Inhalt / Kritik

The Tomorrow War Amazon Prime Video

„The Tomorrow War“ /7 Deutschland-Start: 2. Juli 2021 (Amazon Prime Video)

Eigentlich wollte der Biologielehrer und ehemalige Soldat Dan Forester (Chris Pratt) nur mit seiner Frau Emmy (Betty Gilpin) und anderen die Fußballweltmeisterschaft schauen, als sie unerwarteten Besuch erhalten. Soldaten sind aus dem Jahr 2051 angereist, um vor einer Alien-Invasion zu warnen, denen ein Großteil der Menschheit zum Opfer fallen wird. Um eine Chance gegen die Aggressoren zu haben, werden deshalb unter der normalen Bevölkerung Leute rekrutiert, die in die Zukunft reisen und dort gegen die Außerirdischen kämpfen. Auch Dan ereilt irgendwann das Schicksal, mit anderen die Zeitreise anzutreten. Sämtliche Proteste dagegen sind zwecklos. Es dauert nicht lange, bis er bereits mitten im Getümmel ist, im Einsatz gegen die sogenannten Whitespikes. Während ihm dieses Schicksal vorbestimmt zu sein scheint, erlebt er in der Zukunft jedoch eine andere Überraschung …

Angriff von oben

Es gehört zu den beliebtesten Motiven des Science-Fiction-Genres: Die Erde wird von außerirdischen Invasoren angegriffen, nur mit vereinten Kräften lässt sich die Auslöschung der Menschheit noch verhindern. Beispiele dafür gibt ohne Ende, vom 90er-Jahre Blockbuster Independence Day bis zur kürzlichen Promi-Schlaftablette Cosmic Sin – Invasion im All. Das kann mal bewusst komisch, wie etwa beim Kultstreifen Mars Attacks. Dann wiederum gibt es solche, die eher unfreiwillig komisch sind, wenn das nötige Geld oder das nötige Talent fehlt, um eine mitreißende Zukunftsvision zu entwerfen. Manchmal fällt auch beides zusammen.

Billig war The Tomorrow War mit Sicherheit nicht. Rund 200 Millionen Dollar soll Amazon Prime Video auf den Tisch gelegt haben, um das ursprünglich fürs Kino gedachte Science-Fiction-Spektakel auf die heimischen Bildschirme zu bringen. Was genau die Verantwortlichen in dem Film sahen, dass sie ihn um jeden Preis für sich haben wollten, das wird in den rund 140 Minuten jedoch nicht klar. Sicher, mit Chris Pratt gibt es hier einen echten Hollywoodstar, der zudem mit Guardians of the Galaxy auch einen der unterhaltsamen Genrevertreter der letzten Jahre gedreht hat. Im Gegensatz zum gut gelaunten Marvel-Abenteuer nimmt sich das hier aber richtig ernst. Sehr viel ernster, als es die lächerlich Geschichte zulässt.

Interessante Idee schlampig ausgearbeitet

Dabei ist die grundsätzliche Idee richtig spannend. Wenn Menschen in die Zukunft teleportiert werden, um sich selbst eine drohende Katastrophe zu ersparen, dann ist das eine interessante Variante des ebenfalls beliebten Zeitreise-Motivs. Es geht auch mit spannenden moralischen Fragen einher. Sich selbst zu opfern, damit andere Jahrzehnte später leben dürfen, die man nicht mal unbedingt kennt, das ist doch mal ein Statement – gerade im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Etwas unglücklich ist in der Hinsicht jedoch, dass ausschließlich solche rekrutiert werden, die ohnehin vor dem Alien-Krieg sterben. Das verhindert dann zwar das aus Zurück in die Zukunft Paradoxon, wenn Menschen ihrem künftigen oder vergangenen Ich begegnen. Da aber ein Großteil der Importe beim Kampf draufgeht, fehlt dann in der Vergangenheit jemand, was dann zu anderen massiven Veränderungen der Zeitlinie führt.

