Anna

„Anna“ // Deutschland-Start: 18. Juli 2019 (Kino)

Anna (Sasha Luss) ist ebenso schön wie tödlich. Offiziell arbeitet die junge Frau als Model, ist auf den internationalen Laufstegen zu Hause. Doch eigentlich ist das nur ein Vorwand, um ihrer tatsächlichen Arbeit nachzugehen: Auftragsmörderin des KGB. Seit einigen Jahren macht sie das schon, seitdem sie von dem Agenten Alex (Luke Evans) angeworben wurde. Und sie ist gut, sehr gut sogar. So gut, dass Alex’ Chefin Olga (Helen Mirren) nicht vorhat, sie wieder gehen zu lassen, trotz der damaligen Vereinbarung, dass sie nach fünf Jahren wieder frei wäre. Und dann wäre da auch noch der CIA-Agent Lenny Miller (Cillian Murphy), der sie nach einem Einsatz unter Druck setzt.

Zuletzt stand Luc Besson ja wegen eher unrühmlicher Geschichten in den Schlagzeilen. Vor allem die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs haben dem Ansehen des französischen Filmemachers schwer geschadet. Aber auch beruflich läuft es derzeit nicht gut. Seine Comic-Adaption Valerian – Die Stadt der tausend Planeten war ein gewaltiger Flop und führte dazu, dass Bessons Firma EuropaCorp zahlungsunfähig wurde. Gute Nachrichten, so viel ist klar, könnte der Regisseur und Drehbuchautor, der mit Filmen wie Das fünfte Element Weltruhm erlang, ganz gut gebrauchen.

Zurück zu den Mörderwurzeln
Anna, auch das ist klar, wird dafür aber der falsche Film sein. An den US-Kassen floppte der Thriller um eine Undercover-Attentäterin, die Kritiken fielen ebenfalls nicht sehr wohlwollend aus. Dabei kehrt Besson hier eigentlich zu seinen Anfängen zurück und greift das auf, was früher prima funktionierte. Denn kaum einer wird der Versuchung widerstehen können, das neueste Werk des Franzosen mit Nikita vergleichen zu wollen, der vor fast 30 Jahren den Durchbruch brachte. Schließlich geht es in beiden Filmen um junge Frauen, die aus der Not heraus zu Auftragsmörderinnen werden.

Dann und wann zeigt sich in Anna auch die Erfahrung des nunmehr 60-jährigen Filmemachers. Ein großer Auftritt der Titelheldin, wenn sie das erste Mal ihr Können unter Beweis stellen darf, bleibt nachhaltig in Erinnerung. Er bleibt aber auch deshalb in Erinnerung, weil die filminterne Konkurrenz überschaubar ist. Zwar darf die getriebene Mörderin ständig umherreisen und andere um ihr Leben erleichtern. Nur sieht man davon relativ wenig, interessiert sich kaum für die einzelnen Einsätze: Der Thriller beschränkt sich auf Minischnipsel, die zusammengeschnitten wurden.

Kompliziert ist nicht komplex
Aber auch an anderen Stellen verzichtet Besson darauf, ein bisschen in die Tiefe zu gehen. Annas Beziehung zu Maud (Lera Abova) ist beispielsweise so beiläufig, dass man sie auch einfach hätte weglassen können. Es drängt sich sogar der hässliche Eindruck auf, dass diese lesbischen Szenen allein des Voyeurismus wegen eingebaut wurden. Spannender ist da schon, dass ausgerechnet ein Model gleichzeitig Mörderin ist, was für ein paar nette Seitenverweise gut ist. Aber auch daraus hätte man mehr machen können. Anna ist viel zu sehr damit beschäftigt, ständig auf der Zeitleiste hin und her zu springen und damit eine Komplexität vorzutäuschen, welche die Geschichte gar nicht hat. Zumal es irgendwann etwas ermüdend ist, immer ein Ereignis zu sehen, nur um danach dann die Hintergründe erklärt zu bekommen. Da wäre mehr Abwechslung gut gewesen, wenn man denn schon die Chronologie aufgibt.

Immerhin stimmt die Besetzung. Sasha Luss, die auch im wahren Leben als Model arbeitet, nimmt man die Doppelrolle als mordende Laufstegschönheit durchaus ab – auch wenn die Charakterzeichnung sicherlich mehr zugelassen hätte. Dazu gesellen sich Evans und Mirren als KGB-Agenten mit leicht kuriosem russischem Akzent. Das kann man sich gefallen lassen, vor allem als Fan von schlagkräftigen Frauenfiguren. Das lang erwartete Comeback von Besson wird Anna jedoch kaum sein, dafür ist das hier zu wenig eigenständig, zu oft schon gesehen. Wären da nicht die großen Namen vor und hinter der Kamera, kaum einer würde sich für den Thriller erwärmen. Und selbst mit diesem Aufmerksamkeitsbonus bleibt ein letztendlich nur durchschnittlicher Film.

Anna
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Anna
Mit „Anna“ kehrt Luc Besson zu seinen Wurzeln zurück und erzählt die Geschichte einer KGB-Auftragsmörderin, die sich als Model ausgibt. Das ist gut besetzt, inhaltlich trotz der ständigen Zeitwechsel jedoch recht dünn. Und auch bei den Actionszenen hätte noch deutlich mehr passieren dürfen.
5von 10

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