, aber vom Publikum größtenteils ignorierten Roman geschrieben und arbeitet seitdem an seinem Nachfolgewerk, wobei es ihm allerdings an Ideen mangelt. Ums sich finanziell über Wasser zu halten, bekommt er Geld von einer Freundin, einer reichen Geliebten, die ihn immer wieder besucht und sich Holly bei ihrem ersten Treffen als Pauls Ausstatterin vorstellt.

Vom ersten Moment an ist Paul fasziniert von seiner Nachbarin, aus deren Wohnung immer wieder Klänge von Partys kommen und die sich des Öfteren über die Feuertreppe in sein Apartment flüchtet, wenn einer ihrer Verehrer etwas zu viel getrunken hat. Je mehr Paul, der von Holly, weil ihr der Name so gut gefällt, „Fred“ genannt wird, über sie erfährt, desto mehr wird er neugierig und will über ihre Lebensgeschichte etwas erfahren. Während er auch ihrem Charme zu verfallen droht, merkt er, welche teils tragischen Hintergründe sich hinter der fröhlichen Fassade verbergen, besonders als er Besuch erhält von einem alten Liebhaber Hollys.

Die Sicherheit Tiffanys

Sowohl für Audrey Hepburn wie auch Regisseur Blake Edwards ist die Verfilmung der Romanvorlage Truman Capotes ein bedeutender Eintrag in ihrer Karriere, der bis heute noch Zuschauer fasziniert und begeistert. Jedoch war der Weg bis dahin nicht leicht, denn zunächst war Marilyn Monroe für die Rolle der Holly Golithly vorgesehen und John Frankenheimer für die Regie. Auch wenn dies mit Sicherheit ein ebenso interessantes Werk ergeben hätte, bleibt Frühstück bei Tiffany eine vielschichtige Geschichte über die Fassade der High Society und des Geldes sowie über die eigentliche Leere eines vermeintlich sicheren Lebensstils.

Alleine die ersten Minuten, welche Holly nach einer Nacht voller Partys bei ihrem Frühstück – einem Kaffee und einem Croissant – vor dem Fenster des berühmten Juweliers in Manhattan zeigen, verweisen auf den Kern dieser Geschichte. Der Luxus, symbolisiert durch das geschmackvolle Kleid Hollys und die Auslage des Juweliers, können nicht über die Einsamkeit hinwegtäuschen, die diesem Bilde innewohnt, welche durch Henry Mancinis Filmmusik noch unterstrichen wird. Neben der Fröhlichkeit und Lebensfreude, die Holly ausstrahlt, kommt in der Inszenierung wie auch dem Schauspiel Hepburns jene Leere zum Tragen, welche in diesem Leben herrscht, zusammen mit einer Sehnsucht nach Erfüllung, die sie sich durch materielle Sicherheit erhofft. Hepburn schafft es in jeder Szene die Balance zu halten zwischen der Leichtigkeit und der Komödie, wie auch der Tragik ihrer Figur, welcher Paul langsam aber sicher auf die Spur kommt.

Von Katzen und Ratten

Durch den von George Peppard gespielten Paul bekommt man als Zuschauer Einblick in die Welt Hollys und damit auch der High Society. Bereits die erste Party im Apartment seiner Nachbarin, die bereits auf das Level an Eskalation, was Edwards später in Der Partyschreck zeigen wird, verweist, zeigt sich diese Fassade aus Freundlichkeit und Höflichkeit, bei der man schon nach wenigen Minuten vergessen hat, mit wem man eigentlich gerade gesprochen hat. Abermals erweist sich Holly als eine Meisterin dieses Reviers, lässt sie sich doch nicht an jemanden binden. Wie ihre namenlose Katze ist sie nirgendwo und doch zugleich überall zu Hause.

Was bei Truman Capote in scharfer, teils bitterer Kritik endet, ist in Edwards’ Inszenierung sehr viel humorvoller, aber nicht weniger giftig. Niemand kennt eigentlich den Anderen wirklich und kommt man sich aneinander zu nahe, ergreift man die Flucht oder flüchtet sich in das Bild der Ratte, mit der Holly eben jene Liebhaber etikettiert, die ihr nur etwas vormachten oder mit ihren Hoffnungen spielten. Dies ist ebenfalls Teil des tragischen Untertons bei Frühstück bei Tiffany, denn echte Gefühle sind in einer Welt der Oberfläche fehl am Platz und führen zwangsläufig dazu, dass man sich verbrennt.

Credits

OT: „Breakfast at Tiffany’s“
Land: USA
Jahr: 1961
Regie: Blake Edwards
Drehbuch: George Axelrod
Vorlage: Truman Capote
Musik: Henry Mancini
Kamera: Franz F. Planer
Besetzung: Audrey Hepburn, George Peppard, Patricia Neal, Buddy Ebsen, Martin Balsam, Mickey Rooney, Jose Luis de Villalonga

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1962 Beste Hauptdarstellerin Audrey Hepburn Nominierung
Bestes adaptiertes Drehbuch George Axelrod Nominierung
Beste Musik Henry Mancini Sieg
Bestes Lied Henry Mancini, Johnny Mercer Sieg
Bestes Szenenbild Hal Pereira, Roland Anderson, Sam Comer, Ray Moyer Nominierung
Golden Globes 1962 Bester Film (Komödie) Nominierung
Beste Hauptdarstellerin (Komödie oder Musical) Audrey Hepburn Nominierung

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Frühstück bei Tiffany
"Frühstück bei Tiffany" ist romantische Komödie und gleichzeitig ein Gesellschaftsporträt. Wenn auch nicht ganz so scharfzüngig wie die Vorlage, ist Blake Edwards Film ein cleveres, toll gespieltes Bild einer Gesellschaft, in der die Oberfläche regiert und echte Gefühle Mangelware sind.
8von 10

Über den Autor

Freier Autor

Hinterlasse eine Antwort