„Apple Tree Yard“, UK, 2017
Regie: Jessica Hobbs; Drehbuch: Amanda Coe; Vorlage: Louise Doughty; Musik: Halfdan E
Darsteller: Emily Watson, Ben Chaplin, Mark Bonnar, Steven Elder

Nachdem ich ihm begegnet binEs ist ein gutes Leben, das Yvonne Carmichael (Emily Watson) da führt. Sie ist als Wissenschaftlerin in dem Bereich Genetik renommiert, ist seit Ewigkeiten mit Gary (Mark Bonnar) verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder. Nur aufregend, das ist ihr Leben kaum. Als sie eines Tages einem charmanten Fremden (Ben Chaplin) begegnet, kommt dann auch eines zum anderen. Aus einem harmlosen Flirt wird ein One-Night-Stand, der sich zu einer anonymen Affäre vertieft. Dass sie beide verheiratet sind, stört sie nicht weiter, die zwei genießen das Prickeln des Verbotenen. Bis eines Tages etwas Schlimmes passiert, das nicht nur das Leben der beiden für immer verändern wird.

Ein Thriller, der damit beginnt, dass die Protagonistin eine Affäre mit einem charmanten, aber undurchsichtigen Fremden begegnet – da weiß man doch, was passieren wird. Oder denkt es zu wissen. Nachdem ich ihm begegnet bin entwickelt sich anschließend jedoch in eine andere, unerwartete Richtung weiter. Wo es bei der Konkurrenz meist darauf hinausläuft, dass der Ehebrecher – oder hier eben die Ehebrecherin – es mit einem psychopathischen Stalker zu tun bekommt, da hat die Adaption von Louise Doughtys gleichnamigen Roman etwas anderes vor.

Die Spannung vor dem Knall
Ganz ohne Psychosen und Stalking kommt auch die BBC-Serie nicht aus. Ebenso wenig ohne seelische Abgründe. Nachdem ich ihm begegnet bin lässt jedoch lange offen, wo diese liegen bzw. kommt in einem überraschenden Moment damit an. Ein sehr schockierender Moment sogar, der alles verändern wird, was zuvor geschehen ist. Der auch jede Sicherheit nimmt. Die Spannung der Romanadaption liegt zu einem größeren Teil darin begründet, dass man hier kaum vorhersagen kann, in welche Richtung sich das weiterentwickelt. Dass es ein böses Ende nehmen wird, das ahnt man zwar rasch, nicht aber in welcher Form – und für wen.

Die zweite große Unbekannte ist, wer dieser Fremde eigentlich ist, mit dem Yvonne zwar gerne den Ganzkörperkontakt sucht, von dem sie ansonsten aber nichts weiß. Nicht einmal der Name wird mitgeteilt, in ihren Nachrichten an ihn und ihren Fantasien nennt sie ihn nur Mr. X. Beim Rest spekuliert sie parallel zur Handlung, das Publikum tut es ihr gleich. Wer ist dieser Mann überhaupt? Wo kommt er her? Woher weiß er gewisse Sachen?

Die zwischenmenschlichen Abgründe
Gleichzeitig ist Nachdem ich ihm begegnet bin aber auch ein Drama, das viel von Moral spricht und handelt. Das betrifft zum einen natürlich die Affäre, mit der die beiden ihr Leben auflockern. Es betrifft aber auch Entscheidungen, die anstehen, als die Geschichte sich immer stärker in einen düsteren Bereich fortentwickelt. Die beiden Hauptdarsteller sind hierfür gut gewählt: Emily Watson (Breaking The WavesEverest) überzeugt als unsichere Frau, die es genießt, mal selbst im Mittelpunkt zu stehen, Ben Chaplin in der Rolle des gleichermaßen charmanten und mysteriösen Fremden.

An der Ausstattung ist hier ohnehin nicht auszusetzen, wie man es von BBC-Produktionen auch gewohnt ist. Sonderlich viel Action sollte man sich hingegen nicht erwarten. Die härteren Szenen sind selten, werden auch nicht gezeigt. Auch die Affäre gibt Voyeuren kein befriedigendes Anschauungsmaterial. Nachdem ich ihm begegnet bin interessiert sich dann doch weniger für explizite Sex’n’Crime-Szenen und stellt stattdessen Yvonne in den Vordergrund, mit ihren Wünschen und Ängsten. Das wird nicht jedem reichen, ist aber doch für die Liebhaber zurückhaltender Psycho-Thriller ein lohnenswerter Zeitvertreib.

Nachdem ich ihm begegnet bin
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Nachdem ich ihm begegnet bin
„Nachdem ich ihm begegnet bin“ erzählt die Geschichte einer Frau im mittleren Alter, die sich auf eine heiße und verbotene Affäre mit einem Unbekannten einlässt. Die Buchadaption bewegt sich dabei in eine etwas unerwartete Richtung, anstelle herkömmlichen Sex’n’Crimes steht hier die Protagonistin mit ihren Wünschen und Ängsten im Vordergrund, gekoppelt mit moralischen Fragen und der Neugierde, wer dieser Mann eigentlich im wahren Leben ist.
7von 10

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