A River Runs Through It Aus der Mitte entspringt ein Fluss
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Aus der Mitte entspringt ein Fluss

Inhalt / Kritik

A River Runs Through It Aus der Mitte entspringt ein Fluss
„Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ // Deutschland-Start: 6. Mai 1993 (Kino) // 3. Dezember 2021 (DVD/Blu-ray)

Die kleine Gemeinde Missoula, Montana ist umgeben von prächtiger Natur, wirkt abgeschirmt vom Rest der Welt und ist geprägt von der Forstwirtschaft und dem Glauben. Aufgrund dessen genießt die Familie Maclean einen hohen Ruf in der Stadt, ist doch Familienpatriarch John Maclean (Tom Skerritt) Pfarrer der presbyterianischen Kirche und damit ein angesehener Mann. Um sich neben der Arbeit einen Ausgleich zu schaffen, ist John leidenschaftlicher Fliegenfischer, eine Passion, die er auch an seine beiden Söhne, Norman (Craig Sheffer) und Paul (Brad Pitt) weitergibt. Trotz der Unterschiedlichkeit der Brüder – Norman ist introvertiert und liebt die Literatur, während Paul ein Abenteurer und neugierig ist – sind die beiden unzertrennlich und streiten sich kaum, wobei ihre Lebenswege doch nicht unterschiedlicher sein können. Als Norman nach sechs Jahren auf der Universität nach Missoula zurückkehrt, sieht er die Gemeinde mit ganz anderen Augen und muss sich entscheiden, was er nun mit seinem Abschluss anfangen will. Im Gegensatz zu seinem Vater konfrontiert Paul seinen Bruder nicht mit Fragen nach seinen Zukunftsplänen, sondern nimmt ihn mit auf verschiedene Feste und Anlässe in der Gemeinde, was dazu führt, dass Norman schließlich Jessie Burns (Emily Lloyd) kennenlernt und sich in sie verliebt.

Die Schönheit der Sprache

Schon Jahre bevor er mit Eine ganz normale Familie sein Regiedebüt hingelegte, hatte Robert Redford sich für eine Verfilmung von Norman Macleans autobiografischer Erzählung Aus der Mitte entspringt ein Fluss interessiert, doch es dauerte eine Weile und brauchte viele Gespräche, bis der Autor, der zunächst alle Angebote aus Hollywood abgelehnt hatte, bereit war, eine Verfilmung seines Romans zu akzeptieren. Die besondere Herausforderung des Stoffes lag vor allem darin, dass Maclean sich über die Schilderung der Natur und der Figuren ausdrückt und weniger über konkrete Ereignisse. Jedoch ließ sich Redford davon nicht beeindrucken, war es doch unter anderem die Schönheit der Sprache, die ihn für den Roman gewonnen hatte.

In der Tat ist Aus der Mitte entspringt ein Fluss in vielfacher Hinsicht eine typische Literaturverfilmung. Nicht nur treu in Bezug auf die Worte, die Maclean in seiner Vorlage benutzt, sondern auch was die Bilder angeht, versteht sich Redfords Film gerade in dieser Hinsicht fast schon als eine Erweiterung. Die prächtigen Landschaften des Nordwestens, die Wälder und Flüsse, sind zugleich Kulisse für dieses Drama um zwei ungleiche Brüder, aber zugleich auch Spiegel einer Gesellschaft, die ihre Mitte in der Gemeinschaft und dem Glauben suchte. Gleichzeitig spricht aus den Bildern von Philippe Rousselot, der für seine Arbeit in Aus der Mitte entspringt ein Fluss mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, jene Gewissheit um die Flüchtigkeit des Moments, der Vergänglichkeit des Lebens und eben dieser Zeit, von der Roman und Film berichten und die unwiederbringlich ist.

Eine Balance finden

Weniger das Drama an sich, sondern jenes Lebensphilosophie des Vaters steht bei der Geschichte im Vordergrund. Während Brad Pitt den jungen, abenteuerlustigen Paul spielt, der bald schon seine ganz individuelle Strategie für das Fliegenfischen entwickelt, bildet Craig Sheffers Norman den bildungsbürgerlichen, etwas biederen Bruder ab, der eher in sich gekehrt ist und lange braucht, bevor er sich zu einem entscheidenden Schritt in seinem Leben durchringt. Der Kontrast wird geeint durch die Philosophie der Balance oder des Einklangs, was der Vater vorlebt und an seine beide Söhne zu vermitteln sucht. Das ist durchaus kein spiritueller Unfug oder eine cineastischer Kalenderspruch, sondern vielmehr entspricht es einer Form des (filmischen) Erzählens, die heutzutage nicht mehr vorkommt.

Neben dem Ensemble und den Bildern ist es auch die Filmmusik Mark Ishams, welche einen wichtigen Aspekt der Geschichte darstellt, Themen wie Einklang, Konflikt und Gemeinschaft betont und zugleich die Pracht der Landschaft zelebriert.

Credits

OT: „A River Runs Through It“
Land: USA
Jahr: 1992
Regie: Robert Redford
Drehbuch: Richard Friedenberg
Musik: Mark Isham
Kamera: Philippe Rousselot
Darsteller: Craig Sheffer, Brad Pitt, Tom Skerritt, Brenda Blethyn, Emily Lloyd

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1993 Bestes adaptiertes Drehbuch Richard Friedenberg Nominierung
Beste Musik Mark Isham Nominierung
Beste Kamera Philippe Rousselot Sieg
Golden Globes 1993 Beste Regie Robert Redford Nominierung

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"Aus der Mitte entspringt ein Fluss" ist ein stilles, toll fotografiertes Familiendrama. Robert Redford beweist in seinem dritten Film sein Gespür für Schauspieler sowie sein Vertrauen in die Bilder einer Geschichte, welche Kraft diese haben und wie sie ohne viele Worte erzählen können.
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