Inhalt / Kritik

„Eiffel in Love“ // Deutschland-Start: 18. November 2021 (Kino)

Seit seinem Triumph mit der Freiheitsstatue, die er in New York City errichten ließ, ist der französische Ingenieur Gustave Eiffel (Romain Duris) weltweit bekannt. Sein nächstes Projekt soll nun auch seinem Heimatland zu neuem Glanz verhelfen, rechtzeitig zur Pariser Weltausstellung 1889. Nach einigem hin und her beschließt er, einen ganz besonderen Turm zu bauen, 300 Meter hoch, der größte seiner Art auf der ganzen Welt soll es werden. Doch so richtig schafft er es nicht, sich hierauf zu konzentrieren. Zu sehr ist er davon abgelenkt, seiner großen Liebe Adrienne Bourgès (Emma Mackey) wiederbegegnet zu sein, die er zwanzig Jahre zuvor unbedingt hatte heiraten wollen. Stattdessen trennten sich ihre Wege. Vom späten Glück jedoch keine Spur, ist sie inzwischen doch mit Antoine de Restac (Pierre Deladonchamps) verheiratet …

Die üblichen Paris-Themen

Auch wenn Paris natürlich unfassbar viel zu bieten hat: Wenn man die Leute fragt, was sie mit der Stadt verbinden, dürfte bei vielen ganz oben die Liebe und der Eiffelturm stehen, das Wahrzeichen der Stadt. Insofern ist es geradezu ein Wunder, dass bislang noch niemand auf die Idee gekommen ist, eine Liebesgeschichte zu erzählen, die sich um den Bau eben dieses Wahrzeichens dreht. Aber dafür gibt es jetzt ja Eiffel in Love. Denn der Film möchte beides sein: eine Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte des bis heute von Touristen umschwärmten Gebildes und eine große Romanze mit ganz großen Gefühlen. Dass die beiden Elemente streng genommen so nie stattgefunden haben, kümmert bei dem Drama jedoch niemanden. Hier wollte man lieber ein bisschen träumen und schwelgen.

Zu diesem Zweck wechselt Regisseur Martin Bourboulon (Mama gegen Papa) immer wieder zwischen den beiden Erzählebenen hin und her. Während der Hauptstrang sich um den Bau des Eiffelturms dreht, wird dieser immer wieder von Flashbacks unterbrochen. In diesen darf das Publikum erfahren, wie sich die beiden Turteltauben damals eigentlich kennengelernt haben. Und natürlich auch, warum aus dem Ganzen nichts wurde. Wie so oft ist das bei Eiffel in Love mal wieder die Schuld der Familie, speziell der Eltern von Adrienne. Denn für die war das absolut ausgeschlossen, dass ein einfacher Ingenieur das Töchterchen bekommt. Mit persönlicher Antipathie hat das nichts zu tun. Die Familie schätzt sogar dessen Arbeit, ist selbst auf diese angewiesen. Aber nur weil jemand nett und kompetent ist und beide sich lieben, heißt das nicht, dass er auch der „Richtige“ ist. Da braucht es dann doch andere Qualitäten.

Irgendwie lieblos

Im Grunde ist Eiffel in Love deshalb nur eine weitere dieser Liebesgeschichten, in denen zwei eindeutig füreinander bestimmte Menschen voneinander ferngehalten werden sollen. Nur: Warum sie füreinander bestimmt sein sollen und was genau sie aneinander finden, das wird nie so wirklich klar. Der Film gönnt sich nur ein paar Minuten, um die Entwicklung dieser Beziehung aufzuzeigen. Das geschieht hier mehr per Knopfdruck, als dass sich da auf organische Weise etwas tun würde. Dass die Dialoge der beiden zum Teil sehr ungelenk sind, trägt ebenfalls nicht unbedingt dazu bei, dass man hier den Drang verspürt, groß mitfühlen zu müssen. Da entsteht nie so wirklich die notwendige Chemie zwischen den zwei Figuren. Das Ziel des Films, hier ein mitreißendes Paar zu porträtieren und mit einer tragischen Geschichte zu Tränen zu rühren, das wird nicht erreicht.

Ein wenig besser sieht es bei dem zweiten Handlungsstrang aus, der von den Plänen des Eiffelturms erzählt. Das geht zwar nicht so wahnsinnig in die Tiefe, schließlich richtet sich der Film an ein Publikum, dem Gefälligkeit wichtiger ist als historische Genauigkeit. Aber der Bau ist mit so viel Aufwand verbunden, sowohl im Bezug auf die realen Ereignisse wie auch deren Darstellung in Eiffel in Love, dass es hier schon einiges zu sehen gibt. Außerdem macht es natürlich immer Spaß, wenn sich jemand an einer unmöglichen Aufgabe versucht und es allen Skeptikern zeigt. Das Wahrzeichen in Paris, es wird hier zu einem Wunder, das gleichzeitig das Ergebnis von harter Arbeit und persönlichem Einsatz ist. Ein Lebenswerk, welches aus einer Mischung von Idealismus und Trotz entstanden ist.

Zu hastig runtererzählt

Leider hat das Drama aber auch an der Stelle den Makel, der bereits den Liebespart etwas verleidet hat: mangelnde Entwicklung. So kommen die vielen Wendepunkt oft aus dem Nichts. Sie verschwinden aber auch ebenso schnell wieder. Dass zum Beispiel der Streik der Arbeiter mit einer nicht mal übermäßig inspirierten Rede auf einmal gelöst wird, das ist schon ziemlich dreiste Arbeitsverweigerung beim Drehbuchschreiben. Der Umschwung der öffentlichen Meinung ist ebenfalls kaum nachzuvollziehen, das wird dem Publikum einfach vorgesetzt. Insgesamt kommt Eiffel in Love deshalb nicht übers Mittelmaß hinaus. Die eigentlich vielversprechende Geschichte dieses so ungewöhnlichen Bauwerks ist hier trotz prominenter Besetzung und schöner Bilder nur wenig spannend. Da wird einfach an den falschen Stellen gespart und damit am Ende zu viel verschenkt.

Credits

OT: „Eiffel“
Land: Frankreich, Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Martin Bourboulon
Drehbuch: Caroline Bongrand
Musik: Alexandre Desplat
Kamera: Matias Boucard
Besetzung: Romain Duris, Emma Mackey, Pierre Deladonchamps, Alexandre Steiger, Armande Boulanger

Bilder

Trailer

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Eiffel in Love
„Eiffel in Love“ kombiniert die Entstehungsgeschichte des Pariser Wahrzeichens mit einer Liebe, die nicht hat sein dürfen. Das hört sich spannend an, ist es aber nicht wirklich. Das größte Problem ist, dass der Film durch die zweigeteilte Geschichte nie den Raum erhält, um etwas wirklich zu entwickeln. Stattdessen gibt es kaum nachzuvollziehende Sprünge, bei denen zu viel auf der Strecke bleibt.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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