Guilt Keiner ist schuldig
© BBC/Expectation/Happy Tramp North/Mark Mainz

Guilt – Keiner ist schuld

Inhalt / Kritik

Guilt Keiner ist schuldig
„Guilt – Keiner ist schuld“ // Deutschland-Start: 2. September 2021 (Arte)

Der Schock ist groß bei den Brüdern Max (Mark Bonnar) und Jake (Jamie Sives), als sie auf dem Rückweg von einer Hochzeit einen Rentner direkt vor dessen Haustür anfahren und dieser daraufhin verstirbt. Der als Anwalt arbeitende Max fackelt dabei nicht lange und überzeugt den jüngeren Jake, der am Steuer saß, besser nicht zur Polizei zu gehen. Stattdessen schleppen die beiden die Leiche ins Haus und platzieren ihn so in dem Fernsehsessel, dass es danach aussieht, als sei er friedlich – und ohne äußere Einwirkung – gestorben. Dieser Plan scheint zunächst aufzugehen, denn wer sollte bei dem schwerkranken alten Mann schon auf die Idee kommen, dass mehr an der Geschichte dran ist? Doch dann fängt dieser Plan an, immer mehr schief zu gehen. Denn nicht nur der Todesfall ist anders, als es nach außen hin erscheint …

Wer ist hier noch mal schuld?

Eigentlich ist der Fall klar: Jemanden totzufahren und anschließend die eigene Tat vertuschen zu wollen, das ist richtig abscheulich. Zwei solchen Leuten eine ganze Serie lang zu folgen, klingt deshalb erst einmal wenig einladend. Denn das würde ja bedeuten, dass man ständig die Gegenseite anfeuern muss. Ganz so eindeutig ist es bei Guilt – Keiner ist schuld dann aber doch nicht. Denn auch wenn der deutsche Titel etwas anderes behauptet, findet sich hier kaum jemand, der nicht irgendeine Schuld trägt. Je mehr wir über die Figuren erfahren, umso mehr Abgründe lassen sich hinter den Fassaden entdecken. Schon bald ist man deshalb mit der Frage heillos überfordert, wer denn nun noch wirklich die Gegenseite ist. Für wen soll man denn bitteschön sein, wenn alle schuldig sind?

Daraus ließe sich natürlich ein düsteres und schweres Drama machen mit viel Introspektion und existenziellen Fragen. Stattdessen steht bei der schottischen Produktion eindeutig der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund. Eine treibende Motivationsquelle, bei Guilt – Keiner ist schuld am Ball zu bleiben, ist natürlich: Werden die beiden damit durchkommen? Wenn in Filmen jemand ein Lügenkonstrukt aufbaut, ist es schließlich nur eine Frage der Zeit, bis das Ganze krachend in sich zusammenfällt. Zumal die Brüder es nicht bei der anfänglichen Version belassen. Aufgrund mehrerer unglücklicher Vorfälle sind sie vielmehr gezwungen, ständig an diesem Konstrukt herumzuwerkeln, wodurch es von Minute zu Minute wackliger wird und man als Zuschauer bzw. Zuschauerin nur darauf wartet, dass es einmal zu viel wird.

Aus Spaß am überzogenen Chaos

Hinzu kommt, dass es eben mehr als nur das eine Lügenkonstrukt gibt. Man muss in Guilt – Keiner ist schuld schon ein bisschen suchen, um überhaupt eine Person zu finden, die ehrlich ist und ohne Hintergedanken agiert. Das ist in dieser geballten Form natürlich übertrieben. Soll es aber auch sein: Die auf Arte ausgestrahlte Serie lässt ganz genüsslich die Ereignisse eskalieren. Von Anfang an spart die BBC-Produktion nicht mit absurden Einfällen und Verwicklungen. Und es werden mit der Zeit immer mehr, das Chaos wird irgendwann so groß, dass es dem Publikum schon mal ein wenig schwindlig werden kann. Obwohl die Zahl der Figuren an und für sich überschaubar ist, kommt es zu einem ziemlichen Gewusel, in dem jeder mit jedem irgendwie zu tun hat, und sei es über Umwege.

Im Zentrum steht dabei natürlich schon das von Mark Bonnar (Nachdem ich ihm begegnet bin) und Jamie Sives (Intrigo: In Liebe, Agnes) gespielte Brüderpaar, das so unterschiedlich ist, dass es zwangsläufig zu Reibungen kommt. Aber eigentlich macht es bei allen Spaß zuzusehen, auch weil sich das Ensemble kopfüber in den Wahnsinn stürzt und die eine oder andere Karikatur mitmacht. Das ist dann oft auch mit Humor verbunden, der eine typisch britische schwarze Färbung aufweist. Wer diesen mag, sollte der vier Folgen umfassenden und in sich abgeschlossenen Geschichte daher eine Chance geben. Fans tatsächlich düsterer Thriller kommen hingegen nur bedingt auf ihre Kosten, selbst wenn die Serie manchmal als ein solcher verkauft wird. Dafür werden die ernsten Themen einfach zu verdreht und überzogen, als dass sie noch als solche durchgehen würden. Aber das muss ja nicht verkehrt sein, wenn am Ende wie bei Guilt – Keiner ist schuld dafür der Spaßfaktor stimmt.

Credits

OT: „Guilt“
Land: UK
Jahr: 2019
Regie: Robert McKillop, Patrick Harkins
Drehbuch: Neil Forsyth
Musik: Arthur Sharpe
Kamera: Nanu Segal
Besetzung: Mark Bonnar, Jamie Sives, Ruth Bradley, Siân Brooke, Emun Elliott, Ellie Haddington, Joe Donnelly, Bill Paterson, Moyo Akandé

Bilder

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„Guilt – Keiner ist schuld“ beginnt mit zwei Brüdern, die einen Unfalltod vertuschen wollen, und endet in einem absoluten Chaos voller Geheimnisse, Intrigen und Abgründe. Das macht Spaß, zumindest einem Publikum, das sich auf den schwarzen Humor und die Absurditäten einlassen kann, selbst wenn das die Thriller-Elemente schmälert.
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