Kritik

Monsieur Killerstyle

„Monsieur Killerstyle“ // Deutschland-Start: 24. September 2020 (DVD/Blu-ray)

Teuer war sie, ganze 7500 Euro hat Georges (Jean Dujardin) für die Wildlederjacke bezahlt. Doch sie ist es wert, denn ein solcher Killerstyle ist unbezahlbar. Dass der Verkäufer ihm noch eine Handkamera obendrein gibt, wäre nicht notwendig gewesen. Andererseits findet er auch dafür eine gute Verwendung. Denn so kann er sich bei der Bedienung Denise (Adèle Haenel) als Filmemacher ausgeben. Mehr noch, er überredet sie, als Cutterin an dem Projekt mitzuwirken. Ein Thema ist ebenfalls bald gefunden, schließlich besteht seine Jacke darauf, einzigartig zu sein und keine andere Jacke neben sich zu dulden. Und so zieht Georges durch die Gegend, mit dem Ziel, den Rest der Menschheit um seine Jacken zu erleichtern – koste es, was es wolle …

Quentin Dupieux ist sicherlich einer der großen aktuellen Vertreter eines surrealen Humors, wie er gerade zu Beginn mit seinen Filmen Rubber und Wrong gezeigt hat. Auch in Folge fiel er durch schrägen Witz auf, wurde dadurch zu einem echten Kult-Regisseur, der zwar nie übermäßig große kommerzielle Erfolge feierte, dafür aber auf Festivals Stammgast ist. Und doch: Mit der Zeit wurden seine Filme weniger anarchisch, er nähert sich immer weiter einem fast schon normalen Erzählen an. So war Die Wache über ein absurdes Verhör in einer Polizeiwache schon ungewohnt zugänglich, ein Trend, den er mit Monsieur Killerstyle noch weiter fortsetzt.

Menschen als Hindernis
Dieses Mal folgen wir einem Mann, der durch die Gegend zieht und bei seinem Wahn um die Jacke immer mehr Grenzen überschreitet, bis er zum Serienmörder wird. Filme, die auf eben solche Mörder zugeschnitten sind, gibt es natürlich nicht gerade wenige. In Maniac sehen wir durch die Augen eines solchen, wie er Frauen ermordet. Auch in Der Läufer hat es der Protagonist auf Frauen abgesehen. Georges hingegen ist das Geschlecht seiner Opfer egal. Es spielt für ihn auch keine Rolle, ob sie nun sterben oder nicht, er empfindet dabei keine Freude. Der Tod der Menschen ist für ihn nur ein Mittel zum Zweck, am Ende eben an ihre Jacken zu kommen.

Natürlich ist das bescheuert, soll es auch sein. Monsieur Killerstyle ist eben kein Horrorfilm oder Thriller, selbst wenn er manchmal als solcher verkauft wurde. Vielmehr hat Dupieux erneut eine Komödie gedreht, wenngleich eine sehr schwarze und blutige. Wenn Georges durch die Welt streift, um dem Wahn seiner Jacke nachzugehen, dann wirkt das fast schon wie eine Parodie auf „echte“ Serienmörder-Filme. Hinzu kommt der Aspekt des Films, da sich der Protagonist nun einmal als Regisseur ausgibt und alles mit der Kamera festhält. Zwischenzeitlich fängt man sogar an zu zweifeln, ob der Film das Begleitprodukt des Mordens ist oder ob gemordet wird, um einen Film zusammenzubekommen.

Schräger Spaß statt Tiefe
Leider verfolgt Dupieux diesen Ansatz aber nicht weiter. Der Meta-Aspekt eines Films über das Filmemachen wird nur angekratzt, Monsieur Killerstyle verzichtet darauf, aus dem Szenario eine Aussage ableiten zu wollen, welche auf die Welt da draußen verweist. Steilvorlagen wie unsere Besessenheit mit dem Aussehen oder einem öffentlichen Image bleiben selbst an der Oberfläche. Die Komödie wird auch nie so böse, wie es beispielsweise Mann beißt Hund war, eine weitere französischsprachige Komödie um einen Serienmörder, der bei der Arbeit gefilmt wird. Selbst wenn der Regisseur und Drehbuchautor zu seinen expliziteren Anfängen zurückkehrt, wirkt es nie real genug, um in der Hinsicht Wirkung zu zeigen, zu schockieren. Er mag es lieber schräg als hart, zeigt seinen Protagonisten als weltfremden Sonderling, der zunehmend den Bezug zur Wirklichkeit verliert.

Das ist, sofern man sich für die Mischung aus Skurrilität und Blut erwärmen kann, aber durchaus unterhaltsam. Die Komödie, welcher in der Directors’ Fortnight von Cannes 2019 Premiere feierte und anschließend auf zahlreichen Festivals zu Hause war, ist ein kurzweiliger Film über einen Mann, der in seiner Sehnsucht keine Grenzen kennt. Dass Dupieux über den Menschen dahinter nichts verrät, ist zwar einerseits schade. Andererseits gelingt es Jean Dujardin diese Figur auch so fesselnd zu gestalten. Der unter anderem aus The Artist und Intrige bekannte Schauspieler hält dabei die Balance zwischen einer lächerlichen und traurigen Gestalt, der man zwar nicht in einer dunklen Gasse über den Weg laufen möchte, dem man aus der Weite aber schon ganz gerne bei seinem wahnsinnigen Treiben zusieht.

Credits

OT: „Le Daim“
IT: „Deerskin“
Land: Frankreich
Jahr: 2019
Regie: Quentin Dupieux
Drehbuch: Quentin Dupieux
Musik: Janko Nilović
Kamera: Quentin Dupieux
Besetzung: Jean Dujardin, Adèle Haenel

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Monsieur Killerstyle
In „Monsieur Killerstyle“ kauft ein Mann eine Wildlederjacke und ist mit der Zeit so sehr von ihr besessen, dass er über Leichen geht. Das ist trotz so mancher Gewaltszene mehr schräg als erschreckend. Die Komödie bleibt auch an der Oberfläche, nutzt Themen wie unsere Besessenheit mit dem Aussehen oder den Meta-Aspekt des Filmemachens kaum. Dafür macht sie Spaß, nicht zuletzt wegen Jean Dujardin, der sich ohne Zurückhaltung in seine lächerlich-traurige Figur stürzt.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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