Kritik

Maniac 1980

„Maniac“ // Deutschland-Start: 14. November 1980 (Kino) // 1. Oktober 2020 (DVD/Blu-ray)

An der Oberfläche ist Frank Zito (Joe Spinell) ein eher unscheinbarer, leicht übergewichtiger Mann, der durch die Straßen New York City schlendert, meist in den Gegenden der Pornokinos und der Stripclubs. Doch sein Äußeres schäumt, denn Zito ist eben jener Meuchelmörder, der schon seit Wochen sein Unwesen in der Stadt treibt und jungen Paaren oder Frauen auflauert, die er dann auf grausame Weise umbringt. Als bizarre Trophäe von seinen Morden behält der den blutigen Skalp der weiblichen Opfer, mit dem er die unzähligen Schaufensterpuppen in seiner kleinen, dreckigen Wohnung schmückt. Mit diesen Puppen hält Frank immer wieder Zwiegespräche über seine Taten, über die er schon lange die Kontrolle verloren hat, und fantasiert sich in seine Kindheit zurück, in die Zeit mit seiner gewaltbereiten Mutter, die einen großen Einfluss auf ihn hatte. Nach einer ganzen Reihe von Morden, ohne dass die Polizei ihm auf die Spur gekommen ist, trifft Frank auf die junge Fotografin Anne (Caroline Munro). Scheint sie zunächst nur ein weiteres Opfer für ihn zu sein, zeigt sich Frank ehrlich interessiert an ihr, gibt sich als Kunstinteressierter aus und verabredet sich mit ihr. Doch mit der Zeit kehren Franks Mordinstinkt zurück und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Anne auch ihm zum Opfer fallen wird.

Ein Blick in die Dunkelheit
Als Anfang der 80er Jahre William Lustigs Maniac in die Kinos kam, gab es kaum einen Kritiker, der den Streifen nicht in der Luft zerriss und auf die Gewalt- und Frauendarstellung des Films verwies. Auch in Deutschland dauerte es nach dem Start nicht lange und der Film wurde von den Behörden beschlagnahmt, ein Präzedenzfall seinerzeit und ein Schicksal, welches noch viele andere Produktionen teilen sollten. Dass Maniac auch nach 40 Jahren immer noch harter Tobak ist, will keiner bestreiten, doch verschleiert der Fokus auf die Gewalt des Films die Sicht auf das große Ganze, denn Maniac erzählt eine Geschichte, die mit erzählerischen Konventionen bricht und eine Welt zeigt, die so dunkel, dreckig und brutal ist, dass man sich auf eine Trip geradewegs in ein Herz der Dunkelheit wähnt.

Gerade die späten 70er und frühen 80er waren die Zeit des Underground-Kinos, definiert von Namen wie William Lustig, Frank Henenlotter und James Glickenhaus. Beeinflusst vom Horrorkino eines George Romero oder Dario Argento wagten Filme wie Basket Case, Brain Damage oder eben Maniac einen ungeschönten Blick auf die Welt, fernab der Yuppie-Ästhetik, dafür aber mit Themen wie Drogensucht, Gewalt, Sexismus und Voyeurismus. Vom dem Humor eines Frank Henenlotters findet man allerdings in Lustigs Film keine Spur, dafür geht seine Geschichte zu nah ran an das Brutale, das Blut und die Wunden, die Frank seinen Opfern zufügt. Dies ist keine Figur, mit der man mitleidet oder mit der man mitfiebert, denn Frank ist zugleich abgestoßen, aber auch Teil dieser Dunkelheit und Verkommenheit, die ihn umgibt. Schockierend ist vielmehr, wie seine Taten, trotz der Aufmerksamkeit der Medien, geduldet werden und er unerkannt bleibt, sodass noch viel mehr Menschen sterben müssen. Nicht umsonst ließen sich Joe Spinell, der nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern auch am Drehbuch mitschrieb und den Film mitproduzierte, von den Taten des Son of Sam inspirieren, dessen Mordserie seinerzeit New York in Atem hielt.

Das Labyrinth der Stadt
Immer wieder sieht man das Panorama der Stadt, aufgenommen vom Hubschrauber, als Labyrinth der Dunkelheit. Unterlegt werden die Bilder von den Nachrichten über die Mordserie, bei deren Darstellung sich die Moderatoren mit blutigen Details zu überbieten scheinen und ihre Zuhörer in Angst und Schrecken versetzen. Die omnipräsenten Blicke der Stadt, ähnlich den leblosen Augen einer Schaufensterpuppe, umgeben die Figuren, verschließen dann aber wieder die Augen, wenn jemand wirklich Hilfe braucht, eine Einladung für Männer wie Frank. Diese Dunkelheit, gepaart mit jener Obsession für die Blicke anderer, verkörpert Frank, sodass er als Produkt dieses Asphaltdschungels wirkt, der scheinbar dabei ist, auch ihn mit Haut und Haaren zu verschlingen.

Credits

OT: „Maniac“
Land: USA
Jahr: 1980
Regie: William Lustig
Drehbuch: C.A. Rosenberg, Joe Spinell
Musik: Jay Chattaway
Kamera: Robert Lindsay
Besetzung: Joe Spinell, Caroline Munro, Abigail Clayton, Kelly Piper, Rita Montone, Tom Savini

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Maniac (1980)
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Maniac (1980)
„Maniac“ ist ein schockierender, unbequemer Film über Gewalt und Obsessionen. William Lustigs Film hat, im Gegensatz zu manch anderem Film aus der Zeit, auch nach 40 Jahren nichts von seiner Schlagkraft eingebüßt und ist nach wie vor eine cineastische Provokation, deren dunklem Sog man sich nicht entziehen kann.
7von 10

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