Inhalt / Kritik

„The Dissident“ // Deutschland-Start: 27. August 2021 (DVD)

Als im Jahre 2011 die repressiven Regime vieler Machthaber in nordafrikanischen sowie arabischen Ländern im Zuge des Arabischen Frühlings ins Wanken gerieten und sich in rascher Folge zunächst in Algerien und dann in Ägypten Erfolge einstellten, konnte man zwei Entwicklungen verfolgen. Zum einen ging ein Raunen durch die Welt, besonders in jenen Teile, die seit Jahrzehnten unter autoritären System leben mussten und nun anhand vieler Beispiele sehen konnten, wie sie die Geschichte ihres Landes selbst in die Hand nehmen konnten. Es war eine Hoffnung, die in Erfüllung ging für die Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo, und die schließlich auch die Einwohner des Jemens, Irans, Iraks und letztlich auch in Saudi-Arabien ergriff. Jedoch weiß man nun, wie diese Hoffnungen bekämpft wurden: mit unnachgiebiger Gewalt in Ländern wie Syrien und mit einer Gegenrevolution, beispielsweise in Ägypten, in deren Folge sich ein noch viel schrecklicheres Regime etablieren konnte, unterstützt von denjenigen, die schon seit langer Zeit die politischen und wirtschaftlichen Fäden in diesem Teil der Welt ziehen, nämlich jenen Ölbaronen, Scheichs und Königen.

Während nach außen hin die Fassade aus Reichtum und Prunk ein anderes Bild vermuten lässt, darf man sich keinesfalls täuschen lassen von den Machthabern in Ländern wie Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Gerade durch ihren Wohlstand haben sie sich nicht nur einen beträchtlichen Teil der Weltwirtschaft und des Marktes angeeignet, sondern zudem ihre Macht konsequent ausgebaut, was freilich mit Unterdrückung, Freiheitsberaubung und schlimmeren Maßnahmen einherging, wofür der Fall des saudi-arabischen Dissidenten und Journalisten Jamal Kashoggi ein tragisches Beispiel darstellt. In seiner Dokumentation The Dissident beleuchtet der US-amerikanische Dokumentarfilmer Bryan Fogel das Attentat auf den Reporter sowie dessen Hintergründe und zeigt dabei auf, welche Gefahr für die Freiheit von Saudi-Arabiens Machthabern ausgeht. Bezeichnend dafür ist schon die Veröffentlichung der Dokumentation, welche nicht den gängigen Streaming-Plattformen wie Amazon Prime oder Netflix stattfand, was angeblich damit zusammenhing, dass man die saudische Regierung nicht beleidigen und Kunden verlieren wollte.

Von Bienen und Fliegen

In der fast zweistündigen Dokumentation gibt Fogel seinem Zuschauer einen umfassenden Überblick über den Verlauf des Attentats oder wie ihn die türkischen Ermittler sowie der Untersuchungsausschuss der UN rekonstruieren konnten. Durch dieses Material entsteht ein erschreckendes Bild einer unmenschlichen Tat, deren Täter bis heute nicht verurteilt worden sind, auch wenn klar ist, wer hinter der Ermordung stand. Über Interviews, mit türkischen Beamten, Kashoggis Wegbegleiter sowie dessen Verlobte, kommt man darüber hinaus nicht nur der Person Kashoggi und seiner Prinzipien nahe, sondern auch, wie sich seine Denkweise veränderte, von einem Unterstützer des saudischen Königshauses hin zu einem scharfen Kritiker, der seinen Ruf und seinen Einfluss nutzte, um Menschen weltweit auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die von der Regierung Saudi-Arabiens ausging, ohne dabei jedoch zu ahnen, zu welchen Maßnahmen diese schreiten würde, damit ein Kritiker wie er mundtot gemacht wird.

Darüber hinaus unterstreicht The Dissident durch die Interviews sowie entsprechende Fakten das Bild eines Staates, der mittlerweile modernste Technologie nutzt, um den internationalen Konsens zu manipulieren. Eine Armee der Fliegen, wie die Hackerarmee des Königshauses genannt wird, strebt die Kontrolle von Diensten wie Twitter an, welche in der arabischen Welt weit verbreitet sind, sodass man als Zuschauer das Bild vor Augen hat eines System, das auf Machterhalt und -erweiterung aus ist, und mittlerweile schon weit mehr unter seiner Kontrolle hat als nur die eigene Bevölkerung. Die Tatsache, dass die Verantwortlichen der Seite Rotten Tomatoes zugeben mussten, dass die User-Reviews des Films manipuliert worden seien von einer Vielzahl anonymer Quellen, lässt zumindest darauf schließen, dass die Theorie der Filmemacher und ihrer Gesprächspartner weit mehr ist als eine weitere Verschwörungstheorie.

Credits

OT: „The Dissident“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Bryan Fogel
Musik: Adam Peters
Kamera: Jake Swantko

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
BAFTA Awards 2021 Beste Dokumentation Nominierung

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The Dissident
„The Dissident“ ist eine engagierte und packende Dokumentation. Filmemacher Bryan Fogel zeigt anhand des Falles Kashoggi wie ein System funktioniert, dessen Einfluss und Machtbereich so weit geht, dass es selbst vor Mord nicht mehr zurückschreckt und welches in der Lage ist die öffentliche Meinung zu manipulieren. „The Dissident“ zeigt ein erschreckendes Bild eines gefährlichen Regimes, dessen Machthaber Blut an ihren Händen haben.
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