Notre Dame – Die liebe ist eine Baustelle
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Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle

Inhalt / Kritik

Notre Dame Die Liebe ist eine Baustelle
„Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle“ // Deutschland-Start: 9. Dezember 2021 (Kino) // 27. Mai 2022 (DVD)

Im Leben von Maud (Valérie Donzelli) geht es mal wieder drunter und drüber. Das liegt zum einen an Martial (Thomas Scimeca), dem Vater ihrer beiden Kinder, von dem sie sich eigentlich längst getrennt hat, der aber dennoch immer wieder bei ihr auftaucht und irgendwie mit ihr im Bett landet. Ebenso verwirrend ist, dass die Architektin den Wettbewerb um die Neugestaltung des Platzes vor der Kathedrale Notre Dame gewonnen hat, ohne an diesem überhaupt teilgenommen zu haben. Als sie dann im Büro der Bürgermeisterin (Isabelle Candelier) auftaucht, trifft sie ausgerechnet ihre Jugendliebe Bacchus (Pierre Deladonchamps) wieder, der inzwischen als Journalist arbeitet. Und als wäre das alles nicht schon chaotisch genug, stellt sie fest, dass sie wieder schwanger ist. Das hat ihr gerade noch gefehlt …

Liebeserklärung an eine Stadt

Als im Frühjahr 2019 die Kathedrale Notre Dame brannte, weinte halb Frankreich, zitterte um das unersetzbare Wahrzeichen, das für immer zu verschwinden drohte. Da war es schon ein unglaublicher Zufall, dass kurze Zeit später der natürlich schon zuvor gedrehte Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle herauskam, das nicht nur von einer zwischenmenschlichen Liebe erzählte, sondern selbst eine Liebeserklärung an Paris und die Menschen dort war. Genauer feierte die Komödie im Sommer 2019 beim Locarno Film Festival Premiere und sollte im Anschluss auch bei uns in den Kinos laufen. Doch der Start musste wegen einer anderen Katastrophe – der Corona-Pandemie – mehrfach verschoben werden, bis man schon fast gar nicht mehr damit rechnete.

Nun startet der Film doch noch, in einem denkbar undankbaren Umfeld. Doch als Zuschauer bzw. Zuschauerin darf man über dieses kleine Wunder durchaus dankbar sein. Denn auch wenn Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle irgendwie aus der Zeit gefallen scheint und erkennbar im Leben vor der Pandemie verwurzelt ist, so ist die Komödie ein passender Begleiter für die Gegenwart. Schließlich erzählt der Film von riesigen Schwierigkeiten, welche sich unserer Protagonistin in den Weg stellen, beruflicher und privater Natur. Schwierigkeiten, die sie meistert, nicht weil sie eine so unglaublich kompetente Person ist. Eigentlich scheint Maud so gar nichts auf die Reihe zu bekommen. Dass sie es dennoch schafft, ist für sie schön, aber auch fürs Publikum, das mit der Chaotin Trost findet und daran glauben darf, dass alles wieder gut wird, auch wenn man nicht genau weiß warum.

Zwischen heiter und spöttisch

Außerdem setzt Regisseurin, Co-Autorin und Hauptdarstellerin Valérie Donzelli auf einen sehr heiteren Ton. Bei ihr scheint selbst in den finstersten Momenten immer noch die Sonne zu scheinen. Wenn irgendwann die einheimische Bevölkerung gegen den geplanten Bau protestiert, dann hat das nichts von der aufgebauschten Feindseligkeit, wie sie in Eiffel in Love den Bau des Eiffelturms begleiten. Stattdessen entdeckt die Französin darin sogar Komik. Letztere kann in ihrem Film die unterschiedlichsten Formen annehmen, mal etwas albern sein, dann wieder bissiger. Vereinzelt geht Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle sogar als Satire durch, wenn Donzelli beispielsweise die Politik aufs Korn nimmt. Die Justiz wird sogar ganz zur Farce.

Dabei zeigt die Filmemacherin wie auch bei ihrer aktuellen Serie Nona und ihre Töchter ein Faible fürs Fantastische. Schon die Art und Weise, wie ihr Modell bei der Bürgermeisterin landet und dort auf Anklang stößt, ist ein schönes Beispiel für einen magischen Realismus. Später wird Donzelli andere Wege finden, die Wirklichkeit auf eine ganz eigene Weise zu präsentieren, und zeigt dabei eine Vorliebe fürs Skurrile, fürs Verspielte und Verträumte. Dass der Film inhaltlich ein Leichtgewicht ist, fällt daher nicht übermäßig ins Gewicht. Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle ist eine dieser französischen Komödien, die sich ganz selbstbewusst auf den eigenen Charme verlassen. So etwas kann dann schnell mal ein bisschen zu lieblich-belanglos werden. Hier aber gelingt es: Die Geschichte um Liebe und einen Vorplatz ist bestens dazu geeignet, einem ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, wenn drumherum mal wieder nur Tristesse herrscht.

Credits

OT: „Notre Dame“
Land: Frankreich
Jahr: 2019
Regie: Valérie Donzelli
Drehbuch: Valérie Donzelli, Benjamin Charbit
Musik: Philippe Jakko
Kamera: Lazare Pedron
Besetzung: Valérie Donzelli, Pierre Deladonchamps, Bouli Lanners, Thomas Scimeca, Virginie Ledoyen, Samir Guesmi

Bilder

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Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle
Fazit
„Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle“ folgt einer Architektin, die sowohl privat wie auch beruflich ins Chaos stolpert. Das Ergebnis mag ein inhaltliches Leichtgewicht sein, verzaubert aber durch viel Charme, einen verspielt-heiteren Ton und eine fantasievolle Inszenierung, welche über die Grenze zum magischen Realismus hinwegtanzt.
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