Dave Jackson ist ein australischer Regisseur, Filmeditor, Kameramann, Drehbuchautor und Produzent. Die Suche nach Extremen definiert seinen Filmgeschmack schon als Jugendlicher, weswegen er sich sowohl in der Troma-Ecke wie auch bei Exploitation-Filmen bis heute wiederfindet. Neben Werken wie Tanz der Teufel (1981) und The Texas Chain Saw Massacre (1974) begeistern ihn auch die Filme asiatischer Regisseure wie Takashi Miike (Ichi – The Killer, Audition) sowie Shinya Tsukamoto (Tetsuo II: The Body Hammer).

Gerade diese Filme beeinflussen auch sein eigenes filmisches Schaffen, beispielsweise gleich seine Kurzfilme The Snuff Machine (2006) oder Horrible (2010). Mit seinem ersten Spielfilm Cannibal Suburbia gewinnt er auf dem Melbourne Underground Film Festival 2008 den Preis in der Kategorie Best Use of the Guerilla Aesthetic. 2010 entsteht dann sein Kurzfilm Cat Sick Blues, der die Geschichte eines Serienkiller erzählt, der in ein Katzenkostüm gehüllt, einem jungen Paar auflauert. Da sowohl Jackson wie auch Drehbuchautor Andrew Gallacher von der Idee und den Figuren angetan waren, entstand der Plan, einen Spielfilm zu machen.

Nun ist Cat Sick Blues seit einiger Zeit in vielen Ländern fürs Heimkino zu haben und erwartungsgemäß spaltet der Streifen das Publikum, denn während man dem Film hierzulande sogar eine Mediabook-Variante spendiert, wurde er beispielsweise in Neuseeland wegen der Gewaltdarstellung verboten.

Im Interview unterhalten wir uns mit Dave Jackson über die Entstehung des Filmes, die Reaktionen auf Cat Sick Blues und den Mut von Filmemachern heutzutage.

Auch wenn die Grundidee zur Geschichte von Cat Sick Blues wohl schon eine ganze Weile zurückliegt, würde ich dennoch mit der Frage starten wollen, wie die Geschichte und die Figuren entstanden?

Die Figuren des Filmes gehen in erster Linie auf Andrew Gallacher zurück. Ursprünglich hatte ich das Projekt als einen 08/15 Slasher-Film geplant und fand es, wenn ich ehrlich bin, nicht sonderlich interessant, sodass ich es Andrew überließ, der das Drehbuch komplett umschrieb. Auch wenn er natürlich kein Serienmörder ist, glaube ich, dass in den Figuren viel von ihm ist. (lacht)

Die Figur von Claire entstand aus einer Beobachtung meinerseits heraus. Ich bemerkte irgendwann Anfang der 2010er Jahre, dass das Internet und speziell die sozialen Medien immer verstörender wurden.

Ted, der Serienmörder, ist inspiriert von meiner Liebe zu Katzen und wie ich mit ihnen aufgewachsen bin. Vielleicht ist etwas von Andrew und mir in diesem Typen, aber irgendwie fühlt es sich komisch an, mich oder Andrew mit ihm zu vergleichen. (lacht)

Inwiefern würdest du Cat Sick Blues als einen Film oder eine Studie über Einsamkeit betrachten?

Das Paradoxe am Internet ist ja, dass es uns näher zusammenbrachte, aber dann auch wieder voneinander entfernte. In Cat Sick Blues wollten Andrew und ich zeigen, auf welche Weise soziale Medien und das Internet uns immer weiter isolieren, wenn auch auf extreme Art und Weise.

In den Kritiken zum Film wird dir ja eine ganze Reihe von Verweisen auf andere Filme oder Regisseure angedichtet, manche von ihnen offensichtlich, manche von ihnen weniger. Gab es da etwas, das dich besonders überrascht hat?

Dass Cat Sick Blues von vielen mit William Lustigs Maniac verglichen wurde, überrascht mich nicht, denn die Geschichten haben einige Parallelen wie auch die Art und Weise, wie der Killer dargestellt ist. Takashi Miikes Gozu ist auch ein wichtiger Einfluss, wenn es um den Ton und die Atmosphäre des Filmes geht, weshalb mich diese Passagen in manchen Rezensionen nicht sonderlich überraschen.

Das erste Mal, als ich stutzig wurde, war, als man Cat Sick Blues mit The Greasy Strangler verglich. Ich mag den Film zwar, finde ihn aber sehr anders als meinen. Andererseits habe ich das jetzt schon sehr oft gelesen, also liege vielleicht ich daneben. (lacht)

Kannst du deine Herangehensweise an die brutalen und blutigen Szenen beschreiben und was du zu Kritikern sagst, die Cat Sick Blues Glorifizierung von Gewalt andichten?

Die Szenen sollten traumartig und surreal sein, fast so, als würden sich die Figuren, diese Taten nur ausdenken. Deswegen ist eine wichtige Szene im Film in Slow Motion gedreht worden und meine Art, mich vor dem Kino eines David Lynch zu verbeugen, in dem Gewalt ähnlich inszeniert ist.

