Inhalt / Kritik

Respect

„Respect“ // Deutschland-Start: 25. November 2021 (Kino)

Angeleitet von ihrer Mutter zeigt die 10-jährige Aretha (Skye Dakota Turner) früh großes musikalisches Talent. Doch als die Mutter plötzlich verstirbt, zieht sich das Mädchen vollkommen in sich zurück und hört sogar auf zu sprechen. Ihr Vater (Forest Whitaker), Prediger in einer Baptisten-Gemeinde, zwingt sie schließlich, in der Kirche zu singen. Jahre später lernt Aretha (nun gespielt von Jennifer Hudson) den Manager und Musikproduzenten Ted White (Marlon Wayans) kennen. Ihr Vater will jedoch die Kontrolle über seine Tochter zu behalten, versucht Ted von ihr fernzuhalten und arrangiert später ein Treffen mit dem Plattenproduzenten John Hammond. Dieser bietet Aretha einen Vertrag an, doch auch nach der Veröffentlichung mehrerer Alben bleiben die Hits aus. Frustriert erkennt Aretha, dass nicht weiter versuchen sollte, dem Bild zu entsprechen, das andere Personen von ihr haben. Sie nimmt erneut Kontakt zu Ted auf, mit dem sie fortan sowohl eine berufliche als auch romantische Beziehung führt. In Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Produzenten Jerry Wexler gelingen Aretha endlich erste Charterfolge wie „I Never Loved A Man (The Way I Love You)“ oder ihre eigene Version von Otis Reddings „Respect“. Doch natürlich hält das Leben auch weiterhin nicht nur Erfolgserlebnisse für sie bereit…

Vermächtnis der Queen of Soul

Sie war die „Queen of Soul“: Der 1942 geborenen Aretha Franklin gelang nach mehreren erfolglosen Albumveröffentlichungen schließlich doch noch der große Durchbruch im Musikgeschäft und sie wurde zu einer der einflussreichsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Vor ihrem Tod 2018 war sie noch selbst in die Vorproduktion der Verfilmung ihrer Lebensgeschichte involviert und wählte Jennifer Hudson (Dreamgirls, Cats) persönlich für die Hauptrolle aus.

Eigentlich gibt es nicht viel auszusetzen an Respect, dem ersten Film der bisher vor allem am Theater tätigen Regisseurin Liesl Tommy. Doch genau das ist auch ein Problem. Denn selbst wenn man vor dem Kinobesuch kaum etwas über Aretha Franklin weiß, schafft es der Film dennoch nicht, einen irgendwie zu überraschen. Viel zu erwartbar und formelhaft kommt er daher und richtig begeistern dürfte er nur hartgesottene Fans der Queen of Soul oder vielleicht diejenigen, die noch nie ein Hollywood-Biopic gesehen haben. Denn an die Regeln dieses Genres hält sich der Film geradezu sklavisch. Er beginnt wie erwähnt mit einem Prolog in der Kindheit der Hauptfigur, hangelt sich dann weiter zu den ersten Versuchen, künstlerische Unabhängigkeit zu erlangen und finanzielle Erfolge zu erzielen, bis Aretha schließlich der Durchbruch gelingt. Auf dem Weg dahin macht die Geschichte Station bei sexuellem Missbrauch, Depressionen, Rassismus und ehelicher Gewalt; später kommt auch noch Alkoholismus dazu. Nichts davon ist an sich banal oder überflüssig, doch die hier präsentierte Version der Geschichte wirkt, als habe man Aretha Franklins Leben in eine Biopic-Standardvorlage gepresst, die keinen Raum für Ecken und Kanten lässt.

Eine Ausnahmepersönlichkeit im Schablonenformat

Der klassischen Dramaturgie des Biografiefilms müssen also diese Höhen und Tiefen in wohldosierten Abständen aufeinander folgen, während zwischendurch immer wieder durchs Bild fliegende Zeitschriften- und Plattencover in Kombination mit Jahreszahlen eingeblendet werden, um dem Zuschauer die Orientierung darüber zu erleichtern, in welcher Phase von Arethas Leben man sich gerade befindet. Jennifer Hudson hängt sich sichtlich in ihre Rolle rein, was ihr stimmlich noch etwas besser gelingt als schauspielerisch. Forest Whitaker strahlt als ihr Vater genau die richtige Mischung aus Autorität, Bedrohung und Wärme aus. Kostüme und Sets versetzen den Zuschauer von Beginn an erfolgreich in die fünfziger und sechziger Jahre. Aber die Inszenierung an sich bleibt eben weitestgehend trocken und uninspiriert. Oftmals ist es in erster Linie die mitreißende Musik, die den Film vor der Belanglosigkeit bewahrt.

Das alles reicht, um sich unterhalten zu fühlen, am Ende wünscht man sich aber, die Filmemacher hätten hier einen interessanteren Ansatz gewählt als das altbekannte Schema, nach dem Biografien realer Persönlichkeiten im Kino so oft erzählt werden. Dass es auch anders geht, haben zum Beispiel Filme wie Steve Jobs, Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit oder Rocketman bewiesen, die alle auf ihre eigene Weise aus diesem Schema ausgebrochen sind. Natürlich lässt einen die Musik in Respect immer wieder mit dem Fuß wippen und einige der nachgestellten Auftritte und Studioaufnahmen von Jennifer Hudson als Aretha Franklin sind wirklich schön anzuschauen. Wirklich Gänsehaut erzeugt der Film beim Zuschauer aber leider nur ein einziges Mal: Als während des Abspanns ein Auftritt der gealterten, echten Aretha Franklin gezeigt wird.

Credits

OT: „Respect“
Land: Kanada, USA
Jahr: 2021
Regie: Liesl Tommy
Drehbuch: Tracey Scott Wilson
Musik: Kris Bowers
Kamera: Kramer Morgenthau
Besetzung: Jennifer Hudson, Forest Whitaker, Marlon Wayans, Tituss Burgess, Audra McDonald

Trailer

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Respect
Da wäre mehr drin gewesen: Die bewegte Lebensgeschichte der „Queen of Soul“ Aretha Franklin wird hier leider in ein 08/15-Schema für Hollywood-Biopics gepresst. Daran ist nichts wirklich schlecht, so richtig begeistern kann der Film mit dieser Formelhaftigkeit aber leider nicht.
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