Demetrius Flenory Jr., besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Lil Meech“, ist ein US-amerikanischer Rapper, Sänger und Schauspieler. In der Serie BMF spielt Flenory niemand geringeren als seinen eigenen Vater, Demetrius Flenory Sr., der zusammen mit seinem Bruder die Black Mafia Family (BMF) gründete, einen Drogen- und Geldwäschering, der im Jahre 2006 aufgelöst wurde. Lil Meech ging auf eine Privatschule und hat ein Jurastudium 2018 erfolgreich abgeschlossen.

Zwar respektiert er seinen Vater, doch von dessen Drogengeschäften hat er sich mehrfach distanziert. Von diesem übernahm der dessen Musik- und Merchandiseimperium, welches er unter dem Namen BMF weiterführt. Für die Serie BMF, die von dem bekannten Musiker und Rapper Curtis „50 Cent“ Jackson produziert wird, wurde Flenory kontaktiert, als es darum ging, die Rolle seines Vaters zu besetzen. Dieser konnte ihn letztlich überreden, die Rolle anzunehmen.

Anlässlich des Starts der Serie am 26. September 2021 auf Starzplay unterhalten wir uns mit Demetrius Flenory Jr. über die Entscheidung seinen Vater zu spielen, über das Detroit der 1980er Jahre und über den Amerikanischen Traum.

 

Was brachte dich dazu die Rolle deines Vaters zu übernehmen in BMF?

Bei dieser Entscheidung spielte Curtis eine große Rolle, denn er glaubte an mich und motivierte mich immerzu, die Rolle anzunehmen. Er meinte, es gäbe niemand anderen, der diese Rolle spielen könnte. Sein Glaube an mich brachte mich dazu, dass ich Schauspielklassen besuchte, da ich vorher noch nie in meinem Leben geschauspielert hatte. Dafür musste ich von Miami nach Los Angeles ziehen, wo ich fünf Tage die Woche Workshops besuchte. Es hat anderthalb Jahr gedauert, bis ich verstand, was das Handwerk eines Schauspielers ausmacht und ich selbst einen Zugang zu dem Beruf gefunden hatte.

Als ich dann die nötige Grundlage hatte und eine gewisse Zuversicht als Schauspieler, musste ich mir immer noch die Rolle verdienen, wobei Curtis’ Glaube an mich zwar half, aber nicht das einzige Kriterium war. Ich musste also noch die anderen Verantwortlichen von meiner Eignung für die Rolle und meinem Talent überzeugen.

Eine Sache, die auch dabei half, war natürlich mein Hintergrund und meine Biografie. Viele der Sets, die ich noch kannte von meiner Kindheit und Jugend, wie beispielsweise das Haus meiner Großmutter, gaben mir die nötige Inspiration für meine Darstellung. Darüber hinaus stand ich in Kontakt mit meinem Vater, der mir sehr viel darüber erzählt, wie es war in den 80er Jahren in Detroit aufzuwachsen und wie er damals getickt hat oder was ihn beschäftigte an verschiedenen Punkten in seinem Leben. Als er mir mehr von seinem Leben erzählte, von der Armut und der Kriminalität, die damals sein Umfeld ausmachte, konnte ich ihn nicht nur besser verstehen, sondern dies gab meiner Darstellung mehr Authentizität. Ich hoffe sehr, dass diese Überzeugung und Zuversicht für den Zuschauer ersichtlich ist und ich mein Bestes getan habe.

Da es wahrscheinlich etwas ganz Besonderes ist, jemand zu spielen, der einem sehr nahesteht, wollte ich dich fragen, ob du durch die Rolle etwas über deinen Vater oder sein Leben gelernt hast, was du vorher nicht wusstest oder dir nicht ganz klar war.

Das gab es sehr viel, gerade weil ich und mein Vater nie über seine Kindheit und Jugend in Detroit gesprochen hatten. Ich ging zu Privatschulen und wuchs in einem guten situierten Vorort auf, was eine völlig andere Ausgangslage war, als die, welche mein Vater vorfand, als er in meinem Alter war. Bevor er ins Gefängnis ging, stellte er sicher, dass für mich und meine Mutter vorgesorgt war, was ihm sehr wichtig war, mehr als alles andere.

Mit 16 musste mein Vater die Schule verlassen, weil er eine Familie zu versorgen hatte und meine Großeltern, trotz ihrer Jobs, nicht genügend Geld hatte, um überhaupt für das Nötigste zu sorgen. Damals wurde er von seine Eltern aus seinem Zuhause geschmissen, weil sie sahen, wohin sein Weg ihn wohl führen würde, was eine besondere Situation schaffte, weil er gleichzeitig ihre Schulden begleichen wollte, auch wenn er nicht mehr bei ihnen wohnte. Über die Gespräche mit meinem Vater und die Arbeit an den Szenen verstand ich die Motivation meines Vaters und warum er sich für bestimmte Wege in seinem Leben entschied.