Wenn es um Gewalt geht, wollte ich diese so dreckig und ungeschönt wie nur möglich zeigen. Etwas Ähnliches hat auch Lustig in Maniac gemacht, dessen Gewaltszenen genauso ungeschönt sind und deswegen teils schwer zu ertragen. Von daher bin ich nicht ganz sicher, was ich von diesen Anschuldigungen halten soll oder der Tatsache, dass Cat Sick Blues beispielsweise in Neuseeland wegen seiner Gewaltdarstellung verboten ist. Wenn wir so vorgehen, müssten dann nicht auch andere Genreproduktionen betroffen und gar verboten sein? Und was soll die Lösung sein: einfach keine Gewalt mehr zu zeigen?

Cat Sick Blues

Ein tierisch gestörter Mörder in „Cat Sick Blues“ (© Busch Media Group)

Du hast bereits angesprochen, dass der Film auf ein eher geteiltes Echo sei, von Kommentaren und Kritiken, die den Film richtiggehend feiern, bis hin zu solchen, die ihn für großen Mist halten. Dass Cat Sick Blues solche Meinung hervorruft, war dir klar, aber gibt es eigentlich Kritiken oder Kommentare, die du gar nicht akzeptieren kannst?

Obwohl Cat Sick Blues, wie du schon sagst, ein Film ist, der das Publikum spaltet und von uns auch so angelegt worden ist, hatte ich nicht mit dem Grad an Aggression und teils auch Hass gerechnet, den der Film wohl bei vielen auslöst. Andererseits finde ich es auch nicht schlimm, denn mir ist es als Regisseur wichtig, dass Menschen auf meinen Film reagieren, anstatt ihn schnell wieder zu vergessen oder ihn als durchschnittlich zu betrachten.

Im Falle der Kritiken und Kommentare, egal, ob jetzt negativ oder positiv, versuche ich, so wenig wie möglich von diesen zu lesen, da ich denke, dass sie meine Arbeitsweise verändern. Dennoch habe ich natürlich ein paar von ihnen gelesen und auf den sozialen Medien geteilt.

Natürlich tut es weh zu lesen, wenn einem der Film nicht gefällt, an dem man viele Jahre gearbeitet hat, doch letztlich hat jeder das Recht auf sein eigenes Urteil. Dennoch finde ich es vor allem schade, wenn Kritiker die technischen Aspekte angreifen und als billig finden, gerade weil ich weiß, wie lange wir an diesen gesessen haben. Das beschäftigt mich eher, als wenn jemand mit der Geschichte, den Themen oder den Figuren ein Problem hat.

Dennoch ist es interessant zu sehen, wie unterschiedlich Menschen auf den Film reagieren. Als der Film seine Premiere in Großbritannien hat, haben glaube ich circa ein Drittel der Zuschauer das Kino vorzeitig verlassen. Als wir dann von Kritzeleien auf den Toiletten hörten, in denen der Film runtergemacht wurde, ist uns klar geworden, wie provozierend Cat Sick Blues tatsächlich ist oder sein kann.

Kannst du was zu deiner Zusammenarbeit mit Matthew Revert für die Filmmusik in Cat Sick Blues sagen?

Matt ist ein guter Freund von mir. Eigentlich wollte er Autor werden, doch wurde dann schnell in anderen Bereichen der Filmproduktion tätig. 2005 haben wir das erste Mal bei einem Kurzfilm zusammengearbeitet. Ich würde sagen, im Falle von Cat Sick Blues hat mir die Arbeit mit ihm die meiste Freude bereitet, weil man Matt einfach machen lassen kann und auf sein Gespür vertrauen kann. Natürlich sprechen wir vorher miteinander und ich teile ihm meine Vorstellung für die Musik mit, doch weil wir ziemlich schnell auf einer Wellenlänge sind, vertraue ich ihm und versuche ihm so viel kreativen Freiraum wie nur möglich zu geben.

Übrigens mag ich besonders die Musik bei der Traumsequenz gegen Ende, wenn Claire in der Nervenheilanstalt ist. Sie hat genau den Ton der Szene getroffen.

Wir haben gerade eben noch darüber gesprochen, dass Cat Sick Blues sein Publikum spaltet, was sich heutzutage immer weniger Filmemacher trauen. Woran liegt es, dass sich Genrefilme und deren Macher nicht mehr trauen, ihrem Publikum etwas zuzumuten?

Für das Mainstream-Kino würde ich dir zustimmen, was auch einfach an der finanziellen Komponente bei vielen Produktionen liegt. Man merkt diesen Filmen an, dass sie auf ein Zielpublikum ausgerichtet sind und sich gewisse Dinge einfach nicht trauen, um niemanden zu verletzen, besonders nicht die Investoren.

Sobald wir in das Independent- oder Low-Budget-Kino gehen, sieht die Sache schon wieder anders aus, weil sich hier die kreativen Köpfe etwas mehr trauen. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es leider nicht mehr viel in der Filmindustrie heutzutage.

Gib es Projekte, an denen du gerade arbeitest und über die du sprechen willst? Wird es irgendwann ein Wiedersehen mit dem Killer aus Cat Sick Blues geben?

Zu Cat Sick Blues wird es keine Fortsetzung geben, auch wenn Matthew C. Vaughan, der den Killer spielt, immer wieder darüber gesprochen und gescherzt haben, wie ein Sequel aussehen könnte.

Im Moment lebe und arbeite ich in Japan. Nächstes oder übernächstes Jahr hoffe ich, einen Film hier drehen zu können. Gerade ist das Projekt in der Drehbuchphase, doch bis es zum ersten Drehtag kommt, wird es noch eine Weile dauern, alleine schon, wegen der Sprache, die ich noch nicht beherrsche.

Vielen Dank für das nette Gespräch.



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