Kritik

My Hero Academia

„My Hero Academia – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 30 . März 2018 (Vol. 1 DVD/Blu-ray) // 15. Juni 2018 (Vol. 2 DVD/Blu-ray) // 17. August 2018 (DVD/Blu-ray)

In der Welt von morgen sind besondere Fähigkeiten eigentlich nichts Besonderes mehr. Fast jeder hat sie in irgendeiner Form, von nützlichen Kräften, die besondere Stärke verleihen, bis zu etwas skurrileren Ausführungen. Aber es gibt auch Ausnahmen, so wie Izuku Midoriya. Denn so sehr er sich auch irgendeine Fähigkeit wünscht, da ist einfach nichts, weshalb er auch ständig von anderen aufgezogen wird – etwa von Katsuki Bakugo. Das hindert Izuku jedoch nicht daran, trotzdem ein Held werden zu wollen, so wie sein großes Idol All Might. Dem steht er eines Tages tatsächlich gegenüber, als er von diesem aus einer misslichen Lage befreit wird. Mehr noch, der Superheld ist bereit, dem Jungen seine besondere Kraft zu übertragen. Doch das ist erst der Anfang von Izukus Abenteuer, der an einer speziellen Heldenschule viel zu lernen hat …

Lasst uns alle gleich anders sein!
Es ist ein schmaler Grat zwischen „besonders“ und einfach nur „anders“. Während die einen Menschen vielleicht dafür Bewunderung erfahren, wenn sie sich irgendwie von den sonstigen Leuten abheben, dürfen sich viele eher auf Ausgrenzung gefasst machen. Wer nicht so ist wie wir, den wollen wir nicht, der soll weggehen, abhauen, die Leine ziehen. Das ist ein Phänomen, das leider auch im 21. Jahrhundert nicht geringer zu werden scheint. Kinder, die an Schulen gemobbt werden, der unverhohlene Rassismus, der zuletzt aufgrund der Flüchtlingsthematik in der Politik Einzug erhalten hat – Beispiele dafür gibt es mehr als genügend. In den letzten Jahren hat es eine Reihe von Filmen und Serien gegeben, die diese hässliche menschliche Eigenschaft in einen Fantasy- oder Science-Fiction-Kontext gesteckt haben: Von X-Men bis Freaks – Sie sehen aus wie wir, Mutanten mit besonderen Fähigkeiten werden regelrecht von den „Normalen“ gejagt.

Aber es geht auch anders herum, wie das Beispiel My Hero Academia aufzeigt. Hier sind die Besonderen das neue Normale, wer nichts in der Hinsicht vorweisen kann, gehört nun zur Randgruppe und muss sich darauf einstellen, von anderen verhöhnt bis verachtet zu werden. Im Gegensatz zu den obigen Titeln wird daraus aber kein düsteres Drama gemacht. Vielmehr ist der Ton ausgesprochen humorvoll. Die Adaption von Kōhei Horikoshis gleichnamigen Manga erinnert daher eher an den französischen Animationskollegen SamSam, der ebenfalls von einem Schüler erzählte, dem an einer speziellen Heldenschule die Fähigkeiten fehlten und damit haderte. Nur dass dort einfühlsam auf die Situation von Kindern eingegangen wird, hier geht es vielmehr richtig zur Sache, zur Freude der jugendlichen Zielgruppe.

Guter Einstieg mit Luft nach oben
Tatsächlich wechselt die Serie zwischen Action und Humor hin und her, erinnert auch wegen der sonderbaren Fähigkeiten zuweilen etwas an One Piece. Mit dem beliebten Piraten-Szenario des Dauerbrenners kann es My Hero Academia nicht aufnehmen. Während es heute kaum noch Produktionen rund um Freibeuter gibt, sind spezielle Schulen für Menschen mit besonderen Kräften selbst nicht wirklich etwas Besonderes. Zumindest die erste Staffel, welche 13 Episoden umfasst, schafft es auch noch nicht so wirklich, dem Setting ein eigenes Flair zu geben. Aber das mögen einfach die Anfangsschwierigkeiten sein, wenn sich die Geschichte stärker auf Izuku konzentriert und die Zeit nicht ausreicht, um zu einem wirklichen Schulalltag überzugehen.

Dafür sind die Designs der entsprechend ausgestatteten Figuren teilweise sehr gelungen, wenn auf eher gewöhnlich gestaltete Menschen eine Reihe sonderbarer Kreaturen kommt. Ohnehin kann man optisch nicht wirklich über die Serie meckern. Das Anime-Traditionsstudio Bones (Noragami, Space Dandy) hat bei den Animationen gute Arbeit geleistet, die Hintergründe und Spezialeffekte sind alle auf einem mehr als ordentlichen Niveau. Das ist auch deshalb wichtig, weil doch recht oft gekämpft wird oder zumindest so getan als ob. Und da wollen die einzelnen Fertigkeiten der Nachwuchshelden doch in Szene gesetzt werden. Die Serie ist dabei mehr als nur sinnbefreites Gekloppe: Ein weiterer interessanter Faktor von My Hero Academia ist das eigenwillige Verhältnis zwischen Izuku und Katsuki, das nie so ganz die Balance aus Freundschaft und Rivalität findet. Dazu gibt es rührende, wenn auch wenig besondere Ausführungen dazu, was einen Helden letztendlich ausmacht. Richtig viel lernt man dabei als Zuschauer nicht, aber das mag noch kommen, Nachschub gibt es bei der bereits mehrere Staffeln umfassenden Produktion reichlich und damit die Gelegenheit, noch ein bisschen tiefer zu gehen.

Credits

OT: „Boku no Hīrō Akademia“
Land: Japan
Jahr: 2016
Regie: Kenji Nagasaki
Drehbuch: Yōsuke Kuroda
Vorlage: Kōhei Horikoshi
Musik: Yuki Hayashi
Animation: Bones

Bilder

Trailer

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My Hero Academia – Staffel 1
„My Hero Academia“ ist eine spaßige Animeserie über eine Zukunft, in der die Besonderen die Normalen sind, Leute ohne Spezialfähigkeit ausgegrenzt werden. So richtig in die Tiefe geht das nicht, der Schwerpunkt liegt dann doch eher auf den kuriosen Kräften und den Kämpfen. Das kann sich jedoch sehen lassen, wer humorvolle Actionserien mag, der wird hier gut unterhalten.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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