Kritik

The Fast and the Furious

„Fast & Furious 6“ // Deutschland-Start: 23. Mai 2013 (Kino) // 24. August 2017 (DVD/Blu-ray)

Richtig scharf war Dominic Toretto (Vin Diesel) ja nicht drauf, Luke Hobbs (Dwayne Johnson) wiederzusehen. Aus gutem Grund, hatten er und seine Crew sich doch mit den gestohlenen 100 Millionen Dollar aus dem Staub gemacht und sind seither auf der Flucht vor dem FBI-Agenten. Doch der ist gar nicht gekommen, um Toretto dingfest zu machen. Vielmehr schlägt er ihm eine Zusammenarbeit vor, um den brutalen Bandenführer Owen Shaw (Luke Evans) zur Strecke zu bringen. Und er hat gute Argumente. Nicht allein, dass den Verbrechern eine Begnadigung winkt, zudem scheint Letty (Michelle Rodriguez) Teil von Shaws Gang zu sein, Doms totgeglaubte große Liebe. Also holt er Brian O’Conner (Paul Walker) und den Rest seiner Crew zurück, um gemeinsam mit Hobbs Shaw zu jagen …

Fast & Furious ist immer noch eines der größten Film-Phänomene des letzten Jahres. Zum einen widerstand die Reihe dem sonst üblichen Trend, dass die Einspielergebnisse ab einem gewissen Zeitpunkt von Teil zu Teil sinken. Sieht man einmal von The Fast And The Furious: Tokyo Drift ab, der auch aufgrund der komplett ausgetauschten Besetzung nicht wirklich ins Bild passte, steigerten sich die Einnahmen kontinuierlich – und das auf hohem Niveau. Zum anderen schaffte man es, nach einem holprigen Start mit diversen Wechseln personeller wie inhaltlicher Art ein Gesamtwerk aus dem Boden zu stampfen, welches im Stil des Marvel Cinematic Universe lauter voneinander unabhängige Einzelfilme zusammenführt.

Viele altbekannte Gesichter
Tatsächlich hat das hier schon ein bisschen was von den Avengers. Klar, extraterrestrische Gottheiten oder experimentelle Monster braucht man in Fast & Furious 6 nicht zu suchen. Außerdem sind die Protagonisten zumindest der Theorie nach alles Verbrecher und damit eigentlich eher für die Schurkenrollen gedacht. Und doch erinnert es an das Zusammentreffen der Comicstars, wenn aus den unterschiedlichsten Teilen Figuren zusammengetrommelt werden, alte Geschichten wieder aufgewärmt. Das prominenteste Beispiel ist sicher Letty, die in Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile. bereits für tot erklärt wurde und nun doch wieder auftaucht. Aber auch ein paar andere Wiederkehrer sind mit von der Partie, und sei es nur für ein paar Sekunden.

Das ergibt dann nicht alles unbedingt immer Sinn. Gerade die Wiederbelebung von Letty ist schon von einer ausgesprochenen Dreistigkeit. Wie beim Marvel-Vorbild auch zeigt man keine Hemmungen, irgendwelche Fanservice-Momente und Verweise auf andere Teile einzubauen. Das kann man albern finden, beim Publikum kommt es aber an – umso mehr, da die Reihe nun das Motiv der Familie für sich entdeckt hat. Waren die ersten Teile eigentlich mehr von den Konflikten untereinander geprägt, ist die Crew nun zusammengewachsen. Selbst Hobbs, in Fast & Furious 5 noch der Quasi-Gegenspieler, wurde einverleibt. Das bedeutet nicht, dass nun alles ganz harmonisch wäre. Im Gegenteil: Ein Teil des Reizes besteht in den ständigen Auseinandersetzungen und den Sprüchen, die man sich gegenseitig an den Kopf wirft.

Lasst Autos fliegen!
Trotz des im Vergleich zu früher gesteigerten Humors, Fast & Furious 6 ist und bleibt natürlich in erster Linie ein Action-Film. Und wer nur für diesen Aspekt einschaltet, der bekommt jede Menge geboten. Wie es die Tradition der Reihe so will, geht es gleich mit viel Rumms los, auch später sind quietschende Reifen fester Bestandteil der Geräuschkulisse. Illegale Autorennen, die eigentlich der Startschuss für die Antihelden-Saga waren, spielen zwar praktisch keine Rolle mehr. Dafür gibt es andere Verfolgungsjagden, gerne auch mal ziemlich absurd, sowie diverse wuchtige Nahkampfszenen. Und bei beiden zeigt Regisseur Justin Lin sein Talent für Adrenalinspritzen, in der Hinsicht dürfte kein Fan meckern.

Dafür zeigte sich beim sechsten Teil ein Nachteil, der später noch ausgeprägter ausfallen wird: Die Crew ist mittlerweile schon sehr groß geworden. Wer nicht von Anfang an dabei war, hat kaum eine Chance, die vielen Leute wirklich auseinanderzuhalten, die hier im Laufe der 130 Minuten durch die Gegend rasen. Und auch sonst wirkt der zum Bombast neigende Blockbuster überfrachtet – während gleichzeitig die Geschichte dünn wie immer ist, vollgestopft mit Stereotypen. Aber es ist schon recht spaßig, was Fast & Furious 6 da auf die Beine stellt, sofern man sich an augenzwinkerndem Spektakel erfreuen kann, zumal der anstrengende Macho-Pathos, der gerade Vin Diesel lange begleitet hat, deutlich reduziert wurde.

Credits

OT: „Fast & Furious 6“
Land: USA
Jahr: 2013
Regie: Justin Lin
Drehbuch: Chris Morgan
Musik: Lucas Vidal
Kamera: Stephen F. Windon
Besetzung: Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Jordana Brewster, Tyrese Gibson, Ludacris, Sung Kang, Luke Evans

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Fast & Furious 6
4.11 (82.22%) 9 Artikel bewerten

Fast & Furious 6
In „Fast & Furious 6“ gibt es ein Wiedersehen mit zahlreichen früheren Figuren der Reihe, was mit jeder Menge Fanservice einhergeht. Wer die bisherigen Teile mochte, wird allein deshalb schon auf seine Kosten kommen. Neulinge verzweifeln zwar vielleicht an den diversen Anspielungen und der inzwischen unübersichtlichen Crew, können aber mit den launigen Auseinandersetzungen und den absurden Actionszenen ihren Spaß haben – sofern sie keine Ansprüche an den Inhalt stellen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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