Hinzu kam noch, wie Detroit in den 80ern war. Es war eine sehr unsichere und dreckige Stadt, besonders die Bezirke, in denen mein Vater und seine Eltern lebten. Damals muss Detroit eine der höchsten Mordraten in den USA gehabt haben, auf gleicher Höhe wie St. Louis oder Chicago, wo es ähnliche Verhältnisse gab. Mein Vater erzählte mir davon, wie er auf dem Schulweg einmal über einen toten Körper steigen musste oder beim Vorbeifahren auf dem Highway Leichen am Straßenrand sehen konnte.

Gib es einen Moment oder eine Szene in BMF, auf die du besonders stolz bist?

Die Beziehung meines Vaters zu meiner Großmutter, die in BMF von Michola Briana White gespielt wird, war besonders innig, was sich auch in den Szenen, in denen wir gemeinsam zu sehen sind, widerspiegelt. Gleich in der ersten Episode gibt es die Szene, in der sie sagt, dass die Drogen unser Zuhause übernommen hätten und meiner Figur wird in diesem Moment klar, dass er eine Entscheidung fällen muss zwischen der Liebe zu seiner Mutter und was sie für ihren Sohn und dessen Zukunft will oder seiner Verantwortung als Sohn, der seine Familie versorgen will und dafür weiter Drogen verkaufen muss. Solche Szenen haben mich sehr berührt und mich an die Beziehung zu meiner Mutter erinnert.

Ich hoffe sehr, wie ich vorhin schon einmal sagte, dass diese besondere Beziehung und die Liebe zwischen diesen beiden Figuren verständlich ist und die Zuschauer dies nachvollziehen können, denn für meinen Vater war diese Beziehung ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt in seinem Leben.

Soziale Probleme und Kriminalität stehen in einem gewissen Verhältnis zu der Architektur und Planung einer Stadt, wie man beispielsweise an Los Angeles sehen kann, wo man in einem Stadtteil leben kann und es möglich ist, dass man die das Zentrum der Stadt sehen wird. Wie ist das in Detroit und wie hat sich die Stadt seit den 80er Jahren verändert?

Das hat sich schon sehr verändert. Dennoch stimmt das, was du sagst, denn meine Eltern lebten in einer Straße in einem der wenigen Häuser, welches noch bewohnt war, während um sie herum die anderen Gebäude verlassen und entsprechend verlottert waren. Solche Zustände trugen maßgeblich zu der Drogen- und Gangkriminalität wie auch zu der Armut bei, sodass man, weil man einfach kein Geld dafür hatte, seinen Bezirk ein ganzes Leben lang nicht verlassen konnte. Die Gewalt, wie mir mein Vater sagte, war überall, in jeder Straße und in jeden Bezirk, und als Heranwachsender muss man sich irgendwann die Frage stellen, was man mit seinem Leben anstellen will. Entweder konnte man Teil dieser Gewalt werden oder einen der vielen schlecht bezahlten Jobs annehmen, die seine Eltern hatten.

Was die Stadt verändert, hat sind zum einen die schärferen Gesetze, die Drogenhandel mit bis zu 30 Jahren im Gefängnis ahnden, wie auch die Technologie, die den Behörden bei der Verfolgung von Verbrechern zu Verfügung steht.

Inwiefern ist BMF eine Geschichte über die Erreichbarkeit des Amerikanischen Traumes?

Das ist es auf jeden Fall. Mein Vater hat mir einmal gesagt, dass sich sein Amerikanischer Traum jetzt gerade erfüllt, wenn er sieht, wie ich erfolgreich bin und ihn in BMF spiele. Die Tatsache, dass mir als jemandem, der keinerlei Erfahrung im Bereich Schauspiel hatte, die Gelegenheit gegeben wird, eine solche Rolle zu spielen für eine Produktionsfirma wie Starz Network, ist etwas sehr Besonderes. Nun kann ich ihn unterstützen, wenn er wieder nach Hause kommt, und auch anderen Menschen helfen, die eine ähnliche Gelegenheit verdient hätten in ihrem Leben. Das ist der Amerikanische Traum.

BMF ist eine Serie, die ihren besonderen Charme unter anderem durch ihre Sets und Ausstattung gewinnt, welche einem als Zuschauer das Gefühlt geben, dass man im Detroit der 1980er ist. Wenn du beispielsweise an die Szene im Nachtklub aus der ersten Episode zurückdenkst, in der du einen ziemlich auffälligen Anzug und einen Nerzmantel trägst, gibt es ein Kostüm, welches du am liebsten magst und gerne behalten hättest?

Die Mode damals war unglaublich, was man gerade in dieser Szene sehr gut sieht. Mein Vater hat damals Lederhosen getragen und sehr viele Accessoires waren aus Krokodilleder, von den Schuhen bis hin zum Gürtel.

Doch wenn es etwas gibt, was ich gerne behalten würde, würde ich auf jeden Fall einen oder mehrere der Nerzmäntel nehmen, die du gerade ansprachst. Zum einen waren diese sehr warm, also genau das richtige Kleidungsstück für die niedrigen Temperaturen, und zum anderen signalisierten sie einen gewissen Status innerhalb der Szene, weshalb so gut wie jeder einen solchen Mantel in der Szene trägt.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.



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