(„Noragami“ directed by Kotaro Tamura, 2014)

Noragami

„Noragami“ ist auf zwei Volumes verteilt auf DVD und Blu-ray erhältlich

Früher einmal soll Yato ein mächtiger Kriegsgott gewesen sein. Heißt es. Wenn das stimmt, muss das sehr, sehr lange her sein, denn heute kann sich keiner mehr an ihn erinnern. Nicht einmal einen eigenen Schrein kann er noch vorweisen! Stattdessen lebt er auf der Straße, trägt einen alten Jogginganzug und hangelt sich von Auftrag zu Auftrag, immer auf der Suche nach ein bisschen Geld und Anhängern. Als er eines Tages eine entlaufene Katze sucht, trifft er auf Hiyori, die ihn vor einem heranrauschenden Bus rettet. Nur hat diese Begegnung eine unangenehme Nebenwirkung: Die Schülerin wandert fortan als Halbgeist zwischen den Welten und ist deshalb gar nicht gut auf den nichtsnutzigen Gott zu sprechen. Wie so manch anderer auch.

Übernatürliche Wesen, die in der Menschenwelt ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, das hat viel Culture-Clash-Potenzial, wie die Serie The Devil Is A Part-Timer! unlängst bewies. Zunächst geht Noragami in eine ganz ähnliche Richtung, die Adaption von Adachitokas gleichnamigen Manga würde in der ersten Hälfte sogar als Komödie durchgehen. Das liegt nicht nur an dem kuriosen Szenario – ein obdachloser Gott im Jogginganzug –, sondern gerade auch an den Auseinandersetzungen der einzelnen Charaktere. Respekt bekommt Yato von niemandem, warum auch, wenn er nichts auf die Reihe bekommt? Streitereien zwischen ihm und seinem Umfeld sind da an der Tagesordnung, zur Erheiterung des Publikums.

Später wird der Humor jedoch wieder deutlich zurückgefahren. Es kommen Geschichten hinzu, die erstaunlich traurig sind und von wenig komischen Themen wie Einsamkeit handeln, ohne dabei unnötig ins Melodram abzugleiten. Vor allem Actionfreunde kommen bei Noragami aber auf ihre Kosten. Gekämpft wird hier von Anfang an immer mal wieder, schließlich gilt es, böse Geister in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Diese sind der visuelle Schwachpunkt der Serie, haben wenig Details, sehen sich auch oft zu ähnlich. Ansonsten aber hat das Animationsstudio BONES (Fullmetal Alchemist, Space Dandy) bei der Umsetzung gute Arbeit geleistet. Die Animationen sind flüssig, die Designs der Figuren ansprechend, die Hintergründe schön stimmungsvoll.

Das große Spektakel bleibt den zwölf Folgen der ersten Staffel jedoch aus, der Anime ist relativ gradlinig, lebt weniger von einer komplexen Geschichte als vielmehr den sympathischen, manchmal etwas überzogenen Figuren. Und eben dem Szenario. Japanophile dürfen sich darüber freuen, ein wenig mehr über die Mythologie des Landes der aufgehenden Sonne zu erfahren. Schon das Konzept des Noragami, des „streunenden Gottes“, dürfte vielen nicht wirklich geläufig sein. Aber auch die anderen Geisterwesen und Gottheiten basieren zumindest im Teil auf urjapanischen Überzeugungen.

Das hätte da gern sogar noch ein bisschen mehr in die Tiefe gehen dürfen, aber auch so heben die religiösen Geschichten den Anime von der zahlreichen Fantasykonkurrenz ab und machen neugierig, welche Abenteuer Yato und die anderen in der Folgeserie Noragami Aragoto erleben werden, die ebenfalls für Deutschland angekündigt ist. Apropos: Der deutschen Fassung der ersten der beiden Volumes liegt eine echte 5-Yen-Münze bei, was eine wirklich nette Idee ist, da diese in Noragami auch der übliche Lohn für ein Gotteswerk ist. Gebraucht hätte es das nicht, auch so gehört die Serie zu den besseren, die in der letzten Zeit ihren Weg hierhergefunden haben. Sie passt aber in die liebevolle Aufmachung der Veröffentlichung.



(Anzeige)

Noragami
4.07 (81.43%) 14 Artikel bewerten

Noragami
Anfangs viel Humor, später etwas Drama, dazwischen häufige Kämpfe – „Noragami“ bietet von allem ein wenig. Das ist nicht zuletzt wegen der guten Optik, der sympathischen Figuren und der interessanten Ausflüge in die japanische Mythologie empfehlenswert, selbst wenn die Geschichte recht gradlinig ist.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.