Then Came You

„Then Came You“ // Deutschland-Start: 18. Juli 2019 (DVD/Blu-ray)

Calvin (Asa Butterfield) muss sterben, davon ist er felsenfest überzeugt. Bei den Ärzten ist er bereits Dauergast, auch wenn die ihm wieder beteuern, dass ihm nichts fehlt. Ganz anders Skye (Maisie Williams), die er in einer Selbsthilfegruppe für Krebspatienten kennenlernt. Sie ist auch sonst das genaue Gegenteil von dem schüchternen, zurückhaltenden Jungen, der es bis heute nicht geschafft hat, der schönen Flugbegleiterin Izzy (Nina Dobrev) seine Gefühle zu gestehen. Denn sie weiß, was sie will: All die Punkte auf ihrer To-Do-Liste noch vor ihrem Tod abarbeiten. Und ausgerechnet Calvin soll ihr dabei helfen …

Krankheiten sind unangenehm, das wissen wir alle, die einen mehr, die anderen weniger. Die wenigsten von uns wollen damit dann auch was zu tun haben. Und doch, werden sie in Filmen gezeigt, geht uns oft das Herz auf, können wir so doch mit jemandem leiden, der uns nahegeht, ohne zu sehr nahezugehen. Ist ja bloß ein Film. Deswegen darf es da gern noch ein bisschen dramatischer zugehen, damit man sich richtig schön ausheulen kann, kostet ja nichts. Und was wäre dramatischer als ein Film, der von todkranken Jugendlichen handelt? Von jungen Menschen, die sich auf dem Weg ins Erwachsenenleben befinden und dabei wissen, dass sie nie dort ankommen werden?

Das Geschäft mit dem Tod
Damit lässt sich richtig viel Geld machen, wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter vor einigen Jahren zeigte. Und auch Drei Schritte zu dir lief dieses Jahr ganz erfolgreich im Kino. Bei Then Came You war der hiesige Verleih wohl nicht ganz so optimistisch. Anstatt die Geschichte um eine Todgeweihte, die sich mit einem Hypochonder anfreundet, auf die große Leinwand zu bringen, gibt es hier nur eine Veröffentlichung für die eigenen vier Wände. Vielleicht war man der Ansicht, dass die Starpower nicht ausreichte. Oder es war dann doch das über weite Strecken seltsam abwesende dramatische Element, das die Verantwortlichen am kommerziellen Erfolg zweifeln ließ.

Denn eigentlich spielt Skyes Krankheit in dem Film eine erstaunlich geringe Rolle. Nicht nur, dass sich die Krebspatientin so gar nicht daran stört, dass Calvin ein Hypochonder ist, dem anders als ihr gar nichts fehlt. Es setzt sich auch praktisch niemand damit auseinander, was es heißt, so jung sterben zu müssen. Stattdessen nutzt Then Came You die Situation nur aus, um eine mäßig interessante Liste abzuarbeiten, und setzt ansonsten auf den starken Kontrast zwischen den beiden Protagonist*innen. Er ist leise und introvertiert, sie total aufgekratzt, setzt sich gerne auch mal extravagante Perücken auf, um ihren kahlgeschorenen Schädel zu verdecken – quasi das einzige Zeichen für ihren inneren Zerfall. So richtig viel ist das jetzt nicht, was sich Drehbuchautor Fergal Rock bei seinem Spielfilmdebüt ausgedacht hat.

Sympathische Darsteller*innen 
Dafür stimmt die Chemie zwischen den beiden jungen Schauspieler*innen. Asa Butterfield (Sex Education) ist auf seine unbeholfen-verschrobene Weise putzig, Maisie Williams (Rendezvous mit dem Leben – The Book of Love) ist ein mitreißendes Energiebündel, das immer haarscharf die Kurve bekommt, bevor sie zur Nervensäge wird. Im Vergleich zu den beiden bleibt Nina Dobrev (Flatliners) sehr blass, Then Came You schafft es nie so wirklich, sie als dritte Hauptperson zu etablieren, aus ihr mehr zu machen als die schöne Flugbegleiterin, die Calvin die ganze Zeit anhimmelt. Und auch bei den restlichen Nebenfiguren verschwimmen die Konturen sehr schnell.

Gelungene Momente gibt es in den gut anderthalb Stunden natürlich schon, die zwischen witzig, traurig und romantisch wechseln können. Und auf eine gewisse Weise ist es ja auch sympathisch, dass hier nicht ganz so extrem auf die Tränendrüse gedrückt wird. Es bleibt nur in Folge nicht so wirklich viel zurück, nicht einmal der angekündigte Tod geht einem so richtig nahe. Das lässt sich insgesamt ganz gut anschauen, Coming-of-Age-Geschichten sind ja meistens irgendwie nett. Then Came You ragt darüber aber kaum hinaus, trotz einiger skurriler Einfälle und eines sympathischen Ensembles ist das hier am Ende zu wenig.



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Then Came You
4.06 (81.18%) 17 Artikel bewerten

Then Came You
„Then Came You“ erzählt die Geschichte eines Hypochonders, der sich mit einer Krebskranken anfreundet. Die Krankheit selbst spielt in dem Film nur eine untergeordnete Rolle, der Schwerpunkt liegt auf der Freundschaft der beiden grundverschiedenen Jugendlichen. Das ist toll gespielt, geht aber kaum in die Tiefe bzw. am Thema vorbei, am Ende bleibt nicht sehr viel übrig.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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