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Sechzehn Stunden Ewigkeit The Map of Tiny Perfect Things Amazon Prime Video

„Sechzehn Stunden Ewigkeit“ // Deutschland-Start: 12. Februar 2021 (Amazon Prime Video)

Das Leben steckt voller Überraschungen? Nicht für Mark (Kyle Allen). Der weiß immer ganz genau, was als nächstes geschehen wird, was die Menschen sagen und tun. Schließlich steckt der Jugendliche in der Zeit fest und muss denselben Tag wieder und wieder und wieder erleben. Seinen Tagesablauf hat er dabei längst perfektioniert. Nur eine Sache hat er bislang noch nicht hinbekommen: sein Traummädchen zu einem Date überreden. Als er mal wieder dabei ist, an den Schicksalsschrauben zu drehen, taucht auf einmal Margaret (Kathryn Newton) auf und durchbricht die Routine. Schnell wird den beiden klar, dass sie gemeinsam die 16 Stunden eines Tages erleben und die einzigen sind, die sich daran erinnern. Doch diesen Tag wollen sie nutzen. Und so halten sie die perfekten kleinen Momente fest, die diesen einen Tag lebenswert machen …

Ein und derselbe Tag, wieder und wieder

Ein Mensch ist plötzlich dazu gezwungen, einen Tag oder einen anderen festgelegten Zeitraum wieder und wieder zu erleben und ist dabei der einzige, der sich dieser Wiederholungen bewusst ist. Kommt bekannt vor? Aus gutem Grund: Sogenannte Zeitschleifenfilme erfreuen sich anhaltender Beliebtheit. Unentwegt kommen neue Titel raus, die auf diesem Prinzip funktionieren. Ob nun in Happy Deathday oder Matrjoschka jeden Tag aufs Neue gestorben wird, in The Endless zwei Brüder Zeuge traurig-unheimlicher Erfahrungen werden oder Hello Again – Ein Tag für immer von einer nicht enden wollenden Hochzeit erzählt: Beispiele gibt es genug. Ganz zu schweigen von Und täglich grüßt das Murmeltier, sozusagen die Blaupause solcher Filme.

Dass der Amazon Prime Video Film Sechzehn Stunden Ewigkeit auf einer bekannten Prämisse basiert, das wissen hier natürlich alle. Das weiß auch Lev Grossman, auf dessen Kurzgeschichte The Map of Tiny Perfect Things der Film basiert und der das Drehbuch geschrieben hat. Mehr noch: Die Vorbilder werden sogar alle namentlich benannt. Dennoch handelt es sich hierbei nicht einfach um eine bloße Kopie. Ein Unterschied ist beispielsweise, dass die Hauptfigur nicht erst erkennen muss, dass sie in einer Zeitschleife feststeckt. Die erste Szene zeigt Mark, wie er – nach unzähligen Versuchen – den Tagesablauf so perfektioniert hat, dass er auf alles die passende Antwort hat und in traumwandlerischer Sicherheit die einzelnen Schritte abgeht. Oder das zumindest denkt.

Fantastische Choreografien

Das ist nicht nur erfrischend anders: Es sieht fantastisch aus. Regisseur Ian Samuels (Sierra Burgess Is a Loser) und Kameramann Andrew Wehde (Eighth Grade) verwenden immer wieder kleinere Plansequenzen, wenn sie etwa Mark und Margaret durch die Straßen folgen, bei denen unterwegs jede Menge passiert. Das sind nur kleine Sachen, etwa wird einem ein Becher abgenommen oder einer vorbeilaufenden Dame der Rock gerichtet. Dennoch ist es beeindruckend, wie gut das Ganze choreografiert und ausgeführt wurde. Allgemein ist die Liebe zum Detail eine der großen Stärken von Sechzehn Stunden Ewigkeit, wenn gemäß des Titels und des Themas kleine Momente gefeiert werden, die gleichzeitig nichts Besonderes und doch irgendwie alles sind.

Die zweite große Stärke ist das Charisma des Duos. Viele romantische Tragikomödien begnügen sich damit, einfach nur zwei attraktive Menschen zusammenzustecken und auf das Beste zu Hoffen. Hier macht es hingegen tatsächlich Spaß ihnen, Gesellschaft zu leisten. Das sind einige witzige Szenen dabei, später zudem nachdenkliche. Sechzehn Stunden Ewigkeit gibt sich viel Mühe, den zwei Figuren jeweils eine Entwicklung mit auf den Weg zu geben. Beide stecken sie in ihrem Leben fest, wenngleich aus anderen Gründen. Beide müssen sie lernen voranzukommen, zu wachsen, entweder indem sie lernen, offener mit anderen umzugehen, oder die Schönheit des Moments zu akzeptieren.

Die vergängliche Schönheit des Alltags

Das ist natürlich nicht frei von Klischees. Sowohl bei der Handlung wie den Schlüssen, die dabei gezogen werden, wird schon viel wieder aufgetischt, das man aus anderen Filmen kennt – bis man sich selbst in einer kleinen Zeitschleife wähnt. Nicht so wirklich gelungen ist zudem, dass Marks bester Freund Henry (Jermaine Harris) dazu missbraucht wird, Empfänger von Gedankengängen zu sein, selbst aber nie aktiv werden kann. Da zeigte sich Grossman beim Drehbuch schon recht faul. Doch trotz dieser Schwächen ist Sechzehn Stunden Ewigkeit einer der schönsten und charmantesten Vertreter seiner Art, mit Szenen, die auch ohne den Holzhammer Wirkung zeigen. Samuels kombiniert Humor und Romantik mit einer sehr lebensbejahenden Aussage, die das Schöne im Alltag entdeckt, das Abenteuer beim Beobachten und Stärke in der Vergänglichkeit.

Credits

OT: „The Map of Tiny Perfect Things“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Ian Samuels
Drehbuch: Lev Grossman
Vorlage: Lev Grossman
Musik: Tom Bromley
Kamera: Andrew Wehde
Besetzung: Kathryn Newton, Kyle Allen, Jermaine Harris, Josh Hamilton, Cleo Fraser

Bilder

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Sechzehn Stunden Ewigkeit
„Sechzehn Stunden Ewigkeit“ nimmt das immer wieder beliebte Zeitschleifenprinzip, greift auch auf bewährte Themen zurück. Dennoch ist die Tragikomödie um zwei junge Menschen, die lernen müssen, mit ihrem Leben voranzukommen, einer der schönsten und charmantesten Vertreter seiner Art, bleibt dabei durch das mitreißende Paar, kunstvoll choreografierte Szenen und eine lebensbejahende Aussage in Erinnerung.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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