Andererseits: Drehbuchautor Zach Dean (24 Hours to Live) hat ganz offenkundig ohnehin kein Interesse daran, groß über die von ihm geschilderten Ereignisse nachzudenken. Das Publikum sollte das am besten auch nicht, in The Tomorrow War ergibt nur wenig Sinn. Während man die diversen inhaltlichen Fragwürdigkeiten vielleicht noch ignorieren kann, mit viel Wohlwollen, ist das mit der Charakterzeichnung schon schwieriger. Auch wenn Pratt sichtlich bemüht ist, seinen alten Kumpel-Charme wieder auszupacken: Dan ist eine völlig uninteressante Figur, die einfach irgendwie zusammengestückelt wurde. Ganz schlimm ist aber, wenn der Film versucht, Emotionen abzurufen. Die Szenen mit dem von J. K. Simmons gespielten Vater sind plump geschrieben. Die mit dem Rest der Familie sind nicht besser.

Teuer eingekaufte Nichtigkeit

Immerhin: Regisseur Chris McKay (The Lego Batman Movie) zeigt bei der Inszenierung der Actionszenen Talent. Wenn es dann doch mal gegen die Whitespikes geht und die dicken Wummen ausgepackt werden, dann geschieht da genug, dass das eigene Gehirn schon mal auf Durchzug schalten kann. Auch die Schauplätze und die Designs der Aliens machen ausreichend her, um bei dem Spektakel dranzubleiben. Wer mal wieder eine großes Science-Fiction-Schicksalsschlacht braucht und ohnehin Abonnent beim Streamingdienst ist, der kann sich hiermit schon die Zeit vertreiben. Ein nennenswerter Beitrag zum Genre ist das aber kaum, eher ein überteuerter B-Movie, der aus unerklärlichen Gründen zu mehr gemacht wurde und dessen Finale dazu einlädt, mal so richtig mit den Augen zu rollen.

Credits

OT: „The Tomorrow War“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Chris McKay
Drehbuch: Zach Dean
Musik: Lorne Balfe
Kamera: Larry Fong
Besetzung: Chris Pratt, Yvonne Strahovski, J. K. Simmons, Betty Gilpin, Sam Richardson, Edwin Hodge

Bilder

Trailer

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The Tomorrow War
Die Menschheit steht vor ihrer Auslöschung, Leute aus der Vergangenheit werden rekrutiert, um die Katastrophe zu verhindern. Die Idee an sich ist interessant, verkommt aber zu einem überteuerten B-Movie, der zugunsten des Spektakels wirklich jeden Blödsinn durchgehen lässt. Und auch bei den Figuren gibt es erhebliche Defizite.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

2 Responses

  1. Julia Brunke

    Schlechter gehts wohl kaum. Story? Nöö. Logik? Wozu? Gefühle? Künstlicher gehts gar nicht. Eine Beleidigung der Intelligenz von jedem Zuschauer. Schwachsinniger gehts kaum!!!

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  2. Bee Wee

    Vor 20 Jahren hätte mich so ein Film vom Sessel gehaun. Aber nun, in dieser CGI-verseuchten aber auch -verwöhnten Zeit, ist man es gewohnt, dass auch einfachere Produktionen mit äußerst guten Effekten um sich werfen. So auch hier. Effektgeladen pur…. und dann war’s das auch schon wieder. Der Rest ist einfachste bis schlechte Kost an Handlung, Unlogik und unnötiger Länge. Gegen Ende denkt man sogar einmal, dass das nun zuende ist und saugt schon genüßlich restliche Cola aus, nur um danach zu fluchen, dass man nun doch die Pause-Taste bemühen muss.
    Immerhin, bei Amazon Prime ist der Film gut aufgehoben. Für’s Kino wäre mir das dann doch zu wenig Qualität gewesen. Keine Ahnung, waraum Amazon dafür 200 Millionen hingelegt hat.. ein Preisnachlass für alle Abonnenten wäre da wohl günstiger gewesen.

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