Kritik

The Fast and the Furious

„Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile.“ // Deutschland-Start: 2. April 2009 (Kino) // 24. August 2017 (DVD/Blu-ray)

Dominic Toretto (Vin Diesel) hatte eigentlich vorgehabt, ein neues Leben anzufangen, weit weg von allem, vor allem weit weg vom FBI, das ihm noch immer auf den Fersen ist. Als er dann jedoch einen Anruf erhält, dass seine Freundin ermordet wurde, kehrt er in die USA zurück, um bei ihrer Beerdigung zu sein – und um den Mörder zu finden. Bei seinen Ermittlungen stößt er auf Brian O’Connor (Paul Walker), der vor Jahren als Undercover-Agent in seiner Gang war und nun wieder fürs FBI arbeitet. Begeistert ist Dom nicht über dieses Wiedersehen. Aber jetzt heißt es erst einmal zusammenzuarbeiten, um den mexikanischen Drogenbaron Braga ausfindig zu machen, der hinter allem stecken soll …

Auch wenn die Reihe rund um schnelle Autos und harte Kerle von Anfang an ein echter Blockbuster war, ein bisschen holprig war der Start schon. Nach dem großen Erfolg von The Fast and the Furious stieg Aushängeschild Vin Diesel aus, weshalb man beim Nachfolger 2 Fast 2 Furious erst einmal nur mit Brian Walker weitermachte, der dafür aber die Seiten wechseln musste, aus dem Agent wurde ein Verbrecher. Teils versuchte man den Vorgänger zu kopieren, teils ging man in eine andere Richtung, verzichtete beispielsweise fast völlig auf die Straßenrennen, welche ja eigentlich im Mittelpunkt standen. Im dritten Film The Fast And The Furious: Tokyo Drift ging es dann wieder fast ausschließlich um diese Rennen, dafür gab es völlig andere Figuren – was beim Publikum offenbar nicht gut ankam, der Film ist der bis heute erfolgloseste der Reihe.

Zurück auf die Startlinie
Also ging man bei Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile. wieder direkt zum Anfang zurück. Noch deutlicher wurde das im Englischen, wo der Film schlicht Fast & Furious genannt wird. Zeitlich wurde der vierte Teil nachträglich vor dem dritten einsortiert, um irgendwie das Fehlen der Stars dort zu rechtfertigen. Außerdem wurden die Ereignisse aus 2 Fast 2 Furious ignoriert. Warum Brian beispielsweise wieder Agent ist, nachdem er zuletzt mit gestohlenem Drogengeld gesehen wurde, der damit eine Werkstatt aufmachen wollte, das wird nicht einmal versucht zu erklären. Ist halt so. Andererseits: Der Inhalt war in der Reihe von Anfang an unwichtig, die völlige Missachtung von Kontinuität bescherte den Fans auf diese Weise die erste richtige Fortsetzung des Hits aus dem Jahr 2001.

Tatsächlich darf man hier so manches Déjà vu haben. Nicht allein, dass es ein Wiedersehen mit diversen Hauptfiguren des ersten Teils gibt, erneut stehen illegale Rennen und ein Undercover-Einsatz gegen einen gemeinsamen Feind im Mittelpunkt. Erstere machen wie immer einiges her, da wurde nicht an Auto-Materialschlachten gespart. Gleich zu Beginn gibt es auch wieder eine schön überzogene Actionszene um eine etwas andere Verfolgungsjagd. Das kann es dann zwar noch nicht mit der Over-the-Top-Richtung aufnehmen, welche die Reihe später noch einschlagen sollte, dafür ist das hier noch zu wenig ausgeprägt. Spaß macht es trotzdem.

NEHMT. MICH. ERNST.
Wie viel Spaß man mit Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile. insgesamt hat, hängt jedoch maßgeblich damit zusammen, wie viel man den Macho-Allüren abgewinnen kann, vor allem denen von Vin Diesel. Während andere aus dem Team dem Geschehen im weiteren Verlauf mit einem gewissen Augenzwinkern begegnen, meinte der No-Nonsens-Darsteller das alles immer richtig ernst. Das kann man dann toll finden, wie er bis in den kleinen Zeh auf cool getrimmt ist und Belanglosigkeiten als große Momente zu inszenieren gewillt ist. Andere werden sich amüsieren bei diesem offensichtlichen Kontrast zwischen zur Schau getragener Ernsthaftigkeit und dem Mumpitz. Oder man ärgert sich darüber, wie wichtig sich jemand nimmt, der nichts zu sagen hat und Schauspielerei mit variantenloser Grimmigkeit gleichsetzt.

Inhaltlich gesehen ist der Film ohnehin ein ebenso großer Schrott, wie es die Wagen nach ihren Einsätzen sind. Als wären die Dialoge nicht schon peinlich genug, gibt es viel zu viele Szenen, in denen sie auftauchen – bis das hier mal richtig in die Gänge kommt, ist schon ein beachtlicher Teil des Films vorbei. Da hilft es auch nicht, dass die Figuren ziemlich langweilig sind, Brian Walker als unkonventioneller Agent noch einmal deutlich blasser geworden ist. Hatte er in den ersten beiden Teilen zumindest ein paar Szenen, die irgendwie Spaß machten, bleibt er hier weniger in Erinnerung als die Autos. Wer sich in erster Linie für Letztere interessiert bzw. die damit verbundenen Rennen, der kommt bei Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile. auf seine Kosten. Alle anderen brauchen es hiermit nicht zu versuchen.

Credits

OT: „Fast & Furious“
Land: USA
Jahr: 2009
Regie: Justin Lin
Drehbuch: Chris Morgan
Musik: Brian Tyler
Kamera: Amir Mokri
Besetzung: Vin Diesel, Paul Walker, Jordana Brewster, John Ortiz, Gal Gadot, Laz Alonso

Trailer

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Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile.
3.67 (73.33%) 3 Artikel bewerten

Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile.
„Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile.“ vereint die Figuren aus dem ersten Teil und ignoriert auch sonst, was sich in der Zwischenzeit so getan hat. Sehenswert ist der Film wenn dann für die rasanten Autorennen, inhaltlich ist das hier nach wie vor ausgesprochen schwach. An der bewusst auf cool angelegten Performance von Vin Diesel, die in einem starken Kontrast zum gezeigten Blödsinn ist, scheiden sich ohnehin die Geister.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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